JAGDGESETZ: Zepf bläst zum Rückzug

Tierschützer Reinhold Zepf hat seine hängige Volksinitiative für ein Baujagdverbot zurückgezogen. Zuvor wollte er vom Kanton wissen, unter welchen Voraussetzungen eine Ausnahmebewilligung erteilt wird.

Silvan Meile
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Der Pfeil blieb griffbereit im Köcher. Tierschützer Reinhold Zepf hat seine Volksinitiative zum Verbot der Baujagd im Thurgau nie zurückgezogen, obwohl der Grosse Rat im April anlässlich der Revision des Jagdgesetzes ein solches ins Gesetz schrieb. Zepf behielt seine Initiative, die er mit den nötigen 4000 Unterschriften bereits im März einreichte, als Druckmittel in den Händen.

Grund dafür ist die im Gesetz festgehaltene Ausnahme. Dort steht zwar neu: «Die Baujagd ist grundsätzlich verboten.» Darauf folgt aber der Zusatz: «Das Departement kann aus besonderen Gründen Ausnahmen bewilligen.» In der Sorge darum, das Verbot könnte mit diesem Zusatz zur Farce verkommen, liess Zepf nicht locker. Er wollte wissen, unter welchen Voraussetzungen der Kanton Ausnahmebewilligungen erteilen wird. «Da will ich Klarheit haben», sagt er. Vorher gibt er sein Druckmittel nicht aus den Händen.

Nicht alle Situationen sind voraussehbar

Nachdem die Staatskanzlei Zepf offenbar vergebens aufforderte, die Volksinitiative zurückzuziehen, konnte nun Regierungsrätin Cornelia Komposch, Vorsteherin des Departementes für Justiz und Sicherheit, den Tierschützer dazu bewegen. In einem Mail an Zepfs Anwalt Hermann Lei legt sie dar, dass Ausnahmebewilligungen nur dann denkbar seien, «wenn die Füchse nicht auf andere Art und Weise zum Verlassen des Baus veranlasst werden können».

Vorstellbare Situationen seien beispielsweise, wenn die Tiere Bahndämme oder Gebäude untergraben und dadurch deren Stabilität beeinträchtigen. Ein anderes Szenario könnte eintreten, falls Füchse bei einem Wasserreservoir graben und dadurch aus hygienischen Aspekten die Wasserqualität gefährdet wird. Für eine Ausnahmebewilligung «werden wir ein schriftliches Gesuch mit Begründung verlangen», schreibt Komposch. Es sei aber unmöglich, alle denkbaren Situationen vorauszusehen.

Der Vorstand beschliesst einstimmig den Rückzug

Das Schreiben von Regierungsrätin Komposch ist für Zepf nun Versprechen genug, dass allfällige Bewilligungen für Baujagden nur in Ausnahmefällen erteilt werden. Er werde nun die Volksinitiative offiziell zurückziehen, sagt Zepf. Das habe der Vorstand des Thurgauer Tierschutzverband einstimmig beschlossen.

Bei der Baujagd werden Hunde in Bauten geschickt, um Füchse und Dachse vor die Flinte der Jäger zu treiben. Diese Jagdmethode ist umstritten, weil sie für beide Tiere blutig enden kann. Viele Jäger streichen jedoch die Wichtigkeit der Baujagd hervor, um etwa Seuchen oder Krankheiten der Tiere ausrotten zu können. Im Frühling sprachen sich dennoch alle Parteien im Grossen Rat für ein Baujagdverbot mit möglichen Ausnahmebewilligungen aus. Damit ist der Thurgau der erste Kanton, der diese Jagdmethode verbietet.

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch