In Paris kennt jeder Frauenfeld

Eine Delegation des Rennvereins Frauenfeld war in Paris. Mit dem «Prix de Frauenfeld» auf der Rennbahn in Saint Cloud machen die Thurgauer für sich Werbung. Trainer und Besitzer sollen ihre Tiere für das Swiss Derby anmelden. Eine Reportage von Nicole D'Orazio.

Drucken
Teilen
Als Erster im Ziel: Kemaliste mit dem Spitzenjockey Christophe Soumillon im Sattel entscheidet den Prix de Frauenfeld letzte Woche auf den Rennbahn Saint Cloud in Paris klar für sich. (Bild: Barbara Lemaire)

Als Erster im Ziel: Kemaliste mit dem Spitzenjockey Christophe Soumillon im Sattel entscheidet den Prix de Frauenfeld letzte Woche auf den Rennbahn Saint Cloud in Paris klar für sich. (Bild: Barbara Lemaire)

Thurgauer Fahnen wehen im Wind – mitten in Paris. Auf der Pferderennbahn Saint Cloud im Westen der französischen Hauptstadt ist alles für die Rennen an diesem Dienstagnachmittag bereit. Der Speaker kündigt das Programm an, die Vollblutpferde werden im Führring präsentiert, und die Wettprofis schauen sich die Tiere genau an, ehe sie sich für ihren Sieger entscheiden.

Für eine sechsköpfige Schweizer Delegation ist dies kein Tag wie jeder andere: Als drittes Rennen wird der «Prix de Frauenfeld» gestartet. Zugelassen sind nur 3jährige Hengste, die zuvor noch nie gelaufen sind. «Wer weiss, vielleicht sehen wir eines dieser Pferde ja auf der Grossen Allmend wieder», meint Christoph Müller, Präsident des Rennvereins Frauenfeld (RVF) hoffnungsvoll.

Gäste wichtig für Niveau

Denn die Verantwortlichen des RVF sind nicht einfach zum Spass hier. Mit dem «Prix de Frauenfeld» möchten sie die französischen Trainer und Besitzer auf das Swiss Derby aufmerksam machen, das am 10. Juni in Frauenfeld ausgetragen wird. «Es ist für uns wichtig, dass im Derby nicht nur Schweizer Pferde an den Start gehen», sagt Müller. Zur Wahrung des Niveaus sei es notwendig, dass auch Vollblüter aus dem Ausland mit dabei seien. «Die Pferde aus Frankreich bilden neben den heimischen Tieren den grössten Anteil im Swiss Derby.»

Damit das so bleibt, sind Müller, der Rennchef Michael Schmid und der Kommunikationsverantwortliche Heinrich Strehler in Paris und buhlen um die Gunst der Franzosen – 2012 bereits zum siebtenmal. Die Idee des Frauenfelder Rennens sei vor ein paar Jahren in Deauville entstanden, wo die französische Pferderennszene sowie der RVF-Präsident den Sommer verbrächten, sagt Strehler. «Für uns ist das natürlich eine super Sache.» In diesem Jahr werden die drei von Jean-Pierre Kratzer, dem Präsidenten des Schweizer Pferderennsport-Verbandes, und weiteren RVF-Mitgliedern begleitet. «Unsere Delegation wird immer grösser, das ist schön und kommt auch bei den Franzosen an», meint Müller.

Hüppen für die Franzosen

«Frauenfeld hat eine sehr schöne Rennbahn, die wegen ihrer ansteigenden Schlussgerade auch sehr selektiv ist», sagt Bertrand Bélinguier, der Präsident des Verbandes France Galop, beim gemeinsamen Mittagessen anerkennend. Er sei selber schon auf der Grossen Allmend gewesen und erinnere sich gern an den Ausflug in den Thurgau. Er freue sich, dass man mit dem «Prix de Frauenfeld» den Schweizer Kollegen zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen könne. France Galop kommt wie für die anderen Rennen für das Preisgeld auf, die Thurgauer müssen nur den Siegerpokal sowie die Pferdedecke für den Gewinner mitbringen.

«Natürlich haben wir auch einige Mitbringsel im Gepäck», sagt Strehler. «Besonders die Gottlieber Hüppen sind bei den Franzosen sehr beliebt.» In der Tat stecken sich fast alle Funktionäre nach dem Essen noch die eine oder andere Hüppe ein.

Premiere für den Botschafter

Vor dem «Prix de Frauenfeld» kommt langsam Hektik auf. Das Schweizer Grüppchen begibt sich in den Führring und schaut sich die Pferde aus der Nähe an. Christoph Müller und Jean-Jacques de Dardel, der Schweizer Botschafter in Paris, werden von Journalisten des französischen Pferdesportsenders Equidia interviewt. «Ich war vorher noch nie auf einer Rennbahn», erzählt der Botschafter. «Für mich ist alles sehr spannend.» Er habe die Einladung des Rennvereins Frauenfeld sehr gerne angenommen.

Auch für Christina Bürgi, Wirtschaftsberaterin der Schweizer Botschaft, ist der Rennsport Neuland. «Auf welches Pferd soll ich denn nun setzten? Die sind ja alle sehr schön», fragt sie hilfesuchend. Am besten solle sie sich auf ihr Bauchgefühl verlassen, rät ihr Michael Schmid. Dann geht es zum Wettschalter und schnell auf die Tribüne.

Nach dem Aufgalopp werden die Pferde in die Startboxen geführt, und schon geht es los. Die Frauenfelder blicken gebannt auf die Bahn. Der Speaker zählt die Reihenfolge der Pferde so schnell auf, dass man ihn kaum versteht. Beim Zieleinlauf ist klar, dass es einen überlegenen Sieger gibt: Kemaliste mit Starjockey Christophe Soumillon im Sattel. Die Schweizer sind begeistert.

Ehrung muss schnell gehen

«Soumillon hat dieses Rennen das erste Mal gewonnen. Das ist toll», sagt Christoph Müller und eilt mit dem Botschafter zur Siegerehrung. Stolz gratulieren sie dem Reiter, dem Trainer und dem Besitzer. Dann stellen sich alle für das zu schiessende Erinnerungsfoto auf, und das Siegerpferd wird bereits wieder weggeführt. In Frankreich geht alles sehr schnell, die Ehrungen werden nicht so zelebriert wie in Frauenfeld. Denn Zeit ist Geld.

Doch Müller ist das egal. Er kennt viele Leute persönlich, schüttelt etliche Hände, erzählt allen vom Swiss Derby und drückt jedem eine Werbebroschüre in die Hand. «Ich erwarte dich und dein Pferd in Frauenfeld», sagt er zu den Trainern und Besitzern lachend. Ob diese dem nachkommen, wird sich noch zeigen.

Vor dem Rennen werden die Pferde im Führring präsentiert. Die Jockeys gehen es zu diesem Zeitpunkt noch gemächlich an. (Bild: Nicole D'Orazio)

Vor dem Rennen werden die Pferde im Führring präsentiert. Die Jockeys gehen es zu diesem Zeitpunkt noch gemächlich an. (Bild: Nicole D'Orazio)

Zwischen Union Jack und Schweizerkreuz: Die Langdorfer, die Frauenfelder und die Thurgauer Fahne wehen über Paris. (Bild: Barbara Lemaire)

Zwischen Union Jack und Schweizerkreuz: Die Langdorfer, die Frauenfelder und die Thurgauer Fahne wehen über Paris. (Bild: Barbara Lemaire)