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In Horn stockt die Verhandlung

Ein altes Appenzellerhaus in Trogen und ein geschichtsträchtiges Schloss in Horn: In beiden Gebäuden sollen in Zukunft Menschen unterschiedlichen Alters gemeinsam wohnen und arbeiten können – und sich gegenseitig helfen.
Marion Loher
Beim Schloss Horn, nahe des Seeufers, ist man sich über die Kaufkonditionen uneinig. (Bild: Jakob Ineichen (Jakob Ineichen))

Beim Schloss Horn, nahe des Seeufers, ist man sich über die Kaufkonditionen uneinig. (Bild: Jakob Ineichen (Jakob Ineichen))

Auf den ersten Blick ist ein Haus, in dem mehrere Menschen verschiedener Generationen leben, nichts Ungewöhnliches. Eine Wohnform, die heute in den meisten Mehrfamilienhäusern zu finden ist. Aber vor allem in Städten oder grösseren Gemeinden kennen nur die wenigsten Mieter ihre Nachbarn. Und hier liegt der Unterschied zur Wohnform eines Mehrgenerationenhauses. «Familien und Alleinstehende, Kinder und Betagte, Gesunde und Kranke leben und arbeiten unter einem Dach, begegnen und unterstützen sich gegenseitig», sagt Lucie Sauter, Präsidentin des Fördervereins Mehrgenerationenprojekte Ostschweiz (MGP). Mit dieser Lebensform soll dem Problem «der zu vereinsamen drohenden Gesellschaft» entgegengewirkt werden. «Bei der Zusammensetzung der Hausgemeinschaften wird bewusst auf eine gute Durchmischung der Generationen geachtet.»

Drei Projekte in Planung

Während es in Deutschland bereits zahlreiche solcher Mehrgenerationenhäuser gibt, ist die Idee in der Schweiz weniger verbreitet. Am bekanntesten sind wohl die Wohnsiedlung Giesserei in Oberwinterthur und die Überbauung Kalkbreite in der Stadt Zürich.

In der Ostschweiz hingegen gibt es bislang kaum ein Haus, das extra so konzipiert worden ist, dass mehrere Generationen gemeinsam unter einem Dach wohnen und arbeiten können. Was es nun aber gibt, sind drei Projekte – und drei Objekte, in denen sich nach Ansicht des Fördervereins die Idee eines Mehrgenerationenhauses annähernd umsetzen lässt.

Am weitesten fortgeschritten ist man in Trogen. Im alten Appenzellerhaus im Dorfkern, in dem einst die Drogerie untergebracht war, sollen bis zu sechs Wohneinheiten sowie Gewerbe- und Mehrzweckräume entstehen. «Wir stehen unmittelbar vor Abschluss des Kaufvertrags», sagt Bernhard Müller, Vorstandsmitglied und Präsident der Baugenossenschaft des Fördervereins. Den Kaufpreis verrät er nicht. Die Finanzierung sei aber geregelt, sagt er.

So weit ist man bei einem anderen Projekt, der Mehrgenerationensiedlung im und um das Schloss Horn, nicht. Der Förderverein möchte das Schloss am Seeufer in Horn samt Nebengebäuden, Park und Umschwung kaufen und umnutzen. Auf dem Areal sind rund 20 Wohnungen sowie Gemeinschaftsarbeitsplätze für Büro, Atelier oder Praxis geplant. Hier soll gemäss Lucie Sauter eine vielfältige Gemeinschaft entstehen, die den Alltag in nachbarschaftlicher Solidarität gestaltet. Mit diesem Projekt war der Verein vor gut drei Jahren, kurz nach seiner Gründung, erstmals an die Öffentlichkeit getreten. Mittlerweile ist das Projekt ins Stocken geraten. Die Planung sei zwar abgeschlossen und auch das Baugesuch eingereicht worden, sagt Projektleiter und Architekt Claus Peter Taeterow. Doch das Bewilligungsverfahren wurde sistiert. Weshalb? «Käufer und Verkäufer sind sich über die Kaufkonditionen nicht einig», sagt Taeterow.

Vor drei Jahren stand das Areal samt Schloss als «Liebhaberprojekt am Bodensee» für 5,9 Millionen Franken zum Verkauf. Um die laufenden Verhandlungen nicht zu gefährden, will sich der Projektleiter nicht weiter dazu äussern. Er betont aber, dass der Verein weiterhin sehr interessiert sei an der Liegenschaft. «Dieser Ortsteil von Horn wurde bis anhin eher stiefmütterlich behandelt. Unser Projekt würde ihn aufwerten.»

Ein drittes Haus in Rehetobel

Als Aufwertung für die Gemeinde sehen die Vereinsverantwortlichen auch das Projekt in Trogen. Die Gewerberäume in der ehemaligen Drogerie können als Atelier, Werkstatt oder Büro genutzt werden, vor allem von den Bewohnern selber, aber auch von Externen. Die Wohneinheiten sind zwar separat konzipiert, das Zusammenleben steht aber im Zeichen der Nachbarschaftshilfe. «Das ist Teil unseres Konzepts: leben, wohnen und arbeiten in einer ganzheitlichen Gemeinschaft», sagt Lucie Sauter.

Diese ganzheitliche Gemeinschaft soll sich allerdings nicht nur auf das Haus und seine Bewohner beschränken, sondern auf die Umgebung ausweiten. «Wir wünschen uns eine lebendige Nachbarschaft über den Gartenzaun hinaus.» Die Vereinspräsidentin kann sich gut vorstellen, zusammen mit anderen Interessierten in Trogen noch weitere Liegenschaften zu erwerben.

Ein drittes Mehrgenerationenhaus soll in Rehetobel entstehen. Hier hat der Verein ebenfalls ein Objekt an «zentraler Lage» im Visier. Mit dem Eigentümer sei man auf gutem Weg, heisst es seitens des Vereins.

In der ehemaligen Drogerie in Trogen sind Wohnungen sowie Gewerbe- und Mehrzweckräume geplant. (Bilder: Jakob Ineichen)

In der ehemaligen Drogerie in Trogen sind Wohnungen sowie Gewerbe- und Mehrzweckräume geplant. (Bilder: Jakob Ineichen)

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