Islikon macht die Nacht zum Tag

Am Latäri in Islikon gab es am Sonntagabend auch dieses Jahr leuchtende Laternen und strahlende Kindergesichter – trotz Wetterpech.

Severin Schwendener
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250 Kinder tragen ihre Laternen durch das Dorf. (Bild: Severin Schwendener)

250 Kinder tragen ihre Laternen durch das Dorf. (Bild: Severin Schwendener)

ISLIKON. Die Wettergötter meinten es nicht gut mit den Islikern: Nach einer ganzen Woche traumhaften Frühlingswetters schickten sie just zum Latäri-Umzug am Sonntagabend dicke Wolken und Regenschauer über das Dorf. «Es tut mir leid um den Musikverein», sagte Herbert Mazur, Präsident des Dorfvereins, in seiner Ansprache schmunzelnd. «Sie haben sich auf ihren Auftritt vorbereitet und müssen nun an der Bar ausharren.»

Der guten Laune der Kinder tat dies jedoch keinen Abbruch: Lange schon hatten sie sich auf den Umzug vorbereitet und gefreut, da liess man sich auch von ein bisschen Regen die Stimmung nicht verderben.

Laternenschiff von 1810

Der Latäri-Umzug hat in Islikon eine lange Tradition. Jeweils drei Wochen vor Ostern wird mit dem Lichterfest am Mittfastensonntag der Frühling eingeläutet. Und das seit einer ganzen Weile, wie das aus dem Jahr 1810 stammende und kürzlich frischrestaurierte Laternenschiff beweist, das man für die Lichterschwemme auf dem Tegelbach verwendet hat.

Den Umzug mit Laternen gab es erst nach 1946, und in den Sechzigerjahren ist der Brauch um ein Haar verschwunden, wäre da nicht Hermann Forster gewesen. Der gebürtige Isliker setzte sich ein, hauchte mit seiner Frau den ramponierten Laternen und dem Brauch wieder Leben ein, sorgte durch regelmässige Wettbewerbe für mehr Zulauf.

Auch dieses Jahr stand er an der Strasse, als die Laternen durchs Dorf getragen wurden. «Der Anlass hat sich etwas verändert», sagt er, ohne allerdings zu werten. «Viele sind weggezogen, andere kamen nach Islikon, und die haben einen anderen Bezug zum Brauch.»

Eine Art Klassentreffen

Doch für diejenigen, die kommen, ist der Anlass nach wie vor eine Art Klassentreffen, auch wenn es heuer des kalten Wetters wegen natürlich weniger waren als auch schon. Man sass im Kaffeestübli, das der Frauenverein organisiert hatte, bevor dann am Abend der Umzug begann.

Rund 250 Kinder aus Islikon, Kefikon und Gachnang zogen mit ihren Laternen durchs Dorf. Der Höhepunkt des Abends war jedoch das grosse Finale am Tegelbach. «Füürio, de Bach brennt!» schrien die Kinder, während das Lichterschiff drei Mal den Bach hinabgeschwemmt wurde. «D'Isliker händ en aazündt, d'Chefiker chömed go lösche, mit hunderttuusig Frösche!»

Am Bahndamm wurde – man musste auf den Fahrplan Rücksicht nehmen – kurz nach acht die Feuerwand gezündet, bevor dann das Feuerwerk den Himmel über den Laternen zum Glühen brachte.

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