Islamischer Zentralrat kritisiert Thurgauer Polizei

Der islamische Zentralrat Schweiz wirft der Kantonspolizei Thurgau vor, in einem Brief alle Muslime unter Generalverdacht zu stellen. Er nennt das Vorgehen der Polizei "beispiellos".

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Der Islamische Zentralrat findet, dass die Thurgauer Kantonspolizei Moslems unter Generalverdacht stelle. (Bild: Keystone)

Der Islamische Zentralrat findet, dass die Thurgauer Kantonspolizei Moslems unter Generalverdacht stelle. (Bild: Keystone)

"Mit Verwunderung haben wir aus den Medien von Ihrem Brief an Behörden, Ämter, Schulen und Jugendorganisationen Kenntnis genommen, wobei Sie sich nach eigenen Angaben intensiv mit dschihadistischen Bedrohungen befasst haben." Das schreibt der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) in einem offenen Brief, der sich an die Thurgauer Kantonspolizei richtet. Er bezieht sich auf ein Merkblatt, das diese erarbeitet hat. Mit dem Papier will die Polizei die Bevölkerung auf die Früherkennung von Jihadisten oder Menschen, die auf dem Weg dazu sind, aufmerksam machen.

"Generalverdacht"
Der Islamische Zentralrat Schweiz findet, dass der Wortlaut des Briefes, anders als von der Polizei beteuert, "sehr wohl geeignet ist, Muslime aller Couleur in der Öffentlichkeit einem Generalverdacht auszusetzen". Der Zentralrat verweist auf Passagen im Merkblatt, laut denen auffallende äusserliche Veränderungen (Kleidung, Bart) auf eine Radikalisierung hindeuten könnten. "Weiter setzen Sie <plötzliche Sympathiebekundungen für den Islam> und solche für den <IS> in einem Satz unterschiedslos nebeneinander und beurteilen einen nicht näher definierten <Rückzug aus dem sozialen Umfeld> als verdächtig", schreibt der Zentralrat in seinem Brief.

"Führt zu Misstrauen"
"Mit dieser auf Muslime im Allgemeinen und Konvertiten im Speziellen abzielenden Stereotypisierung verfallen Sie in ein oberflächliches <Profiling>, womit Sie weder Ihren angekündigten Zielen noch der sozialen Kohäsion einen Dienst erweisen", schreibt der Zentralrat. Er nennt das Vorgehen der Polizei "beispiellos" und stellt fest, dass dieses zu Verunsicherung und Misstrauen in der Gesellschaft führe, weil nun in der breiten Bevölkerung der Eindruck entstehen könne, dass der Thurgau einer besonderen und unmittelbaren Bedrohung durch Dschihad-Sympathisanten ausgesetzt sei.

"Geht in falsche Richtung"
Der Islamische Zentralrat missbilligt gemäss dem offenen Brief jede Form von "Profiling" aufgrund der rassischen, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit. Er erwartet insbesondere von staatlichen Institutionen wie der Polizei, "dass auch über die Kader hinaus eine entsprechende Sensibilisierung stattfindet. Ihr Brief geht ganz offensichtlich in eine falsche Richtung, weshalb wir Sie bitten, schnellstmöglich geeignete Massnahmen zu ergreifen, den verursachten Missstand zu beheben", schreibt der Zentralrat abschliessend. (pd/red.)