Im Thurgau weht ein anderer Wind

Obwohl in der Schweiz ab 2016 das Verbot für Kitesurfer aufgehoben wird, ändert sich für die Drachensegler im Thurgau nichts. Denn auf dem Bodensee gilt die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung. Die Kitesurfzonen in Berlingen und Münsterlingen bleiben voraussichtlich bestehen.

Samuel Koch
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Am Untersee reicht die Zone von Berlingen bis nach Ermatingen. (Bild: DJS)

Am Untersee reicht die Zone von Berlingen bis nach Ermatingen. (Bild: DJS)

FRAUENFELD. Was auf Schweizer Seen erst im Februar 2016 offiziell erlaubt werden soll, ist auf dem Bodensee längst gang und gäbe. Kitesurfer dürfen auf Grenzgewässern auch in Zukunft auf die Bewilligungen der Kantone zählen und sich so mit Hilfe ihrer Drachen und genügend Wind übers Wasser ziehen lassen.

Denn gekitet wird in der Schweiz nicht erst seit kurzem, sondern bereits seit der Jahrtausendwende. Die Trendsportart, welche von Amerika nach Europa und die Schweiz überschwappte, ist heutzutage auf Schweizer Seen bei entsprechender Windstärke omnipräsent. Nur gelten nicht überall dieselben gesetzlichen Vorschriften.

Bodensee als Grenzgewässer

Im vergangenen Jahr nahm die Gesetzgebung in der Schweiz eine Windrichtungsänderung von 180 Grad, welche ab Mitte Februar 2016 in Kraft treten wird. Bis dahin ist Kitesurfen in der Schweiz verboten, aber den Kantonen ist vorbehalten, Bewegungszonen für das Kitesurfen einzurichten. Ab Februar 2016 wird Bundesbern das seit 2001 allgemeingültige Verbot aufgrund einer Revision der Binnenschifffahrtsverordnung (BSV) 2014 aufheben und überlässt den Kantonen, wie und wo Kitesurfverbote verhängt werden.

Auf Grenzgewässern wie dem Bodensee, dem Lac Léman oder dem Lago Maggiore gelten wiederum andere Gesetze. Gemäss Stephan Felber, Generalsekretär des Departements für Justiz und Sicherheit (DJS) im Kanton Thurgau, muss auch über den Februar 2016 hinaus zwischen Schweizerischem Recht und demjenigen auf dem Bodensee differenziert werden. Auf dem Bodensee gelte die Bodensee-Schifffahrts-Ordnung (BSO). «Die BSO ist gestützt auf den Staatsvertrag zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich», sagt Felber. Diese länderübergreifende Vereinbarung sei gut gelöst, zumal die zuständigen Kantonsdepartemente die Zonen selbständig markieren und in einem Merkblatt publizieren können. Im Thurgau existieren zwei Zonen für Kitesurfer. Je eine am Unter- sowie am Obersee. Laut Kitesurf-Club Schweiz sind die Bedingungen in Berlingen jedoch deutlich besser als in Münsterlingen. Am Untersee können die Drachen bei Winden aus sämtlichen Richtungen steigen gelassen werden, wohingegen in Münsterlingen aufgrund der Topographie und hohen Bäumen in Ufernähe nur bei Ostwind gekitet werden kann. Zudem muss in Münsterlingen beim Horn nahe der Psychiatrischen Klinik ein Uferabstand von 200 Metern eingehalten werden. Zudem fahren Kursschiffe der jeweiligen Schifffahrtsgesellschaften durch beide Zonen. So auch die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh), welche die Kitezone vor Berlingen im Streckenabschnitt zwischen den Landestellen Mannenbach und Berlingen durchkreuzt. Für Urs Thaler, langjähriger Kapitän bei der URh, gab es erst kürzlich einen Zwischenfall mit einem Kitesurfer. Beim Eschlibach östlich von Mannenbach musste ein Kitesurfer mit einer Überbordleiter aus dem Wasser gezogen werden. Dennoch sagt Thaler, dass solche Fälle «sehr selten vorkommen».

Auch der Seepolizei Thurgau sind bisher kaum Probleme mit Kitesurfern bekannt. Gemäss Mediensprecher Daniel Meili ist 2015 nur ein Fall dokumentiert, als ein Kitesurfer in Arbon nicht die bewilligte Zone befahren haben soll. «Wir können den Kitesurfern am Bodensee ein gutes Zeugnis ausstellen», bestätigt Meili.

Zusammen an einem Tisch

Um den Kitesurfern am Bodensee nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen und die Regelung weiterzuführen, welche seit 2003 existiert und Ende 2015 abläuft, werde das DJS im kommenden Herbst die betroffenen Verbände anschreiben und anfragen, ob der gegenwärtig gültige Entscheid von 2013 weitergeführt werden soll. «Das Merkblatt des Justizdepartements wurde immer wieder angepasst», sagt Stephan Felber. Bisher hätten sich die betroffenen Verbände jeweils an einen Tisch gesetzt und die Probleme ausdiskutiert. «Wir haben uns in den letzten Jahren immer gefunden», sagt er und erwartet deshalb auch, dass die gegenwärtige Bewilligung über das Jahresende hinaus läuft. Nur falls Verbände erhebliche Nachteile einbringen und diese begründen würden, müssten die Zonen eventuell neu festgelegt werden, sagt Felber.

Gegner von Kitesurfern argumentieren mit der Gefahr für Schwimmer. Kitesurfer würden gemäss Felber aber erst ab Windstärke 4 hinausfahren. «Wenn die Kitesurfer aufs Wasser gehen, herrscht nicht gerade schönes Badewetter», meint Felber.

Am Obersee liegt die Kitesurf-Zone östlich von Münsterlingen. (Bild: DJS)

Am Obersee liegt die Kitesurf-Zone östlich von Münsterlingen. (Bild: DJS)

Die Aussichten für Kitesurfer mit ihren Drachensegeln sind auf dem Bodensee auch weiterhin günstig. (Bild: pd)

Die Aussichten für Kitesurfer mit ihren Drachensegeln sind auf dem Bodensee auch weiterhin günstig. (Bild: pd)