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INFORMATIK: Absichern gegen die Katastrophe

Der Kanton mietet sich im neuen Rechenzentrum des EKT ein, damit seine Systeme an zwei verschiedenen Orten verfügbar sind. Das EKT braucht aber noch weitere Kunden für dieses neue Geschäftsfeld.
Silvan Meile

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Der Thurgauer Energieversorger EKT baut ein Hochsicherheits-Gebäude. Wer eintreten will, muss seine Hand auf den Scanner eines biometrischen Zutrittssystems legen. Dieses identifiziert die Person anhand des Venenmusters ihrer Handfläche. «Wir wollen genau wissen, wer im Gebäude ist», sagt René Gaus, Bereichsleiter Netze beim EKT. Ein Zaun umrahmt das Gelände, Dutzende Kameras überwachen es. Der Energieversorger wagt sich im Unterwerk Frauenfeld in ein neues Geschäftsfeld. Hinter den gesicherten Mauern lagern künftig Daten von Organisationen. «Das erste öffentliche Datencenter im Thurgau», sagt Gaus. Im Sommer soll es den Betrieb aufnehmen. Zehn Millionen Franken investiert das EKT.

Einen Ausfall der IT kann sich der Kanton nicht leisten

Einen Fünftel der knapp 600 Quadratmeter, auf denen Datenserver zu stehen kommen, wird das kantonale Amt für Informatik belegen. Zwar betreibt dieses in Weinfelden bereits zwei eigene Rechenzentren. Um sich aber besser gegen Extremereignisse wie etwa Hochwasser, Feuer, Erdbeben oder Sabotage abzusichern, will der Kanton seine Rechenzentren geografisch voneinander trennen. So stehen sämtliche Systeme auch beim Totalausfall eines der beiden Rechenzentren weiterhin zur Verfügung. Viel zu gross ist die Abhängigkeit in die Informatik geworden. Ein Ausfall der kantonalen Informatiksysteme würde beispielsweise auch die Wirtschaft treffen, sagt Leo Kuster, Chef des Amtes für Informatik: Wenn plötzlich keine Bewilligungen mehr erteilt, keine Sozialleistungen mehr ausbezahlt, keine Steuern mehr eingenommen oder keine Pässe mehr ausgestellt werden könnten, ist der Kreis der Betroffenen riesig.

Die geografische Abtrennung hat ihren Preis

Ursprünglich stellte der Kanton in seinem Finanzplan drei Millionen Franken bereit, um selber ein zusätzliches Rechenzentrum zu bauen. Einige Optionen seien geprüft worden, sagt Kuster. Schliesslich kam es jedoch zu einer Lösung mit dem EKT, bei der sich der Kanton einmietet.

Das ruft auch Kritiker auf den Plan, die zu teure Mieten für die öffentliche Hand wittern. «Da gibt es Raum für Skepsis», findet etwa GLP-Kantonsrat Ueli Fisch. Doch Informatik-Chef Kuster sagt, die Lösung mit dem EKT sei unter dem Strich günstiger, als wenn der Kanton selber gebaut hätte. Denn die zeitgemässen Anforderungen des Kantons an diese Infrastruktur sind hoch. Das treibt die Investitions- und Unterhaltskosten in die Höhe. So braucht es beispielsweise Notstromaggregate mit einem Dieseltank, Anlagen zur Kühlung der Serverräume oder modernen Brandschutzinstallationen. Das alles verursacht Wartungskosten.

Da das EKT sein Datacenter für mehrere Kunden plant, trägt der Kanton mit seiner Miete nur einen Teil der Last. Dennoch hat die geografische Abtrennung der Rechenzentren des Kantons ihren Preis. Die Miete sei klar unter einer halben Million Franken im Jahr, sagt Kuster. Einerseits würden sich durch die Aufhebung des zweiten Rechenzentrums in Weinfelden auch Einsparungen ergeben. Anderseits fallen für die Miete der zusätzlichen nötigen Netzwerkleitungen von Weinfelden bis Frauenfeld noch mehr Kosten an.

Ein Kühlsystem mit Regenwasser

Die Zusage des Kantons löste beim EKT grünes Licht aus, das Datencenter zu bauen. Bisher konnte man aber erst den Frauenfelder Kabelnetzbetreiber Leucom, der bereits eng mit dem EKT zusammenarbeitet, als zusätzlichen Kunden gewinnen. Dennoch sieht das EKT in ihrem neuen Datencenter einen Geschäftsbereich der Zukunft. Je länger je weniger könnten Unternehmen die gestiegenen Ansprüche an die sichere und zuverlässige Verfügbarkeit von Daten und Systemen nicht mehr selber erfüllen, sagt Gaus, während ein Kran eines von vier tonnenschweren Kühlgeräten auf das Dach eines Nebengebäudes stellt. Mit der Abwärme aller Server bei Vollbetrieb könnte ein kleines Dorf beheizt werden. Für die Kühlung der Serverräume setzt das EKT auf ein System mit Umluft und gesammeltem Regenwasser. Erst ab 31 Grad Aussentemperatur werde eine zusätzliche Kältemaschine benötigt. Und das sei schliesslich nur an einzelten Tagen im Jahr der Fall.

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