«In Adorf gibt es Schröggelsuppe als Spezialität»

In einer Serie stellen wir Ihnen Orte aus aller Welt vor, die wie Ortschaften im Thurgau heissen. Der 47jährige Volker Becker ist seit 2005 Bürgermeister im deutschen Diemelsee, deren Hauptort Adorf ist. Im ehemaligen Bergbaudorf wurde bis in die 60er-Jahre Erz abgebaut. Seither gilt es als Erholungsgebiet.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Volker Becker Bürgermeister Gemeinde Diemelsee (Bild: pd)

Volker Becker Bürgermeister Gemeinde Diemelsee (Bild: pd)

Herr Becker, wussten Sie, dass es in der Schweiz ein Aadorf gibt?

Volker Becker: Nein. Das wusste ich bislang nicht. Ich kenne nur ein weiteres Adorf in Deutschland. Es liegt in Sachsen an der tschechischen Grenze. Ich würde mich aber freuen, das Schweizer Aadorf vielleicht einmal kennenlernen zu dürfen.

Was zeichnet Ihr Adorf oder die Gemeinde Diemelsee aus?

Becker: Wir sind eine alte Bergbaugemeinde mit einer über 800jährigen Erzbaugeschichte. Wir sind ländlich und haben eine ruhige Natur mit dem Diemelsee und einer Staumauer. Zu uns kommen viele Touristen und Wanderer aus ganz Deutschland, um einige Tage zu entspannen. Der Naturpark ist das Herzstück.

Was bieten Sie den Touristen?

Becker: Touristen freuen sich über ruhige Tage und über den Badespass am und im Wasser. In Diemelsee gibt es die Grube Christiane, das ist ein alter Stollen, der besichtigt werden kann und den Bergbau von früher vorstellt. Zudem gibt es alte Förderanlagen, ein Benediktinerkloster oder einen Golfpark.

Was machen Sie für junge Leute?

Becker: Wir haben zwar keine Disco, doch das Vereinsleben ist vor allem im sportlichen Bereich stark. Wir haben viele Landjugendgruppen und einen Jugendzeltplatz.

Was ist das Highlight des Jahres?

Becker: Der Adorfer Kram- und Viehmarkt. Er findet dieses Jahr bereits zum 499. Mal statt. Die Leute freuen sich auf die Tiervorführungen, den Rummelplatz und den Vergnügungspark.

Gibt es Industrie und Gewerbe?

Becker: Ja. Wir beherbergen die Firma Weidemann, die für den weltweiten Markt Radlager produziert. Dessen Hauptkonzern sitzt in München.

Hat Adorf berühmte Töchter und Söhne?

Becker: Nein. Aber die Miss Germany aus dem Jahr 2012, Susan Henry, stammt aus einem Nachbardorf.

Wie würden Sie die Mentalität der Adorfer beschreiben?

Becker: Nett, freundlich und zuvorkommend.

Was ist die kulinarische Spezialität von Adorf?

Becker: Ofenkuchen und Schröggelsuppe.

Was ist Schröggel?

Becker: Das heisst bei uns brennen. Schröggelsuppe ist also eine angebrannte Suppe mit Kartoffeln und Salami.

Adorf war lange eine jüdische Gemeinde. Was blieb davon übrig?

Becker: Seit 1939 und dem Zweiten Weltkrieg ist die über hundert Jahre alte Synagoge leider zerstört. In Adorf steht aber noch ein Gedenkstein an der abgerissenen Synagoge und rund 50 Gedenksteine auf dem jüdischen Friedhof.

Hinweise über weitere Orte mit Thurgauer Ortsnamen in aller Welt an: redaktion@thurgauerzeitung.ch.

Aktuelle Nachrichten