JAHRESVERSAMMLUNG: Gesucht: Junge für Altes

Dem Thurgauer Heimatschutz fehlt es an Geld und Resonanz. Doch Aufgeben kommt für die Liebhaber historischer Bausubstanz nicht in Frage. Ganz im Gegenteil.

Christof Lampart
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Die Mühle Schönenberg: eines von vielen Projekten, bei denen der Heimatschutz schon mitgewirkt hat. (Bild: Nana do Carmo (5. Juli 2005))

Die Mühle Schönenberg: eines von vielen Projekten, bei denen der Heimatschutz schon mitgewirkt hat. (Bild: Nana do Carmo (5. Juli 2005))

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Der Thurgauer Heimatschutz engagiert sich seit jeher für die Erhaltung bedeutender Bauwerke, für eine gute zeitgenössische Architektur, die Erlebbarkeit von Baukultur und für den Schutz wertvoller Landschaften und Ortsbilder. Dabei eckt die seit 1907 bestehende und heute rund 400 Mitglieder zählende Non-Profit-Organisation in Sachen kantonaler Baukultur beim Erhalt der Heimat – egal ob es sich dabei um einen historischen Riegelbau, einen Hafen oder eine Industriebrache handelt – naturgemäss oft an. Denn dort, wo Heimatschützer oft ein bestehendes Stück Heimat unbedingt bewahren wollen, sehen Politiker, Bauherren und Investoren nostalgische Ewiggestrige und Verhinderer am Werk.

Auch der Heimatschutz hat wertvolle «Stuten» im Stall

Dies «völlig zu Unrecht», wie Uwe Moor, Präsident des Thurgauer Heimatschutzes, am Samstag an dessen Jahresversammlung in der Schönenberger «Mühle» erklärte. Denn der Schutz der Heimat sei «ebenso wichtig wie der Schutz von Tieren», bemerkte Moor. Die öffentliche Sympathie und das wachsende Verständnis, welche seit den schrecklichen Vorkommnissen von Hefenhofen Tierschützern hierzulande verständlicherweise zukomme, wünsche er sich zuweilen auch fürs eigene Engagement. «Auch wir haben wertvolle, alte «Stuten», die es sich zu erhalten lohnt», sagte Moor. Er fordert die Menschen zum genaueren Hinsehen auf, wenn es um den Erhalt von Baudenkmälern im heutigen Alltag gehe.

Doch nicht nur in Sachen Anerkennung, sondern auch bei den eigenen Finanzen tut sich der Thurgauer Heimatschutz zunehmend schwer. Die Erfolgsrechnung 2016 wies einen Aufwandüberschuss von 16700 Franken auf, womit sich das Eigenkapital auf 209500 Franken verringerte. Um der schon seit längeren negativen Entwicklung aktiv entgegenzusteuern, sprachen sich die Mitglieder aktiv für die Erhöhung des Jahresbeitrages für Einzel-/Paar- und Familienmitglieder um 10 auf neu 70 Franken aus. Die Beiträge für Jugendliche (20 Franken) und Kollektivmitglieder (100 Franken) bleiben unverändert.

Auch richtete Moor an die 20 Anwesenden den Appell, «vermehrt neue Mitglieder, vor allem Junge und gerne auch mehr Frauen, anzuwerben». Dies sei durchaus nicht nur im Sinne des Verbandes, sondern auch in seinem eigenen Interesse, so Moor, denn «ich bin jetzt 70 und möchte in absehbarer Zeit mein Amt nicht unbedingt an jemanden abtreten, der dann praktisch gleich alt ist wie ich.» Immerhin konnte für den zurücktretenden Kassier Kurt Pauli mit Franziska Vock schon einmal eine Nachfolgerin gefunden werden; Vock wurde einstimmig gewählt.