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JAGDGESETZ: Geld gegen Biber-Frust

Die Chancen waren zu Beginn schlecht, doch die Standesinitiative für einen gesetzlichen Anspruch auf Entschädigung bei Biberschäden war schliesslich doch erfolgreich. Bei der Umsetzung des Gesetzes ergeben sich nun aber neue Fragen.

Warum die Freude bei Paul Koch und seinen Mitstreitern auch drei Monate nach dem Ja des Ständerates gross ist, kann nur verstehen, wer weiss, dass Standesinitiativen selten erfolgreich sind. Das wusste auch die Thurgauer Regierung, als Koch die von 67 Kantonsräten unterzeichnete Motion im Februar 2014 einreichte – und wehrte sich dagegen. Doch der Grosse Rat hiess sie gut, womit die Exekutive eine Standesinitiative bei der Bundesversammlung einreichen musste. Tatsächlich schien dem Anliegen «Änderung des Jagdgesetzes zur Entschädigung für Schäden, welche Biber an Infrastrukturen anrichten» kaum Erfolg beschieden, denn der Ständerat sagte zuerst Nein. Erst das Ja des Nationalrates brachte das Geschäft zurück ins Spiel. Im Nachhinein war dieses «Pingpong» ein «grosses Glück», sagt Koch. Zuerst stand der Thurgau mit dem Anliegen praktisch allein da, später kamen weitere Kantone hinzu. «Fast überall wurden von Bibern verursachte Probleme bekannt. Die Zeit half uns.»

Doch warum braucht es das Gesetz? Biber sind gesetzlich geschützte Tiere, die keine natürlichen Feinde haben, weshalb sie sich in den vergangenen 50 Jahren im Thurgau stark vermehrten. «Heute leben hier über 600 Biber; wie viele es noch werden, ist offen, denn der Biber ist sehr anpassungsfähig», sagt Michael Vogel von der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung. Allerdings setzt die eigene Fruchtbarkeit den Biber unter Druck. Denn: Die besten Plätze mit genügend Wasser und vielen Bäumen sind schon vergeben. Kommt hinzu, dass Eindringlinge ihre Neugier oft mit dem Leben bezahlen. Vogel: «Biber verteidigen ihre Reviere bis aufs Blut.» Was wiederum dazu führt, dass Biber sich auch suboptimale Orte zum Ansiedeln suchen: in der Nähe von Strassen, Böschungen oder Hochwasserdämmen. Und hier gerät er in Konflikt mit den Menschen. Diesen blieb bisher nach Schäden nur Frust.

Mit dem Ja zur Entschädigung der Biberschäden hat sich die Situation gewandelt. «Bis jetzt bin ich mit der ‹Peitsche› und leeren Händen gekommen, künftig kann ich immerhin ein Angebot machen», sagt Vogel. Wann das Gesetz in Kraft gesetzt wird, ist offen. Immerhin bezahlt der Kanton ab dem neuen Jahr 50 Prozent der anfallenden Kosten. Dies aufgrund einer Motion zur Ergänzung des Jagdgesetzes, die ebenfalls Paul Koch einreichte. Diese sah vor, dass die Entschädigung von Infrastrukturschäden durch den Biber durch den Kanton entschädigt werden soll und vorbeugende Massnahmen gegen Schäden an Bäumen finanziert werden. Mit der neuen Gesetzeslage haben alle gewonnen, sagt Koch: «Die Allgemeinheit hat ihre putzigen Biber, und die Landeigentümer haben höchstens noch Ärger». Allerdings steckt der Teufel im Detail. Zwar könne der Kanton bald für Biberschäden aufkommen, doch dürfte das Abgrenzen nicht einfach sein. «Wie hoch ist der Anteil des Bibers an einem Schaden, wenn das Tier zwar ein Loch gräbt, der Fluss dieses weiter aushöhlt, wodurch erst dann ein Schaden für die Infrastruktur entsteht?», fragt Vogel rhetorisch.

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch

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