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INNOVATION: Der Klimakiller wird zum Rohstoff

Was in Zürich gelingt, geht im Thurgau schon lange. Seit drei Jahren filtert eine Firma in Sulgen Kohlendioxid aus ihrer Abluft und verwendet es wieder. Die Erbauer der Anlage haben unterdessen auch die KVA im Visier.
Karl Gschwend vom Nahrungsmittelproduzenten Hochdorf zeigt den Gästen in Sulgen die CO2-Recyclinganlage. Mit dabei sind die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog sowie Vertreter der beiden Firmen Asco und Messer. (Bild: Donato Caspari)

Karl Gschwend vom Nahrungsmittelproduzenten Hochdorf zeigt den Gästen in Sulgen die CO2-Recyclinganlage. Mit dabei sind die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog sowie Vertreter der beiden Firmen Asco und Messer. (Bild: Donato Caspari)

Kohlendioxid, oder CO2, hat einen schlechten Ruf. Es wird für den Treibhauseffekt und für die globale Klimaerwärmung verantwortlich gemacht. Wer dem Gas den Kampf ansagt, erntet Bewunderung. So geschehen im zürcherischen Hinwil, wo junge ETH-Tüftler seit Ende Mai mit einer grossen Apparatur die Luft von CO2 säubern.

Abgase wieder nutzen

Etwas in der Art gibt es auch im Thurgau. Schon länger. Seit 2014 betreibt die Hochdorf Swiss Nutrition Ltd in Sulgen eine CO2-Recyclinganlage. «Für die Haltbarmachung von Nahrungsmitteln brauchen wir jährlich tonnen­weise Kohlendioxid», sagt Karl Gschwend, Mitglied der Geschäftsleitung. «Bis vor drei Jahren kauften wir es aus dem Ausland, es wurde über viele Kilometer hergebracht.» Gleichzeitig entwichen jährlich Tausende Tonnen des Gases aus dem Fabrikschlot in Sulgen – «völlig ungenutzt», sagt Gschwend kopfschüttelnd.

Zur selben Zeit: Die Firma Messer Schweiz stellt Industriegase her und handelt mit ihnen. Darunter auch CO2. Zusammen mit ihrer Romanshorner Tochterfirma Asco hat sie Anlagen entwickelt, mit denen aus Abgasen Kohlendioxid herausgefiltert und so sauber aufbereitet werden kann, dass es Nahrungsmittel-Qualität erreicht. An allen möglichen Orten der Welt kommen diese Anlagen schon gross zum Einsatz. Nicht aber in der Schweiz. Die Kantone tun sich schwer damit, CO2, das von Abgasen stammt, für die Nahrungsmittelproduktion zuzulassen. «Dabei kommt rückgewonnenes Kohlendioxid nach der Aufbereitung problemlos an jenes heran, das aus chemischen Prozessen stammt und sonst für Nahrungsmittel verwendet wird», sagt Hans Michael Kellner von der Firma Messer. So versuchten die beiden Firmen ihr Glück im Kanton Aargau. Dort erwies sich der Betrieb der Anlage durch Auflagen und Gesetze aber als zu kompliziert. Kurz darauf wurden sie aber im Thurgau fündig – bei der Firma Hochdorf. Seit da steht die Anlage auf deren Gelände, filtert elf Prozent des Kohlendioxids aus der Abluft des Kamins und liefert zurzeit jedes Jahr bis 1500 Tonnen flüssiges CO2. «In Nahrungsmittel-Qualität», wie Karl Gschwend zufrieden anfügt. Kostenpunkt der Anlage: knapp eine Million Franken.

Die Firma Messer und ihre Romanshorner Tochter Asco wollen nun einen Schritt weiter gehen. «Wir befinden uns im Gespräch mit dem Verband KVA Thurgau», sagt Hans Michael Kellner. «Die Betreiber der Kehrichtverbrennungsanlagen im Kanton haben Interesse, aus ihrer Abluft CO2 zu recyceln.» Das gewonnene Gas könne dann an einen industriellen Abnehmer verkauft werden.

Die SVP-Nationalrätin Verena Herzog ist ebenfalls bei der Führung dabei. Interessiert betrachtet sie die Anlage. «Ich unterstütze innovative Projekte wie dieses», sagt sie. Dass die erste Anlage dieser Art auf Schweizer Boden im Thurgau stehe, mache sie stolz. (mre)

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