Im Westen was Neues

Thursicht

Olaf Kühne
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Wil West. Liegt im Thurgau. Gehört den St. Gallern. Tönt komisch. Ist aber so. Irgendwas Historisches halt. Derzeit ist es eine grosse Wiese und eine gute Idee – und ein Haufen Papier natürlich. 158000 Quadratmeter. Also die Wiese, nicht das Papier. Für die Regierungen der Kantone Thurgau und St. Gallen ist es darüber hinaus ein Entwicklungsschwerpunkt. Ein ESP. Nicht zu verwechseln mit dem Elektronischen Stabilitätsprogramm, das einst Mercedes vor dem Elch rettete.

Eigentlich sollte es nur eine Autobahnausfahrt werden. Wegen ein bisschen Stau noch eine dritte Ausfahrt auf den paar hundert Metern zwischen Sirnach und Wil reinzuquetschen, war dem Bund dann aber doch zu viel des Guten. Schliesslich braucht’s ja auch noch Platz für einen Blitzer. Und Geld wächst auch an der Aare nicht auf den Bäumen. Jedenfalls nicht immer. Die da oben in Bern wollten also Fleisch am Knochen. Ein Konzept oder so.

Wil West war geboren. Oder wenigstens gezeugt. Ein Vorzeigeprojekt soll es werden. Ein Generationenprojekt. Eine grosse Gewerbezone. 2000 Arbeitsplätze und rundum ein Haufen Verkehrspro­bleme gelöst. Der öffentliche Verkehr ist vorbildlich berücksichtigt, und die Zersiedelung wird auch gleich noch gestoppt. Das lässt Politikerherzen aller Couleur höher schlagen. Scheint, als wäre das Agglomerationsprogramm nicht nur für Tiefbauunternehmer der goldene Topf am Ende des Regenbogens.

Olaf Kühne

olaf.kuehne

@thurgauerzeitung.ch