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Inspiriert von der Expo 1964

WAGENHAUSEN. Familie Leimann wohnt seit 1965 in ihrem Aussiedlerhof Schleebüel in Wagenhausen. Nun hat ihn der Schweizer Heimatschutz in seine Broschüre der schönsten Bauten 1960–75 aufgenommen.
Caspar Hesse
Der Aussiedlerhof Schleebüel in Wagenhausen mit dem Wohnhaus mit Pultdach rechts. (Bild: Caspar Hesse)

Der Aussiedlerhof Schleebüel in Wagenhausen mit dem Wohnhaus mit Pultdach rechts. (Bild: Caspar Hesse)

Von den schönsten Bauten, die zwischen 1960 und 1975 schweizweit entstanden sind, gibt es im Thurgau genau eine, findet der Schweizer Heimatschutz in seiner neusten Broschüre. Und dieser Bau von 1965, die Aussiedlung Schleebüel, steht in Wagenhausen und gehört der Familie Leimann. Nun ist diese Zeit nicht gerade berühmt für besonders schöne Bauten, man reiht sie eher unter Bausünden ein, aber im Lauf der Zeit gelten auch diese als historisch und sind Zeitzeugen.

Würden sich Leimanns heute wieder genau für dieses Haus entscheiden? – «Ja», sagt Claire Leimann dazu, ohne gross nachdenken zu müssen. Die Zweckmässigkeit stand im Vordergrund, das Wohnen mit einer Hülle drumherum. Sie sitzt am Esszimmertisch, schaut nach rechts in die offene Küche und dann nach links auf die Terrasse und in die weite Landschaft hinaus.

Claire und Kurt Leimann in ihrem Wohnzimmer. (Bild: Caspar Hesse)

Claire und Kurt Leimann in ihrem Wohnzimmer. (Bild: Caspar Hesse)

Fortschritt ohne Subventionen

«Ich habe eine Bekannte, die sagt, sie könne nur noch zu mir auf Besuch kommen», sagt Claire Lehmann. «Bei uns ist alles rollstuhlgängig. Das haben wir von Anfang an so geplant», sagt Ehemann Kurt Leimann. Das war kein Zufall, von dem her waren sie damals schon fortschrittlich, was sich andere ironischerweise wegen der Subventionen nicht leisten konnten.

«Wir verzichteten bewusst auf Subventionen und durften dafür machen, was wir wollen.» So konnten sie eine grosse Fläche zu Wohnzwecken überbauen und mussten darum auch weniger in die Höhe bauen. Und ein Lift ist in Bauernhäusern unrentabel.

Praktisch und schlicht

Praktisch und schlicht sollte es sein, aber gemäss dem Ratschlag ihrer ehemaligen Haushaltslehrerin: «Man soll versuchen, über seinen Verhältnissen zu wohnen, aber unter seinen Verhältnissen zu leben.» Als Landwirte konnten sie nicht in die Ferien fahren, also schauten sie, dass sie angenehm leben konnten. «Und an einem neu verlegten Boden hat man ein ganzes Jahr Freude, Ferien sind nach zwei Wochen vorbei.»

Leimanns liessen sich vom Pavillon an der Expo 1964 inspirieren und dachten sich: «So möchten wir wohnen.» Mit dem ersten Architekten hatten sie immer wieder Meinungsverschiedenheiten, dann kam das Architekturbüro Herter/Tschander/Schindler/Nagy auf sie zu, und so wurde Leimanns Idee umgesetzt.

«Wir sind gerne da»

Claire und Kurt Leimann stammen aus dem zürcherischen Urdorf. In den Thurgau sind sie zufälligerweise gekommen. Im Kanton Zürich hatten sie kein geeignetes Land gefunden, das Tösstal war ihnen zu steil, und nach einem ersten Augenschein in Ossingen war der Schritt nach Wagenhausen nicht mehr weit, wo gerade die Güter zusammengelegt wurden.

Als Zürcher ein modernes Gebäude in den Thurgau zu setzen, kam das gut an? – «Ein jeder baut nach seinem Sinn, denn keiner kommt und zahlt für ihn», sagt Claire Leimann. Aber sonst hätten sie sich integriert. Die Kinder wurden angehalten, jedem Grüezi zu sagen, das war im städtischen Urdorf schon nicht mehr üblich. «Wir sind gerne da, ich will auch nicht mehr zurück», sagt Claire Leimann.

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