In Höchstgeschwindigkeit ein neues Haus für Pflegekinder

FRAUENFELD. Ein paar schlaflose Nächte hatte Christine Schneider in letzter Zeit. «Wir sind eine kleine Institution. Da stellt ein solcher Bau sowieso eine Zusatzbelastung dar. Ich bin froh, wenn's endlich fertig ist.

Mathias Frei
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Dienstagnachmittag, 16 Uhr: Der fertige Rohbau mit neun Elementen.

Dienstagnachmittag, 16 Uhr: Der fertige Rohbau mit neun Elementen.

FRAUENFELD. Ein paar schlaflose Nächte hatte Christine Schneider in letzter Zeit. «Wir sind eine kleine Institution. Da stellt ein solcher Bau sowieso eine Zusatzbelastung dar. Ich bin froh, wenn's endlich fertig ist.» Die Leiterin der sozialpädagogischen Pflegefamilie und Lebensgemeinschaft «Im Speicher» (SPLIS) deutet auf den fünfeckigen Holzsystembau, der im Rohbau nun innert zwei Tagen aufgezogen worden ist.

Ende Juni muss alles fertig sein

Vorgestern sind die neun Holzelemente von Tiefladern angeliefert und ineinander verbaut worden. Gestern ist das Betontreppenhaus in die Mitte des fünfeckigen Baus eingepasst worden. Schlüsselübergabe für den Fertigbau ist anfangs April. Am 28. Juni wollen SPLIS-Leiterin Christine Schneider und ihr Mann Andreas zum Tag der offenen Tür laden.

Die Leiterin hofft, dass bis dann auch die Unterkellerung am bestehenden Wohnhaus fertig ist. Dort sind Aufenthalts- und Aktivräume sowie eine grosse Küche geplant. Währenddessen entstehen auf den 263 Quadratmetern im Holzhaus sieben Zimmer, sanitäre Anlagen und eine kleine Teeküche. Insgesamt werden die Schneiders schliesslich rund zwei Millionen Franken verbaut haben. Hernach werden sie die Räumlichkeiten dem Trägerverein vermieten. Verdienen will niemand daran.

Trennung: Privates vs. Heim

«Einerseits wollen wir vergrössern, andererseits den Betrieb professionalisieren», erklärt Christine Schneider. Zurzeit bewohnen zehn Personen das Schneider'sche Wohnhaus an der Speicherstrasse, davon sind sechs Pflegekinder zwischen 10 und 19. In Zukunft sollen sieben betreute Jugendliche im Fertighaus wohnen, für fünf jüngere Pflegekinder hat es im Wohnhaus Platz. Das gibt den Schneiders auch mehr Spielraum in der Trennung zwischen Heimbetrieb und privaten Rückzugsorten. Seit 25 Jahren nimmt die Familie Pflegekinder auf.

Umgang mit Ressourcen prägt

Was Christine Schneider grosse Freude macht, ist der spezielle Holzbau. Jede der fünf Seiten misst acht Meter, an der höchsten Stelle beträgt die Höhe knapp sieben Meter. Denn die neun Zimmerelemente sind in der Höhe jeweils 56 Zentimeter versetzt. So ergeben sich neun Stockwerkhöhen. Die Wärme wird über ein Wärmepumpe-Erdsonden-System generiert. Regenwasser spült die WCs. Überall leuchten LED-Lampen. Der sorgfältige Umgang mit Ressourcen ist Christine Schneider wichtig. «Denn das prägt die Jugendlichen.»

Dienstagmorgen, 8.15 Uhr: Die ersten drei Elemente stehen. (Bilder: Mathias Frei)

Dienstagmorgen, 8.15 Uhr: Die ersten drei Elemente stehen. (Bilder: Mathias Frei)

Christine Schneider Institutionsleiterin (Bild: Mathias Frei)

Christine Schneider Institutionsleiterin (Bild: Mathias Frei)