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INTERPELLATION: Thurgau bremst beim Autoteilen

Der Regierungsrat sieht es nicht als seine Aufgabe an, Car-Sharing und Fahrgemeinschaften zu fördern. Dazu seien Arbeitgeber besser in der Lage. In diesem Bereich nimmt er jedoch seine Vorbildrolle wahr.
Thomas Wunderlin

Thomas Wunderlin

thomas.wunderlin@thurgauerzeitung.ch

Der Kanton Thurgau wendet grosse finanzielle Mittel für den öffentlichen Verkehr (ÖV) auf. Der Regierungsrat will deshalb Autofahrer nicht mit speziellen Anreizen dazu bringen, ihre Autos gemeinsam zu nutzen, schreibt er in der Beantwortung einer Interpellation von Joe Brägger (GP, Amriswil), Peter Dransfeld (SP, Ermatingen) und Lucas Orellano (GLP, Frauenfeld) und 50 Mitunterzeichnern. Die Interpellanten fordern Massnahmen gegen den Ressourcen-Verschleiss des motorisierten Individualverkehrs. Aus ihrer Sicht besteht das Problem insbesondere in der schlechten Auslastung der Autos, die den grössten Teil des Tages ungenutzt herumstehen. Dabei würden bis 30 Prozent der CO2-Emissionen eines Fahrzeugs bei dessen Herstellung entstehen.

Ein gutes ÖV-Angebot fördert laut Regierungsrat indirekt die gemeinschaftliche Nutzung von Autos. Wer nämlich wegen des gut ausgebauten öffentlichen Verkehrs auf ein eigenes Auto verzichte, der nutze eher Mobility oder ein ähnliches System.

Als Einzelmasssnahme ohne Wirkung

Autoteilen, neudeutsch als Car-Sharing bezeichnet, hat nach Meinung des Regierungsrats als isolierte Einzelmassnahme eine geringe Wirkung: Erst ein umfassendes Mobilitätsmanagement über alle Verkehrsmittel führe in der Regel zu einer Verhaltensänderung. Mobility hat gemäss Regierungsrat auch einen speziellen Nachteil, nämlich die Stationsgebundenheit. Deshalb würden heute in grösseren europäischen Städten Sharing-Systeme entwickelt, bei denen die Autos auf einem beliebigen öffentlichen Parkplatz abgestellt und abgeholt werden könnten. Diese Systeme funktionierten jedoch nur im dicht besiedelten Gebiet, also nicht im Thurgau.

Eine Alternative wären Fahrgemeinschaften. Diese funktionieren allerdings allgemein schlecht, wie der Regierungsrat ausführt. Die Gründe: hoher Zeitaufwand, geringe zeitliche Flexibilität und fehlende Fahrpartner.

Am ehesten könnten nach Ansicht des Regierungsrats die Arbeitgeber die Bildung von Fahrgemeinschaften fördern, etwa durch die Gebührenpflicht für Mitarbeiterparkplätze, verbunden mit kostenlosen Parkplätzen für Fahrgemeinschaften. Arbeitgeber könnten auch eine interne Plattform zur Bildung von Fahrgemeinschaften anbieten und die Kosten für den Arbeitsweg übernehmen, falls eine Gemeinschaftsfahrt kurzfristig ausfällt. Erforderlich sei aber die Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr bisheriges Verhalten zu ändern. Gemäss Interpellationsantwort wird interessierten Arbeitgebern in den Agglomerationen St. Gallen-Bodensee und der Region Wil bereits jetzt eine Mobilitätsberatung angeboten.

Vollautomatisierte Fahrzeuge, die es laut Regierungsrat frühestens 2030 gibt, könnten das Stationierungsproblem des Mobility-Konzepts lösen. Nutzer könnten ein Fahrzeug direkt an ihren Standort bestellen. Allerdings wären die selbstfahrenden Autos teilweise ohne Insassen unterwegs; dadurch würden sie die Strassen zusätzlich verstopfen. Das Potenzial für die gemeinsame Nutzung von Autos ist deshalb laut Regierungsrat hoch. Die Strassenkapazität könnte dank untereinander vernetzter Fahrzeuge besser ausgenützt werden. Ein reibungsloser Verkehrsablauf wäre gar nicht mehr möglich ohne gemeinsam genutzte Fahrzeuge. Auch hier wird laut Regierungsrat entscheidend sein, ob die Verkehrsteilnehmer «vermehrt bereit sind, gemeinsam statt individuell unterwegs zu sein und auf die zeitliche und örtliche Flexibilität des eigenen Autos verzichten zu wollen».

Der Regierungsrat sieht es also derzeit nicht als Aufgabe des Kantons an, Konzepten wie dem Autoteilen und Fahrgemeinschaften zum Durchbruch zu verhelfen. In seiner Rolle als Arbeitgeber fördert der Kanton diese jedoch durchaus. Gemäss dem Langsamverkehrskonzept Thurgau entwickelt der Kanton Mobilitätskonzepte für seine Betriebe. Mit der Umsetzung der einzelnen Massnahmen soll auch ihre Akzeptanz bei privaten Unternehmen erhöht werden. So arbeitet der Kanton seit Mai 2017 mit Mobility zusammen. Auf dem Parkplatz neben der Kantonsbibliothek in Frauenfeld steht ein Mobility-Auto, das die kantonalen Ämter für Dienstfahrten benützen können. Nach Angaben des Regierungsrats ist es sehr gut ausgelastet. Über je ein Pikettfahrzeug verfügen auch die Staatsanwaltschaft für ihre drei Regionalstellen und die Jugendanwaltschaft. Die kantonale Verwaltung verfügt auch über ein Ostwind-Firmenabo und sie hat E-Bike-Standorte eingerichtet. Geplant ist auch eine neue Parkplatzbewirtschaftung – zugleich eine Massnahme des Programms Haushaltsgleichgewicht 2020.

Anruftaxi kostet weniger als Autostopp per App

Für eigene Untersuchungen sieht der Regierungsrat derzeit keinen Bedarf. In der Interpellation wird in diesem Zusammenhang der Pilotversuch Taxito des Luzerner Verkehrsverbunds erwähnt. Dabei handelt es sich um eine Art Autostopp. Anstatt sich mit erhobenem Daumen an den Strassenrand zu stellen, zeigt man seinen Mitfahrwunsch per SMS oder App auf Anzeigetafeln an. Nach den Informationen des Regierungsrats sind bei Taxito die Kosten für die öffentliche Hand relativ hoch. Pro Fahrt zahle sie 15 Franken an die ungedeckten Betriebskosten. Dazu kämen Aufbaukosten von mehreren zehntausend Franken.

Als wesentlich effizienter preist der Thurgauer Regierungsrat das Anrufsammeltaxi in den Gebieten Hohentannen/Halden/Schweizersholz an, wo die öffentliche Hand lediglich einen Beitrag von acht Franken pro Passagier leiste.

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