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INNOVATIV: Superkorn noch nicht so super

Der Durchbruch von Schweizer Quinoa ist ausgeblieben. Grund dafür: viel Unkraut und eine geringe Ernte. Zwei Thurgauer glauben trotzdem ans Potenzial der südamerikanischen Wunderpflanze.
Donat Beerli
Das Lächeln des Zuversichtlichen: Beat Stump begutachtet seine Quinoa-Pflanzen. (Bild: Andrea Stalder)

Das Lächeln des Zuversichtlichen: Beat Stump begutachtet seine Quinoa-Pflanzen. (Bild: Andrea Stalder)

Donat Beerli

donat.beerli

@thurgauerzeitung.ch

Wenn Beat Stump etwas anpackt, dann richtig. «Ich gebe nicht so schnell auf», sagt der Gemüsegärtner und Quinoa-Produzent aus Buchackern. Grund dazu hätten ihm seine neuen Pflanzen genug gegeben. Stump war im vergangenen Jahr der erste Thurgauer, der sich an die Produktion des Inka-Korns aus Südamerika wagte, das in Europas Restaurants, Läden und Haushalten als «Superfood» einen ungebrochenen Boom erlebt. Sein erstes Problem: Die Pflanzen, die normalerweise in den bolivianischen Anden angebaut werden, wollten nicht richtig gedeihen.

Anderen Schweizer Produzenten ging es ähnlich, so dass einige in der gleichen Saison noch auf Mais umsattelten. Nicht so Stump. Als er im Herbst jedoch seine Ernte einfahren wollte, war von seinen Quinoa-Pflanzen nicht viel zu sehen, das Feld stattdessen von Unkraut übersät. «Ich war schon ein wenig in meinem Stolz verletzt», sagt der gelernte Gemüsegärtner. Er drosch trotzdem, verlud das Dreschgut und liess es im St. Gallischen mit einer Spezialmaschine reinigen. Ausbeute: 750 Kilogramm Dreschgut, 250 Kilo davon Quinoa – der Rest Unkraut.

Jetzt soll alles besser werden

Trotz der schlechten Erfahrungen hat Stump die Anbaufläche dieses Jahr fast verdoppelt, auf 56 Aaren. Es sieht gut aus. Im März gesät, sind Stumps Quinoa-Pflanzen nun 50 Zentimeter hoch – deutlich höher als 2016. Unkraut ist inmitten der grünen Blätter wenig zu sehen. Weil es kurz nach dem Sähen geregnet hat, konnte das Herbizid besser im Boden wirken als im vergangenen Jahr. Ausserdem hat Stump dieses Mal deutlich mehr gedüngt. Ob das hilft, wird sich spätestens im August bei der Ernte zeigen. Verlässliche Anbautipps gibt es keine in der Schweiz, die Bauern sind auf sich alleine gestellt. So auch der zweite Thurgauer Quinoa-Produzent, Toni Seeholzer aus Wäldi. Er hat zum ersten Mal Quinoa gesät, vorerst auf einer Fläche von 70 Aaren. «Ein überschaubares Risiko», sagt er. Seeholzer ist zuversichtlich, er hat sich im Internet angeschaut, wie es die Bauern in Bolivien machen. «Viel ist jedoch Bauchgefühl», sagt er. Der Bauer aus Wäldi ist Realist: Das Umfeld habe sich auch in der Landwirtschaft nicht gerade vereinfacht, «diese Tatsache veranlasst mich laufend nach Neuem Ausschau zu halten». Dass das Herkömmliche ausgedient hat, will er aber nicht gelten lassen. Sagt aber: «Ich sehe den herkömmlichen Weg nicht für jeden Bauern als langfristig Richtigen.» Und sowieso: «Die zwei Frauen zu Hause essen gern gesund.»

In der Ostschweiz fehlt die Nachfrage

IP Suisse, die Vereinigung integriert produzierender Bäuerinnen und Bauern, garantiert den Quinoa-Produzenten die Vermarktung des Produkts, welches dann als Schweizer Quinoa in die Läden kommt. Beat Stump würde seine Ernte eigentlich lieber im Thurgau sehen. In Restaurants oder Nischenläden zum Beispiel. «Ich bin überzeugt, dass regionales Quinoa gefragt ist», sagt er. Bei IP Suisse ist man zurückhaltender. Zwar gibt es in der Migros Aare heute regionales Quinoa, die Ostschweiz hinkt aber noch hinterher. «Es braucht zuerst eine Nachfrage auf der Abnehmerseite», sagt Mirjam Lüthi, Projektleiterin Quinoa-Anbau bei IP-Suisse. Man sei diesbezüglich aber auch in der Ostschweiz dran.

15 Kilogramm seiner Ernte hat Beat Stump im vergangenen Jahr ans Wasserschloss Hagenwil geliefert. Dort ist man zufrieden mit seinem Quinoa. «Die Qualität stimmt, wir werden sicher wieder bestellen», sagt Andi Angehrn. Stump überlegt sich denn auch, seinen Quinoa auf eigene Faust in der Region zu verkaufen. Ihn beschäftigt aber noch etwas anderes: «Wenn die Ausbeute weiterhin so niedrig bleibt, lohnt es sich für die Landwirte nicht.» Er will denn auch nicht ausschliessen, dass neue, produktivere Sorten gezüchtet werden müssen. Oder die Düngung müsste angepasst wird, um mehr Ertrag pro Hektare zu generieren.

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