Integration zahlt sich aus

Fast 50000 Franken im Plus: Die Stadt hat vergangenes Jahr unerwartet einen Gewinn im Asylwesen erwirtschaftet. Dabei wurden mehr Asylsuchende untergebracht, als der Kanton vorgegeben hatte.

Mathias Frei
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In der Integrationsklasse der Sekundarschulgemeinde Frauenfeld im Reutenen. (Bild: Andreas Stalder)

In der Integrationsklasse der Sekundarschulgemeinde Frauenfeld im Reutenen. (Bild: Andreas Stalder)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Schwarze Zahlen, erstmals schwarze Zahlen. Mit über 48000 Franken Gewinn schloss das Asylwesen in der Stadtrechnung 2016 ab. Und im Gegensatz zu den Vorjahren kommt die Stadt bei der Anzahl untergebrachter Asylsuchender nun auch dem kantonalen Verteilschlüssel nach. Von einer erfreulichen Entwicklung spricht Stadträtin Christa Thorner, die dem Departement für Gesellschaft und Soziales vorsteht.

Budgetiert gewesen war bei einem Aufwand von 718000 Franken ein Minus von 218000 Franken. Doch es kam anders. Effektiv betrug der Aufwand 552000 Franken, an Rückerstattungen des Bundes flossen 600000 Franken in die Stadtkasse zurück. Diese Finanzen hängen indirekt mit der Zahl der untergebrachten Asylsuchenden zusammen. Im vergangenen Jahr übernahm die Stadt 28 neue Asylsuchende. 2015 waren es zehn.

Von Anfang an Sprache lernen und arbeiten gehen

In Frauenfeld gilt das Prinzip, dass Asylsuchende möglichst schnell integriert werden sollen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. «Mit dem beschleunigten Verfahren steht der Entscheid zwar schneller fest. Im Normalfall dauert es im Schnitt gleichwohl ein Jahr», erklärt Turi Schallenberg, Amtsleiter der Sozialen Dienste. Die Integration findet einerseits mittels Sprachkursen statt. Andererseits sollen die Asylsuchenden auch möglichst schnell den Zugang zum Arbeitsmarkt finden, um eine wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen, zum Beispiel durch Praktika oder Einsätze im «zweiten Arbeitsmarkt». «Wir fordern und fördern Asylsuchende. Das ist ein strategischer Entscheid», sagt Stadträtin Thorner. Aber gerade in dieser Strategie lag bislang die Krux. Bis Ende 2016 gab es vom Bund eine Pauschale von 45 Franken pro Tag und Person mit Aufenthaltsstatus N (also ohne Entscheid), die nicht erwerbtätig sind. Wie Schallenberg erklärt, wurde die Stadt also gewissermassen bestraft, weil sie erwachsene Asylsuchende möglichst schnell in Beschäftigungsprogrammen unterbrachte.

Der Umstand wollte es aber, dass unter den 28 neuen Asylsuchenden, die 2016 nach Frauenfeld kamen, viele Kinder und Jugendliche waren. Auch bei ihnen gilt: Fordern und fördern, seien es Sprachspielgruppen oder Deutschkurse. «Hier leisten die Schulen Frauenfeld sehr gute Arbeit», erklärt Stadträtin Thorner. Für Kinder und Jugendliche erhielt man die Pauschale, weil sie nicht erwerbstätig sind. Mit dem Pauschalbetrag muss die Stadt nicht nur den Lebensunterhalt der Asylsuchenden finanzieren, sondern eben auch jegliche Fördermassnahmen. Durch die frühe Integration von Asylsuchenden zahle sich jeder eingesetzte Franken mehrfach aus, sagt Christa Thorner. Auf lange Sicht sinke so der Aufwand.

Auf dieses Jahr ist das Abgeltungsregime angepasst worden. Jetzt gibt es für alle Asylsuchenden eine Pauschale, die bei rund 41 Franken liegt. «Der negative Anreiz ist weggefallen», sagt Schallenberg. Diese Änderung kommt der Stadt finanziell entgegen. Es ist für das laufende Jahr mit einer leichten Zunahme bei den Rückerstattungen zu rechnen. Dieses Geld wird in die Asylsuchenden respektive ihre Fördermassnahmen investiert. Ein Gewinn in der Kontogruppe Asylwesen ist für Stadträtin Thorner erfreulich, aber kein Muss. Zudem sei der Bereich etwa bei den Personalkosten nicht als Vollkostenrechnung geführt, erklärt Schallenberg.

Immer auf der Suche nach geeigneten Wohnungen

Mit den 28 neuen und den 26 bisherigen Asylsuchenden konnte die Stadt im vergangenen Jahr den kantonalen Verteilschlüssel mehr als erfüllen. In den Vorjahren war man jeweils unter der Vorgabe von 50 Asylsuchenden. Per Ende 2016 war man auf 54 Personen, mittlerweile sind es netto weitere vier Asylsuchende mehr. «Noch 2015 hatten wir zu wenig geeignete Wohnungen», sagt Amtsleiter Schallenberg. Bei der Wohnungssuche müsse man immer dranbleiben. Ziel sei es, dass die Asylsuchenden selber als Mieter auftreten würden. Aktuell laufen zwölf Mieten über Schallenbergs Amt. Zudem werde geschaut, dass die Wohnungen übers ganze Stadtgebiet verteilt sind. So gibt es auch in Huben eine belegte Einliegerwohnung.

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