In 30 Tagen eine Medaille erschreiben

Es geht um viele Worte: Die Kleinklasse aus Diessenhofen nimmt am Novemberschreiben teil. In nur 30 Tagen wollen sie mit Lehrer Daniel Badraun ein Buch verfassen.

Gudrun Enders
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Die Fakten zur Geschichte studieren Severin Suter, Joao Almeida, Garip Hiseni und Gabriel Häberli. (Bild: Gudrun Enders)

Die Fakten zur Geschichte studieren Severin Suter, Joao Almeida, Garip Hiseni und Gabriel Häberli. (Bild: Gudrun Enders)

DIESSENHOFEN. 9850 Worte liegen schon hinter ihnen. Und eine Entführung, zumindest auf dem Papier. Heute schreiben Garip Hiseni, Joao Almeida, Severin Suter und Gabriel Häberli weiter. An der Tafel kleben Karten und Bilder. Oberhof 3 steht da, darunter eine Tabelle mit Stockwerken und Namen. Die Schüler müssen sich in ihrem Krimi zurechtfinden.

«Wir sind sechs Familien», erklärt Garip Hiseni. Es geht um Jugendliche, die entführt und inzwischen in einen Bunker im Schaarenwald verschleppt wurden. Heute beschreiben die vier Siebtklässler, wie die Jugendlichen endlich flüchten. Allerdings werden sie sich im Schaaren verlaufen und plötzlich wieder vor dem Bunker stehen.

Die Schüler stürzen sich in die Arbeit. «Im Bunker ist es kühl und feucht und schimmelig», tippt Severin Suter in seinen Laptop. Er schreibt aus Sicht von Entführungsopfer Luca: «Ich kann meiner Phantasie freien Lauf lassen, das finde ich gut.» Seine Kollegen sehen das auch so.

Damit es spannend bleibt

«Meine Aufgabe ist es, den Spannungsbogen zu ziehen», sagt Lehrer Daniel Badraun. Normalerweise liefern seine Schüler bei einem Aufsatz maximal 200 Worte ab. Sie hätten ihre Geschichte schnell erzählt, würde nicht Badraun für Komplikationen sorgen. Das kommt gut an: «Mir macht es Spass herauszufinden, was ich schreiben kann», sagt Gabriel Häberli. Die Schüler haben selbst die Töffli ins Spiel gebracht und den unterirdischen Gang, der in ihrer Geschichte unter der Diessenhofer Altstadt verläuft. Nun überschlagen sie sich mit Vorschlägen: Paul flieht auf einem gestohlenen Töffli. Die Maschine verliert Öl, so dass sie der Spur folgen.

Lehrer Badraun sammelt die Texte seiner Schüler, bügelt Widersprüche aus und fügt seine eigenen Textpassagen ein. Denn er schreibt an der Entführungsgeschichte aus Sicht des Hauswarts mit. Wer die Entführungsgeschichte lesen will: Sie steht im Internet auf www.vsgdh.ch in der Schülerecke.

Medaillen für Vielschreiber

Die Schüler wollen bis Ende November 25 000 Worte geschrieben haben. Wenn sie es schaffen, winkt eine Medaille, die online vom «Novemberschreiben» verliehen wird. Bei dem Projekt geht es darum, sich freizuschreiben. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 227 Novemberschreiber mit 2,5 Millionen Worten.