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Ist Schlatt aus dem Schneider?

Das Neu-Paradies sehen Gemeindeammann Kurt Engel und Vize Marianna Frei als nicht geeignet für eine heisse Zelle und den Zugang zu einem Tiefenlager an. Die Grundwassersituation sei zu heikel.
Steht hier 2040 eine heisse Zelle? «Wohl kaum, wenn sachliche Argumente zählen», sagt Gemeindeammann Kurt Engel. (Bild: Reto Martin)

Steht hier 2040 eine heisse Zelle? «Wohl kaum, wenn sachliche Argumente zählen», sagt Gemeindeammann Kurt Engel. (Bild: Reto Martin)

Wird Schlatt Ende Jahr noch als möglicher Standort für eine heisse Zelle gehandelt?

Kurt Engel: Der Fahrplan kann nicht eingehalten werden, so dass das Bundesamt für Energie und die Nagra Ende Jahr noch keinen der 20 Standorte ausschliessen können.

Weil Schaffhausen einen Marschhalt verlangt hat?

Kurt Engel: Schaffhausen hat einen Marschhalt verlangt. Zürich Nordost drängte auf eine Verlängerung der Fristen, weil die wasserführenden Schichten zu wenig berücksichtigt wurden. Das ist auch unsere Meinung. An allen Standorten kommt Grundwasser vor, aber Schlatt hat fast alle Varianten des Grundwassers.

Hoffen Sie, dass sich das Neu-Paradies deshalb nicht eignet?

Kurt Engel: Ja. Der Thurgau redet weiterhin vernünftig mit. Doch sehen wir uns grundsätzlich nicht mehr in der Verantwortung, da alle anderen Standortvorschläge ohne Alternative abgelehnt wurden. Bei einer sachlichen Auslegeordnung müssen wir sagen, das es wohl bessere Standorte als Schlatt gibt. Es existiert eine geologische Studie, in der die Grundwassersituation von Schlatt klar belegt ist. Wir nutzen das Grundwasser des Buchbergschotters, Das ist ein grosser Grundwassersee, der sich bis zum Paradies erstreckt. Dort staut er sich an einer Lehmschicht. Das ist eine sehr sensible Situation, die man nicht einfach stören kann. Dann haben wir noch den Schaffhauser Schotter, das ist der Grundwasserstrom des Rheins, der ebenfalls bis zum Paradies reicht. Wir haben in Schlatt grosse Grundwasservorkommen.

Wie viele Menschen nutzen dieses Grundwasser als Trinkwasser?

Kurt Engel: Sicher einige tausend. Es geht um die Trinkwasserversorgung einer Region. Wir haben zusätzlich auch einige Quellen im Kohlfirst. Wären die betroffen, wäre das sehr problematisch. Dann kommt bei uns noch die sogenannte Neuhauser Störung hinzu, die sich durch den gesamten Kohlfirst zieht. Das sind sehr labile Gesteinsschichten, die viel Wasser führen. Die würden beim Bau einer Rampe zum Endlager sowieso erwischt. Sicher ist, dass Schlatt ein sehr heikles Gebiet ist, was das Grundwasser betrifft. Das kann niemand in Abrede stellen. Unser geologischer Bericht wurde auch der Fachgruppe Oberflächenanlage abgegeben.

Ist Schlatt aus dem Schneider?

Marianna Frei: Wir hätten das gerne, aber wir wissen es nicht.

Kurt Engel: Wir wollen, dass das sicherste Gebiet ausgesucht wird. Wir wollen nicht, dass es uns trifft, weil wir keinen grossen Lärm machen. Sachlich und fachlich macht Schlatt keinen Sinn.

Bis wann wird die Frist für eine Standortauswahl verlängert?

Kurt Engel: Das ist noch nicht festgelegt.

Marianna Frei: Es sind noch viele Fragen offen. Ist der Transport sicher gewährleistet? Wo wird die Bahnlinie durchgeführt?

Kurt Engel: Wir haben angefragt, warum sich das Material nicht in Würenlingen umpacken lässt. Aber dann würde es zehnmal mehr Fahrten zum Endlager geben. Und die Container fürs Endlager sind nicht identisch mit den Castor-Behältern für den Transport und haben nicht deren Sicherheitsstandard. Deshalb braucht es offenbar die heisse Zelle zum Umpacken in der Nähe des Endlagers.

Spielt die Grenze eine Rolle?

Marianna Frei: Die Nachbarn sind in den Regionalkonferenzen vertreten.

Kurt Engel: Ich denke nicht, dass das so läuft. In den ausgesuchten Endlagergebieten hat es nun einmal Opalinuston. Der süddeutsche Raum weist ähnliche Bodenverhältnisse auf. Vielleicht bauen die Nachbarn aus diesem Grund dort ebenfalls ein Endlager.

Ein Interessent wollte im Industriegebiet Neu-Paradies bauen.

Kurt Engel: Den gibt es weiterhin, das Projekt wird konkreter. Es handelt sich um Geisser Agro, die landwirtschaftliche Erzeugnisse vertreibt. Da würde dann Gemüse zum Teil direkt von der Landwirtschaft angeliefert und in den Hallen gewaschen und verpackt.

Der Gemeinde wurde unterstellt, Arbeitsplätze und Wertschöpfung eines Endlagers anzupeilen.

Kurt Engel: Daran haben wir nie gedacht. Das will doch niemand.

Marianna Frei: Das Endlager wird frühestens 2040 bezugsbereit, so weit in die Zukunft kann niemand spekulieren. Es hätte nichts gebracht, sofort Widerstand zu leisten. Inzwischen haben wir in der Arbeitsgruppe Oberflächenanlage die Kriterien, die uns von der Nagra vorgegeben wurden, in Positiv-, Negativ- und Ausschlusskriterien unterteilt.

Wie das?

Marianna Frei: Wir haben einzelne Kriterien, wie etwa Grundwasser, nach Wichtigkeit differenziert und vertieft behandelt. Wir gehen dabei unabhängig von einem vorgeschlagenen Standort vor. Das ergibt ein Ausschlussverfahren, nach dem sich mögliche Standorte finden lassen. Eine wichtige Grundsatzfrage ist zum Beispiel: Schacht oder Rampe. Von Schlatt aus kann das Endlager nur durch eine Rampe erschlossen werden. Entscheidet man sich gegen eine Rampenvariante, dann falle Standorte wie Schlatt heraus. Dann spielt es keine Rolle, dass Schlatt verkehrstechnisch gut erschlossen ist.

Interview: Gudrun Enders

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