Implenia steigt vor dem Start aus

Der Baukonzern Implenia bewirbt sich nicht um den grössten Bauauftrag, den der Kanton Thurgau je ausgeschrieben hat. Mitgespielt haben soll die personelle Verflechtung des Konkurrenten HRS mit dem Auftraggeber.

Thomas Wunderlin
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Das Kantonsspital Frauenfeld wird durch einen Neubau ersetzt. (Archivbild: Reto Martin)

Das Kantonsspital Frauenfeld wird durch einen Neubau ersetzt. (Archivbild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Bis am 23. Dezember können Bauunternehmen eine Offerte für den Neubau des Kantonsspitals Frauenfeld einreichen. Der Baukonzern Implenia verzichtet darauf. Dabei geht es beim sogenannten Projekt Horizont um mehr als eine Viertelmilliarde Franken – den wohl grössten Bauauftrag, den der Kanton Thurgau je zu vergeben hatte. Er entspricht etwa einem Zehntel des jährlichen Gesamtumsatzes der Implenia von drei Milliarden Franken. Die Implenia hat ausserdem 2012 in Frauenfeld eine neue Niederlassung bezogen – wohl in der Absicht, sich vermehrt um Thurgauer Aufträge zu bewerben. Implenia-Sprecherin Natascha Mathyl bestätigt auf Anfrage: «Implenia gibt für dieses Projekt keine Offerte ab. Wir stehen jedoch als Baumeister, Tiefbauer und Strassenbauer zur Verfügung.» Den Verzicht begründet sie damit, dass eine Offerte «professionelle und finanzielle Ressourcen» binde. «Bei der Abwägung der Ressourcenallokation sind wir zu dem Schluss gekommen, dass unsere Chancen zu gering sind.»

Halbe Million Franken Einsatz

Jeder Bewerber muss sich überlegen, ob er sich den Aufwand für eine Offerte angesichts des ungewissen Erfolgs leisten kann. Eine Offertstellung für ein Projekt dieser Grössenordnung kostet intern etwa eine halbe Million Franken, bestätigt die Implenia-Sprecherin.

Der Kanton Thurgau hat die Kantonsspitäler samt ihren Bauten in die Thurmed-Gruppe ausgelagert. Beim Verzichtsentscheid der Implenia mitgespielt hat die Befürchtung, man kämpfe mit kürzeren Spiessen als die Konkurrenz, wie die Thurgauer Zeitung erfahren hat. Damit ist die personelle Verflechtung der Thurmed AG mit dem Frauenfelder Generalunternehmer HRS gemeint: Thurmed-Verwaltungsrat und SVP-Ständerat Roland Eberle ist Verwaltungsratspräsident der HRS. Die Implenia-Sprecherin erklärt: «Zu Gerüchten geben wir prinzipiell keine Stellungnahme ab.»

Regierungsrat Jakob Stark erklärt auf Anfrage, dass er keine Stellung nehme. Zu Eberles Rolle bei der Spitalbauvergabe hat der Ermatinger SP-Kantonsrat Peter Dransfeld eine Einfache Anfrage eingereicht (TZ vom 1. 10.). Die Antwort des Regierungsrats wird nächste Woche erwartet, da Einfache Anfragen in der Regel innert zwei Monaten beantwortet werden.

In Anbetracht des Auftragsvolumens sei eine halbe Million Franken «nicht einmal so viel», kommentiert Dransfeld den Implenia-Entscheid. Der Architekt hat Verständnis für den Verzicht angesichts der «erstaunlichen Nähe» des Auftraggebers zum Mitbewerber. Es sei die grosse Kunst, zu erkennen, wo eine Offerte Chancen habe. «Ein Handwerker macht keine Offerte, wenn er von jemanden eingeladen wird, der mit dem Mitbewerber im Golfclub ist.»

Eberle tritt in den Ausstand

Bei der Einreichung von Dransfelds Anfrage hatte Eberle auf Anfrage erklärt, er sei nicht Mitglied des zweiköpfigen Verwaltungsratsausschusses der Thurmed, der sich mit der Bauvergabe befasst. Bei Entscheiden, die der gesamte Verwaltungsrat fällen muss, trete er in den Ausstand. Er habe keinerlei Einfluss auf die Entscheide. Er wisse nicht einmal, welche Firmen sich bewerben.

«Die Beweggründe der Firma Implenia kommentiere ich nicht», erklärt Eberle nun auf Anfrage per Mail aus dem Ausland. Er finde es «reichlich abenteuerlich», ihn als Begründung anzuführen, um sich dem Wettbewerb nicht zu stellen. «Bei meinem Eintritt als Verwaltungsrat in die Spital Thurgau war mein Engagement bei der HRS bekannt.» Damals sei eine Ausstandsregelung aufgesetzt worden, «lange bevor die Ausschreibung Horizont gestartet wurde».

Der Verwaltungsratspräsident der Thurmed AG, Robert Fürer, bestätigt: «Wir haben es vertraglich sauber geregelt, dass Roland Eberle bei all diesen Fragen in den Ausstand tritt.» Die Implenia habe Einsicht in die Abmachungen nehmen können. «Was die Bewerber damit machen, muss man ihnen überlassen.» Nach Angaben von Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG, haben bisher sechs Firmen die Offertunterlagen bezogen. Dabei sei noch nicht klar, wer effektiv eine Offerte einreichen wird und wer sich allenfalls in Konsortien zusammenschliessen will.