Immer schön auf dem Boden bleiben

Die Hüttwiler gelten als bodenständig. Auch wenn sie die Zukunft ihrer Gemeinde planen, heben sie nicht ab. Das Projekt «Gemeindeentwicklung» soll die Richtung aufzeigen.

Beat W. Hollenstein
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Badi Hüttwilen im Winterschlaf. (Archivbild: cas)

Badi Hüttwilen im Winterschlaf. (Archivbild: cas)

hüttwilen. In den letzten Jahren ist in der Gemeinde Hüttwilen viel gebaut worden. Die Baukräne gehörten zum Dorfbild, und auf der Strasse begegnete man häufig neuen Gesichtern. Momentan sei die Bautätigkeit etwas bescheidener, sagte Gemeinderat Emil Zingg an der Gemeindeversammlung von letzter Woche. Möglicherweise deshalb, weil weniger Bauland auf den Markt komme, mutmasste Zingg. Mit dem kleinen Nevio Meier konnte kürzlich der 1500. Hüttwiler willkommen geheissen werden. Die jetzige Bauzone reicht für weitere 400 Einwohner.

Und dann, wie soll sich die Gemeinde weiterentwickeln?

Vor einem Jahr hat Hüttwilen unter der Federführung von Gemeindeammann Heinz Geisser das Projekt «Gemeindeentwicklung» gestartet. Seit dem letzten Oktober sind acht Arbeitsgruppen dabei, die Resultate eines Arbeitstages mit der Bevölkerung zu ordnen und zu ergänzen. An der Gemeindeversammlung wurde eine Zwischenbilanz gezogen; das Endergebnis soll der Bevölkerung am 25. Mai präsentiert werden.

Zonenplanung aufgleisen

Für die Gemeinde ist der Zonenplan das zentrale Instrument, um das Wachstum zu steuern. Der gültige Zonenplan stammt aus dem Jahr 2003. Dieser wird üblicherweise alle 10 bis 15 Jahre, knapp im Generationenrhythmus, hinterfragt.

Gemäss der Arbeitsgruppe «Bauliche Entwicklung» sollen die Vorarbeiten für die nächste Revision im nächsten Jahr anlaufen.

Zingg: «Wir wollen noch das kantonale Planungs- und Baugesetz abwarten, das voraussichtlich Anfang 2012 in Kraft treten wird.» Einschneidende Konsequenzen für die Zonenplanung hätte überdies die nationale Landschaftsschutz-Initiative, für die momentan Unterschriften gesammelt werden und die die Einzonungen für 20 Jahre einfrieren möchte.

In den nächsten Jahren gefordert sein werden Gemeinde und Einwohner zudem, wenn es um die Erhaltung der Dorfschule Nussbaumen und das Wohnen im Alter geht (die TZ berichtete).

Verkehr, Tourismus, Freizeit

Daneben haben die Arbeitsgruppen weitere Bereiche unter die Lupe genommen, in denen die Weichen gestellt werden müssen:

Verkehr: Es besteht der Wunsch nach früheren morgendlichen Anschlüssen, und zwar sowohl Richtung Frauenfeld als auch nach Stammheim/Winterthur. – Der Kanton plant, die Ortsdurchfahrt Hüttwilen in etwa fünf Jahren zu sanieren.

Dabei soll vermehrt Rücksicht auf den Langsamverkehr, Fussgänger und Velofahrer, genommen werden.

Tourismus: An schönen Sommerwochenenden ist die Infrastruktur in und um die Badi häufig überlastet. Es mache keinen Sinn, die Spitzenzeiten abzudecken, erklärte Gemeindeammann Heinz Geisser für die Arbeitsgruppe. Denn wochentags bliebe ein vergrösserter Parkplatz unbenutzt. Also: Kein Ausbau, sondern Pflege des Vorhandenen.

Freizeit: In dieser Arbeitsgruppe war man sich einig, dass die Vereine das kulturelle Leben im Dorf ausmachen. Diese sollen in ihrer Arbeit weiter unterstützt werden – zum Beispiel soll das Beitragsreglement überarbeitet werden. Damit die Vereine und ihre Anlässe den nötigen Zulauf haben, sollen Koordination und Kommunikation verbessert werden.

Landwirtschaft: Wegen der baulichen Entwicklung ist die Landwirtschaft ins Hintertreffen geraten. Um die Zukunft zu sichern, will sie ihre Interessen konsequenter vertreten, speziell im Zusammenhang mit der anstehenden Zonenplanrevision. Angeregt wurde in der Arbeitsgruppe auch, die Neuzuzüger, die häufig aus Ballungsgebieten hierhergezogen sind und eigene Vorstellungen von Landwirtschaft und Naturschutz haben, mit den bäuerlichen Produktionsmethoden vertraut zu machen. So liessen sich Konflikte vermeiden.

Wirtschaft und Arbeit: In dieser Arbeitsgruppe wurde unter anderem die spannende Frage diskutiert, was wäre, wenn der Volg von einem Tag auf den anderen schliessen würde. Würden dann auch Metzgerei und Postagentur fallen wie Dominosteine? Um vor solchen Überraschungen sicher zu sein, schlägt die Arbeitsgruppe einen Aktionsplan vor zur langfristigen Sicherung der dörflichen Infrastruktur.