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In diesem Möbel steckt Geschichte

Die Gläser in den EW1plus-Vitrinen des Frauenfelder Möbelschreiners Florian Hunziker haben in den vergangenen über 50 Jahren viel gesehen. Denn sie stammen aus dem SBB-Waggontyp Einheitswagen 1.
Mathias Frei

FRAUENFELD. Es erinnert einen an die Fahrt ins Schullager – im alten Waggon in SBB-Grün. Und dann stand man kurz vor Ankunft mit dem geschulterten Gepäck vor der Zugtür, die alsbald nach aussen aufklappen sollte, und suchte aus dem noch fahrenden Zug sehnsuchtsvoll durch die beiden Türfenster das Neue, Unbekannte. Genau dieses Türglas hat der selbständige Frauenfelder Möbelschreiner Florian Hunziker als zentrales Element für ein Vitrinenmöbel recycelt. Mit seiner SBB-Wiederverwertung ist er vom Verkehrshaus Luzern an die Rail-Days eingeladen worden, die heute beginnen. Den Zugnostalgikern und Ferrophilen zeigt er bis Sonntag seine EW1plus-Vitrine.

Hartglas aus Kreuzlingen

EW1 steht für Einheitswagen 1. Die SBB liessen zwischen 1956 und 1967 für die Normalspur insgesamt 1249 Exemplare von besagtem Waggontyp bauen. Die SIG in Neuhausen zeichnete dafür verantwortlich. Die ersten Waggons kamen auf die Gleise, kurz bevor die 3. Klasse abgeschafft wurde. Weitere 224 EW1 kamen bei Schweizer Privatbahnen in Einsatz. Zusätzlich gab es noch 185 EW1-Waggons für die Schmalspur. All diese Bahnwagen haben dasselbe Sicherheits-Hartglas in den Türfenstern. Es wurde in Kreuzlingen und Zürich fabriziert. Von diesem Glas ging Hunziker für seine Vitrine aus. Jedes Möbel ist ein Unikat, numeriert und mit Firmenlogo versehen.

Er sei jetzt nicht der Bahn-Freak par excellence, sagt Hunziker. Vielmehr spielte für ihn bei diesem Projekt der zeitgeschichtliche Aspekt eine Rolle, der mit der klassischen SBB-Ästhetik zusammenfand. Vor zwei Jahren kam Hunziker die Idee dazu. Mittlerweile stehen nur noch rund 200 umgebaute EW1-Waggons auf Schweizer Gleisen im Einsatz. Eine Aargauer Firma verschrottet die ausgemusterten Bahnwagen. Hunziker brauchte zuerst die Erlaubnis der SBB, damit er zu seinen Glasscheiben kam. Die EW1plus-Vitrine ist nicht für die Massenproduktion konzipiert, sondern wird von Hunziker nur auf Auftrag fabriziert. Da spielt es für ihn auch nicht so eine grosse Rolle, dass es irgendwann kein EW1-Türglas mehr gibt. Derzeit arbeitet er an Vitrine Nummer 7 und 8. Zudem verarbeitet er auch leicht zerkratzte Gläser. So sieht man, dass das Glas etwas erlebt hat. «So ein Scheibenpaar hat wohl locker eine Million Kilometer gemacht», mutmasst Hunziker.

Nichtraucher oder anderes

Hunzikers Vitrine ist 60 Zentimeter lang und 30 Zentimeter tief. Ohne Fussgestell ist der Korpus 120 Zentimeter hoch, mit sind es 35 Zentimeter mehr. Der Möbelschreiner verwendet in der Hauptsache Sperrholz. Der Deckel besteht aus einem Eisenprofil-Kranz mit Holzeinlage. Das Fussgestell ist aus rohem Eisenprofil, möglich ist aber auch Birnbaum-Massivholz (wie im Bild). Im Verkehrshaus zeigt Hunziker die Vitrine in SBB-Grün mit «Nichtraucher»-Aufschrift. Es seien aber auch andere Lackierungen und Beschriftungen möglich, sagt er

Mehr zur Vitrine: www.ew1plus.ch Rail-Days im Verkehrshaus Luzern von heute Freitag bis übermorgen Sonntag, jeweils ab 10 Uhr.

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