Irgendwann kommt alles ans Tageslicht

Einkaufstourismus anno dazumal

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Inserat der Konstanzer Schirmfabrik von 1899. (Bild: Stefan Hilzinger)

Inserat der Konstanzer Schirmfabrik von 1899. (Bild: Stefan Hilzinger)

Zeitungen sind zum Lesen da. Oder dazu Gummistiefel zu trocknen, ein Feuer zu entfachen oder feuchte Wände zu isolieren. Immer wieder kommen alte Zeitungen bei Rennovationsarbeiten zum Vorschein, wie unlängst in Thundorf. Leser Flavio Früh schickte der Redaktion die Titelseite der Thurgauer Zeitung vom 1. Dezember 1899. Wer das leicht mitgenommene, teilweise löchrige Blatt studiert, erfährt viel.

Auf der Vorderseite ist von der geplanten Eisenbahnlinie von Weinfelden via Müllheim nach Steckborn die Rede. 3,78 Millionen Franken werde die Verbindung mit einer Länge von knapp 22 Kilometern kosten. Sollte die Bahn von Frauenfeld nach Steckborn ebenfalls gebaut werden, müsste man die Strecke von Weinfelden her nur bis Hörhausen führen. Heute wissen wir: Hörhausen ist kein Eisenbahnknotenpunkt.

Mit der Bahn fuhren die Thurgauer damals nicht einmal nach Konstanz. Die Mittel-Thurgau-Bahn wurde im Dezember 1911 eröffnet. Trotzdem war die Stadt schon Jahre davor ein beliebtes Ziel für Einkaufstouristen, besonders in der Vorweihnachtszeit. Darauf weisen die Inserate Konstanzer Geschäfte hin. «Willkommenste Festgeschenke!» preist die Konstanzer Schirmfabrik G. Schaller & Cie an. In allen Preislagen und in dreissig Mustern. Die Konstanzer Hemdenfabrik (Kreuzlingen) verschickt für 28 Franken sechs «feine Herrenhemden mit Garantie für Gut­sitzen und solide Arbeit». Die TZ kostet 6 Franken halbjährlich, steht im Impressum. (hil)