Interesse an Matur für Erwachsene sinkt

Die Schülerzahlen der Thurgauisch-Schaffhauserischen Maturitätsschule für Erwachsene gehen markant zurück. Jetzt lässt der Regierungsrat die Organisationsstruktur der Schule überprüfen.

Marina Winder
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FRAUENFELD. Vor zehn Jahren besuchten knapp 300 Schülerinnen und Schüler die Thurgauisch-Schaffhauserische Maturitätsschule für Erwachsene (TSME). Im aktuellen Jahrgang sind es noch 111 Schülerinnen und Schüler. «Am meisten Schüler hatte die TSME in den 90er Jahren. Seit 2005 verzeichnet sie einen markanten Rückgang», sagt Urs Schwager, Chef des Amtes für Mittel- und Hochschulen und Präsident der Aufsichtskommission der TSME. Als einen möglichen Grund für den Schülerrückgang nennt Schwager die Einführung der Berufsmaturität, die ein Studium an einer Fachhochschule ermöglicht. Mit dem Bachelor an der Fachhochschule erhalte man mit relativ wenig Aufwand Zugang zu einem Masterlehrgang an der Uni, sagt Schwager. «Das ist für viele Menschen in der Ausbildung eine interessante Alternative.»

Folge der Durchlässigkeit

Dazu trage auch das Angebot des Passerellenkurses bei. Dieser bereitet auf die schweizerisch anerkannte Ergänzungsprüfung vor, welche wiederum zum Eintritt in alle schweizerischen universitären Hochschulen berechtigt. «Die TSME bekommt die allgemeine Durchlässigkeit unseres Bildungssystems zu spüren, das ist eindeutig», sagt Urs Schwager.

Angliederung an Kantonsschule

Der markante Schülerrückgang veranlasst den Regierungsrat nun, die Organisationsstruktur der Schule überprüfen zu lassen. Er hat in Absprache mit der Schaffhauser Regierung eine Projektgruppe eingesetzt, die bis im März 2013 berichten soll. Eine erste Massnahme wurde schon vor längerer Zeit getroffen: Der Standort der TSME in Romanshorn wird nicht mehr betrieben.

Die Projektgruppe unter der Leitung von Urs Schwager überprüft unter anderem eine Angliederung der TSME an die Kantonsschule Frauenfeld. Bis jetzt besteht die Zusammenarbeit der beiden Bildungseinrichtungen darin, dass die TSME die Infrastruktur der Kantonsschule nutzt. Ausserdem arbeitet ein Teil der Kantilehrer für die TSME, allerdings mit separaten Anstellungsverträgen. Ob eine vertiefte Zusammenarbeit möglich ist, wird jetzt abgeklärt. Die TSME ist eine Institution des zweiten Bildungswegs. Träger sind die Kantone Thurgau und Schaffhausen.