Ins Glasfasernetz fliesst kein Geld

BICHELSEE-BALTERSWIL. Mit Geld aus dem Schwager-Erbe wollte die Genossenschaft Werk Bichelsee-Balterswil den Bau ihres Glasfasernetzes forcieren. Doch die Gemeinde behält die verbleibende Million. Das verzögert die Realisierung des Netzes um Jahre.

Silvan Meile
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Ein Glasfasernetz wird in Bichelsee wohl erst nach Jahren verlegt werden können. Das Werk muss es vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren. (Bild: Archiv/Reto Martin)

Ein Glasfasernetz wird in Bichelsee wohl erst nach Jahren verlegt werden können. Das Werk muss es vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren. (Bild: Archiv/Reto Martin)

Rolf Traxler ist enttäuscht. Der Finanzchef der Genossenschaft Werk Bichelsee-Balterswil kann für den Bau des Glasfasernetzes nicht mit Geldern aus dem Schwager-Erbe rechnen. Der Gemeinderat lässt ein entsprechendes Gesuch unberücksichtigt. «Ein Ausbau des Glasfasernetzes in Bichelsee ist somit in diesem Jahrzehnt kaum mehr möglich», bedauert Traxler. Noch im Jahr 2012 stellte der Vorstand des Werkes an den Gemeinderat den schriftlichen Antrag für 800 000 Franken aus dem Schwager-Erbe zur Finanzierung des Glasfasernetzes in Bichelsee. Eine schriftliche Stellungnahme des Gemeinderats auf die damals gestellte Anfrage blieb bis heute aus, bedauert Traxler.

Glasfaser nur in Balterswil

An der Gemeindeversammlung vergangener Woche stellten dann aber die Gemeindeoberen ihre eigenen Pläne zur Verwendung des Geldes vor. Die verbleibende Million aus dem Erbe soll in Kultur- und Jugend-Fonds sowie als Rückstellungen für die Gebäudeinfrastruktur verwendet werden, liessen sie verlauten. Im Herbst kommt ihr Anliegen an die Urne. Dem Gesuch des Werkes hingegen wird nicht entsprochen. Es taucht nicht einmal als Alternative zu den gemeinderätlichen Vorschlägen auf, bedauert Traxler. Widerstand gab es an der Versammlung trotzdem nicht. Zwei Personen unterstrichen aber die Notwendigkeit des Projekts Glasfasernetzes. Rolf Traxler war einer davon.

«Mit dem Geld aus dem Erbe wären die beiden Dörfer rascher auf dem gleichen technologischen Ausbaustandard angehoben worden», sagt er. Denn in Balterswil, Ifwil und Itaslen sind die ersten Haushalte der Gemeinde bereits an das leistungsfähigere Netz angeschlossen. Um den Ausbau des Netzes auch im Dorf Bichelsee voranzutreiben – wo die Haushalte derzeit von der Cablecom mit Telekommunikation bedient werden –, fehle aber das Geld. Denn zu stark verschulden wolle sich das Werk dafür nicht, sagt Traxler.

Insgesamt vier Millionen Franken kostet das komplette Glasfasernetz. Nun wird das angelaufene Projekt etappenweise, wie es das Budget des Werkes erlaubt, weiter vorangetrieben. Bis das Dorf Bichelsee ein Glasfasernetz haben wird, dürften deshalb noch einige Jahre ins Land ziehen.

Nicht Kernaufgabe des Werkes

Gemeindeammann Beat Weibel sagt, er verstehe die Enttäuschung der Verantwortlichen des Werkes. Im Gemeinderat sei deren Antrag intensiv diskutiert worden. «Das Anliegen ist wirtschaftlich und politisch sehr heikel», sagt Weibel. Die Kernaufgabe des Werkes sei die Versorgung mit Wasser und Strom auf dem Gemeindegebiet. Die Sparte Telekommunikation sei hingegen kein primärer Auftrag der Gemeinde an des Werk.

Weibel erwähnt auch, dass in seiner Gemeinde weitere Anbieter auf diesem Markt tätig seien, etwa Cablecom und Swisscom. Ausserdem würden die abgelegenen Weiler nicht vom geplanten Glasfasernetz profitieren können. Deshalb habe der Gemeinderat auf eine Unterstützung aus dem Erbe an das Werk verzichtet. Der negative Entscheid sei einstimmig gefallen.

Werk akzeptiert den Entscheid

Für Rolf Traxler wäre aber die Verwendung des Geldes fürs geplante Glasfaser-Projekt geradezu im Sinne des Erblassers Ludwig Schwager gewesen. «Mit dem Netz steigt die Lebensqualität», sagt er: «Das wäre wirklich eine nachhaltige Investition.» Umso mehr bedauert er den Entscheid des Gemeinderates. «Entsprechende Vorarbeiten, die anlässlich von Strassensanierungen in Bichelsee schon geleistet wurden, liegen nun brach», fügt Traxler enttäuscht hinzu. Auch hätten im letzten Frühling bereits 121 Bichelseer einen Anschlussvertrag fürs neue Glasfasernetz unterzeichnet. Bei diesen entschuldigt sich das Werk nun. Die Verträge werden Ende 2017 automatisch auslaufen.

Trotz aller Enttäuschung habe der Vorstand des Werkes beschlossen, den Entscheid des Gemeinderats nicht aktiv in Frage zu stellen, heisst es in einer Stellungnahme. Ausser beispielsweise die Mitgliederversammlung der Genossenschaft würde dies etwa an ihrer nächsten Versammlung verlangen.

Rolf Traxler Finanzchef der Genossenschaft Werk Bichelsee-Balterswil (Bild: Donato Caspari)

Rolf Traxler Finanzchef der Genossenschaft Werk Bichelsee-Balterswil (Bild: Donato Caspari)

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