Jahr der Freiwilligen: Im Thurgau fehlt es noch an Projekten

FRAUENFELD. Im Europäischen Jahr der Freiwilligen unterstützt der Regierungsrat Projekte von Gemeinden und Verbänden mit 100 000 Franken. Ansturm gibt es bisher aber keinen.

Ida Sandl
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Brigitte Hänni ist eine typische Freiwillige: Erst hat sie mit einer Kollegin das Kinderturnen aufgebaut, dann kam der Tageshort, seit drei Jahren ist sie Präsidentin des Dachverbandes für freiwillige Arbeit Frauenfeld. «Wenn es einem gutgeht, dann sollte man etwas davon weitergeben», sagt sie. 2011 wurde von der Europäischen Union als Jahr der Freiwilligenarbeit ausgerufen. Brigitte Hänni freut es, dass die stillen Helferinnen ins Rampenlicht rücken.

Regierung zahlt mit

In Gemeinden und Verbänden wird auch schon fleissig an Projekten gebastelt, die den Freiwilligen nützen könnten. Kreuzlingen will beispielsweise eine Website erstellen, eine Börse für freiwillige Arbeit. In Frauenfeld ist Mitte Februar eine Art Tischmesse geplant, an der sich die sozialen Institutionen der Kantonshauptstadt präsentieren können. Gleichzeitig wird ein Zeichenwettbewerb aufgegleist. Die Konzepte wurden beim Kanton eingereicht.

Denn die Regierung hat 100 000 Franken aus dem Lotteriefonds bereitgestellt, um Freiwilligenprojekte von Gemeinden und Verbänden zu unterstützen. Bisher tröpfeln die Vorschläge spärlich. Ganze vier Bewerbungen sind im Thurgauer Kulturamt eingegangen. Die Frist läuft noch bis Ende Januar. Bis dahin könne sich viel tun, heisst es. Das Freiwilligenzentrum in Weinfelden wird sich auf jeden Fall mit einem Projekt beteiligen. Näheres dazu will Präsidentin Margrit Keller aber nicht verraten.

Keller hofft, dass es im 2011 gelingt, die Arbeit der Freiwilligen besser sichtbar zu machen. Das bringe finanzielle Mittel und auch neue Helfer. Bei der Nachwuchssuche denkt die Präsidentin besonders an die frisch Pensionierten, diese Gruppe habe Potenzial. «Deren Know- how darf nicht verlorengehen», sagt Keller.

Während die einen noch überlegen, hat das Sportamt Thurgau sein Angebot schon aufgeschaltet.

Wer lernen will, wie man eine Versammlung leitet, das Vereinsbudget im Griff hat oder eine spannende Rede hält, kann sich zum Kurs anmelden. Der Teilnehmer oder sein Verein zahlt nur ein Drittel des Preises, den Rest steuert das Sportamt bei. «Wir wollten etwas anbieten, das über das Freiwilligen-Jahr hinaus wirkt», sagt Sportamts-Chef Peter Bär. Die Mittel dafür stammen ebenfalls aus dem regierungsrätlichen Fonds. Auch hier ist die Nachfrage eher bescheiden. Für den ersten Kurs am 22.

Januar interessieren sich bisher nur drei Vereine. Bär nimmt es sportlich: «Wir haben genug Platz.» Das Angebot ist gut, davon ist er überzeugt. «Vielleicht braucht es mehr Werbung.»

Täglich ein gutes Werk

Für den gemeinnützigen Frauenverein Egnach muss dagegen niemand mehr Werbung machen. Die Frauen sind fast täglich auf Achse, sie organisieren Fahrdienste und liefern Mahlzeiten aus.

Die Egnacher Gemeinderäte danken es ihnen im Jahr der Freiwilligenarbeit mit einem Beitrag von 2000 Franken.