In guter Nachbarschaft zu Aadorf

HAGENBUCH. Hagenbuch liegt an keiner Hauptverkehrsachse. Die Zürcher Landgemeinde wird deshalb im Hinterthurgau kaum wahrgenommen. Seinen idyllischen Charakter konnte sich Hagenbuch aber nicht zuletzt wegen seiner Lage bewahren.

Olaf Kühne
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Hagenbuch ist ein kompaktes Dorf im Grünen. (Bild: pd)

Hagenbuch ist ein kompaktes Dorf im Grünen. (Bild: pd)

Keine Autobahnausfahrt, kein Bahnhof. Auf den ersten Blick scheint Hagenbuch schlecht erschlossen. Aber nur auf den ersten Blick. «Mit dem Postauto sind wir in sieben Minuten in Aadorf und in zwölf Minuten in Frauenfeld», erklärt Gemeindepräsident Karl Sommer und bringt damit die Nähe der Zürcher Gemeinde zum Thurgau auf den Punkt.

So halten sich gemäss Sommers Wahrnehmung in der Gemeinde die Abonnenten der Thurgauer Zeitung etwa die Waage mit denjenigen des «Landboten». Aadorf sei ein ausgeprägter Bezugspunkt für die Hagenbucher. «Das Schwimmbad ist nah, und viele Hagenbucher erledigen den grossen Einkauf im Nachbarort, weil es dort von der Apotheke bis zum Optiker alles gibt», präzisiert Sommer. «Unser eigener Dorfladen wird aber auch sehr geschätzt.»

Dazu komme, dass Aadorf insbesondere von den Pendlern wegen des Bahnhofes geschätzt werde, arbeiten doch viele Hagenbucher in Winterthur oder in Zürich.

Einheitsgemeinde seit 10 Jahren

Während Hagenbuch Kindergarten und Primarschule selber betreibt, werden die Sekschüler in Elgg unterrichtet. Die Hagenbucher Stimmbürger haben denn auch die jüngst am Elgger Veto gescheiterte Fusion der Eulachtaler Schulgemeinden gutgeheissen.

«Das Projekt ist vom Tisch», sagt Gemeindepräsident Sommer. «Dafür finden bereits erste Gespräche für Fusionen der politischen Gemeinden der Region statt.» Hofstetten, das aufgrund sinkender Schülerzahlen wegen der gescheiterten Schulgemeinde Eulachtal am meisten Probleme hat, habe den Anstoss gegeben. Elgg zeige sich zumindest interessiert. Und Schlatt und Elsau wollen in diesen Tagen entscheiden, ob sie an den Gesprächen teilnehmen wollen.

«Das Ergebnis ist noch völlig offen», weiss Sommer. Eine Grossgemeinde Eulachtal sei in Zukunft also durchaus denkbar.

In einer anderen politischen Frage sind die Hagenbucher ihren Thurgauer Nachbarn um Jahre voraus. Seit zehn Jahren haben sie die Einheitsgemeinde. «Der sechste Gemeinderatssitz ist bei uns für den Schulpflegepräsidenten reserviert», erläutert Sommer das funktionierende Modell. Er selber ist Milizpolitiker und seit 2006 Gemeindepräsident. «Ende Jahr gehe ich in die Frühpension», verrät der 63-Jährige. «Deshalb gebe ich das Gemeindepräsidium auf Ende der Legislatur auch ab.»

Sommer wird so voraussichtlich noch während seiner Amtszeit erleben, dass Hagenbuch zur Energiestadt gekürt wird. 2011 habe man abgeklärt, was es dafür brauche, und dabei festgestellt, dass Hagenbuch auf einer 100er-Skala von 50 erforderlichen Punkten bereits 46 erfüllte. «Wir haben uns dann gesagt, dass wir die fehlenden vier Punkte doch problemlos auch noch erfüllen können», blickt Sommer zurück.

Moderates Wachstum

Hagenbuch offenbart schon bei der ersten Durchfahrt seinen ländlichen Charakter mit intakter Dorfstruktur. Dies verdankt die Gemeinde nicht zuletzt einem sehr moderaten Wachstum. So hat sich die Einwohnerzahl seit 1850 nicht einmal verdoppelt. «Obwohl viel gebaut wurde, verzeichneten wir in den letzten zwölf Jahren nur vierzehn neue Einwohner», sagt Sommer. «Dies erklärt sich dadurch, dass wir um 1980 wie viele andere Gemeinden einen Einfamilienhausboom hatten. In diesen Häusern wohnen nun nicht mehr ganze Familien, sondern nur noch Paare oder gar Einzelpersonen.»

Das Wachstum könnte sich künftig durchaus beschleunigen. Die letzten 10 000 Quadratmeter Bauzone stehen vor ihrer Erschliessung. Für die Überbauung wünscht sich Sommer möglichst altersdurchmischtes Wohnen, könnten doch bis 250 Personen neu in die Gemeinde ziehen – der grösste Entwicklungsschub in der Geschichte Hagenbuchs.

Gemeindepräsident Karl Sommer vor der Hagenbucher Gemeindeverwaltung. (Bild: Olaf Kühne)

Gemeindepräsident Karl Sommer vor der Hagenbucher Gemeindeverwaltung. (Bild: Olaf Kühne)

Bild: OLAF KÜHNE

Bild: OLAF KÜHNE