Im Spannungsfeld der Gewässer-Renaturierung

Aus der Gewässerschutz-Gesetzgebung des Bundes ergeben sich auch für den Thurgau Aufgaben im Bereich der Revitalisierung und des Hochwasserschutzes. Nicht immer zur Freude der Landbesitzer, egal ob im Siedlungsgebiet oder in der Landwirtschaft. Eine Volksinitiative will Verlust von Kulturland verhindern.

Kurt Peter
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FRAUENFELD. Die Planung der Revitalisierung von Bächen im Kanton Thurgau sei abgeschlossen und durch das Bundesamt für Umwelt bewilligt, erklärt Marco Baumann, Leiter Wasserbau im kantonalen Departement Bau und Umwelt. Die Umsetzung aller Ideen sei allerdings langfristig angesetzt, betont er. Der Kanton fahre zwei Schienen: Mit Renaturierungen werde die Natur gefördert und die Anforderungen des Hochwasserschutzes erfüllt. «Damit können wir Synergien am gleichen Gewässer für beide Bereiche nutzen», erklärt Baumann.

Kulturland erhalten

Im vergangenen Jahr seien 88 Projekte in 42 Gemeinden an Bächen beurteilt und begleitet worden, 26 davon konnten abgeschlossen werden. Für diese Massnahmen stellt auch der Bund Beiträge zur Verfügung. 35 Prozent sind es aufgrund der Programmvereinbarung, erhöht wird der Zustupf, wenn es sich um ein wichtiges Projekt handelt.

Noch mehr Geld gibt es, wenn ein eingedolter Bach geöffnet wird, und der Beitrag erhöht sich zusätzlich, wenn der Gewässerraum sehr breit festgelegt wird. «Der Kanton zahlt an die Massnahmen im Schnitt 30 Prozent an die Kosten der Baumassnahmen, nach Abzug der Bundessubventionen.»

Kritik von Landbesitzern

Die Landbesitzer seien nicht immer glücklich über die Projekte, weiss Marco Baumann. Dies treffe sowohl im Siedlungsgebiet wie auch auf dem landwirtschaftlich genutztem Land zu. «Wir bemühen uns im Vorfeld um eine einvernehmliche Lösung mit den Betroffenen, was nicht immer leicht ist.» Kulturland sollte keines verlorengehen, heisse es doch in der Gewässerschutzverordnung, dass für von Baumassnahmen betroffenes, ackerfähiges Kulturland Realersatz geschaffen werden müsse.

Landwirtschaft im Sandwich

Im Gespräch stehen derzeit zwei kantonale Volksinitiativen, die den weiteren Verlust von Kulturland verhindern wollen. «Darüber sind wir als Verband Thurgauer Landwirtschaft erfreut, diese Diskussion muss geführt werden», erklärt Präsident Markus Hausammann. Die Bauern fühlten sich im Sandwich zwischen Interessengruppen, die einerseits für bauliche Entwicklung und andererseits für die Natur einstünden. Während die Landwirtschaft das Gefühl habe, dass sie bei betriebsbedingten Neubauten und Anlagen auf dem Hof scharf beobachtet werde, «wird der Kulturlandbedarf für Ökomassnahmen nicht hinterfragt».

Der Verband Thurgauer Landwirtschaft habe nichts gegen Renaturierung der Bäche, sie müssten aber in einem gesunden Verhältnis und in Absprache mit den Bewirtschaftern stattfinden. Bei der Thurkorrektion beispielsweise schiesse man bei der extensiven Bewirtschaftung über das Ziel hinaus, meint Hausammann. «Wir verteidigen unseren Handlungsspielraum bei der Umsetzung der Gesetze, so er noch vorhanden ist.» Den Mitgliedern des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft verspricht er Unterstützung bei diesen Fragen.