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JAN-ULLRICH-PROZESS: «Das bedaure ich sehr»

Am Donnerstag gab es im Bezirksgericht Weinfelden eine technische Panne. Richterin Claudia Spring erklärt, wie es dazu gekommen ist – und dass sie keine Journalisten aussperren wollte.
Peter Exinger
Die Mikrofone der Journalisten funktionierten klaglos: Jan Ullrich vor dem Prozess. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Mikrofone der Journalisten funktionierten klaglos: Jan Ullrich vor dem Prozess. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Peter Exinger

peter.exinger@thurgauerzeitung.ch

Für die Journalisten war der Jan-Ullrich-Prozess auch eine Nervenprobe. Das Gericht liess die Verhandlung live übertragen – die Journalisten durften nicht in den Gerichtsaal. Bild- und Tonqualität waren miserabel. Nach Protesten der Journalisten und Unterbruch des Prozesses durch die vorsitzende Richterin ClaudiaSpring, durften schliesslich doch alle Berichterstatter im Gerichtssaal Platz nehmen.

Claudia Spring, Sie haben am Donnerstag den Prozess gegen Jan Ullrich geleitet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Journalisten mit einer Live Bild- und Ton-Übertragung zu bedienen, aber nicht in den Gerichtssaal vorzulassen?

Der Fall Jan Ullrich hat wegen der Prominenz des Beschuldigten ein grosses mediales Echo ausgelöst. Wir mussten mit einem grossen Andrang beim Prozess rechnen, sodass der Gerichtssaal für alle Zuschauenden keinen Platz geboten hätte. 30 Journalisten waren angemeldet. Wegen der Berichterstattung im Vorfeld haben wir auch mit einer grossen Anzahl Zuschauern gerechnet.

Letztlich waren aber nur knapp mehr als ein Dutzend Berichterstatter anwesend und kaum Zuschauer.

Es waren 16 Journalisten plus fünf Zuschauer. Wir wollten aber bei grossem Andrang das Öffentlichkeitsprinzip wahren und allen dieselbe Möglichkeit geben, den Prozess verfolgen zu können.

Aber technisch geklappt hat das nicht. Die Gesichter waren nicht zu erkennen, die Sätze in weiten Teilen unverständlich.

Das tut mir ausserordentlich leid. Wir haben in den Tagen vorher mehrmals Bild- sowie Tonproben abgehalten. Und es war immer alles in Ordnung und verständlich.

Aber am Prozesstag leider nicht.

Was wir nicht beachtet hatten, war, dass bei den Proben keine Parteien anwesend gewesen sind. Das Mikrofon hat auch alle störenden Nebengeräusche übertragen. Deswegen haben Sie nichts verstanden. Das bedaure ich. Das ist unschön.

Weil Sie ja damit in Verdacht geraten, die Öffentlichkeit ausschliessen zu wollen.

Genau. Und das war gar nicht meine Intention. Ganz im Gegenteil. Dass das nun so rausgekommen ist, tut mir aufrichtig leid.

Sie mussten dann auf Protest einiger Journalisten die Verhandlung unterbrechen.

Es war vorgesehen, dass wenn etwas technisch nicht klappen sollte, ich sofort zu informieren sei.

Ihre Mitarbeiter haben aber erst reagiert, als die Journalisten zu dritt, wiederholt und bestimmt forderten, Zugang zum Gerichtssaal zu erhalten.

Das ist bedauerlich. Ich verstehe Ihre Perspektive gut. Ich habe aber den Prozess sofort unterbrochen, als ich davon in Kenntnis gesetzt wurde. Und wir konnten glücklicherweise alle Journalisten in den Gerichtssaal lassen, weil der grosse angekündigte Ansturm, mit dem wir aufgrund der Anmeldungen rechneten, letztlich ausgeblieben ist.

Was auch noch zu der kuriosen Situation beigetragen hat, war: Wir Journalisten waren nicht darüber informiert worden, dass wir nur einer Live-Übertragung beiwohnen werden.

Das ist nicht gut. Die Mitarbeiter waren instruiert, Ihnen mitzuteilen, dass ich zum Grund der Übertragung Ausführungen machen werde. Bei Prozesseröffnung habe ich die Notwendigkeit einer Live-Übertragung auch ausführlich erklärt – das ist auch so protokolliert.

Das hat aber von den Journalisten leider niemand verstanden, weil eben der Ton so schlecht war.

Wie gesagt: Das ist sehr bedauerlich und tut mir leid. Wir vom Bezirksgericht Weinfelden verfügen offensichtlich nicht über die gleichen technischen Mittel wie ein TV-Unternehmen, die für eine Übertragung in genügend guter Qualität notwendig wären. Jedenfalls kann keine Rede davon sein, die Öffentlichkeit vom Prozess auszuschliessen. Wir folgen den rechtsstaatlichen Prinzipien und wir halten die Pressefreiheit in diesem Land hoch. Aber ich muss auch sagen, dass das ausgerechnet beim Jan-Ullrich-Prozess passieren musste, ist wirklich sehr ungünstig. Und so etwas darf sich nicht noch einmal in dieser Art ereignen. Ich bin konsterniert, dass es mit Blick auf die technische Übertragung nicht wie geplant funktionierte und dadurch bei den Medienschaffenden dieser Eindruck entstanden ist.

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