Im Schlaf zum New-born-Fotomodell

Erol ist sechs Tage alt – und bereits Fotomodell. Friedlich liegt er da auf dem weissen Kunstfell. Aber ganz eingeschlafen ist er noch nicht. Erols Mutter sitzt in einem Sessel, während Elli Soons dem klitzekleinen Baby sanft über die Stirn streichelt.

Mathias Frei
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So kann ein New-born-Föteli aussehen: der klitzekleine Erol. Geboren ist er am 2. Mai. (Bild: Elli Soons)

So kann ein New-born-Föteli aussehen: der klitzekleine Erol. Geboren ist er am 2. Mai. (Bild: Elli Soons)

Erol ist sechs Tage alt – und bereits Fotomodell. Friedlich liegt er da auf dem weissen Kunstfell. Aber ganz eingeschlafen ist er noch nicht. Erols Mutter sitzt in einem Sessel, während Elli Soons dem klitzekleinen Baby sanft über die Stirn streichelt. «Er sieht aus wie im Bauch», meint seine Mutter, eine junge Stadtzürcherin. Sie strahlt. Der Kleine ist jetzt ganz ruhig. Sein winziges Bäuchlein hebt und senkt sich im Takt seines Atmens. Dann beginnt Elli Soons zu fotografieren. New-born-Fotografie, ein Trend aus den USA, kommt allmählich in der Schweiz an. «Am einfachsten ist es, wenn die Babies schlafen», sagt sie. Man kann nicht mehr sagen als «Jö, so herzig».

Ein Bisi kann mal passieren

«Es braucht nicht viel, dass sie schnüselig aussehen», sagt Soons, die sich vor vier Jahren als Baby- und Kinderfotografin selbständig gemacht. Ein paar Felle, zwei, drei Hösli, Tüchli, zwei Körbli, ein Mützli. Nicht fehlen dürfen Matratzenunterlagen für unter die Felle und Reinigungstücher, falls ein Kleines mal Bisi machen muss. Kann passieren. Soons ist auch Mutter, hat mit Fotografieren begonnen, als ihre Tochter vor fünfeinhalb Jahren auf die Welt kam. Sie stand ihr als erstes Modell. Soons Freundinnen fanden die Bilder schön und wollten von ihren Neugeborenen auch solche Andenken. Heute fotografiert Soons im Schnitt zwei Neugeborene pro Woche. Einen Vormittag rechnet sie für eine Session. Daneben gibt sie auch Workshops.

Elli Soons Baby- und Kinderfotografin Frauenfeld (Bild: pd)

Elli Soons Baby- und Kinderfotografin Frauenfeld (Bild: pd)

Natürlichkeit statt Kitsch

Gelernt hat Soons die New-born-Fotografie in den USA und in England von Fotografinnen. In der angloamerikanischen Baby-Fotografie wird mit viel Deko gearbeitet – für Soons manchmal zu viel: «Es muss natürlich sein, nicht kitschig.» Vergangenes Jahr nahm Soons teil an einem Wettbewerb der Vereinigung professioneller Kinderfotografen Deutschlands – und kam mit dem dritten Preis als einzige Schweizerin in die Ränge. Aber Hauptsache ist: Die Kleinen fühlen sich wohl. Warm ist es im kleinen Fotostudio in einem Einfamilienhaus am Frauenfelder Stadtrand. Aus einem kleinen Lautsprecher ertönt ein gleichmässiger Herzschlag. Das beruhigt die Models, die höchstens zehn, zwölf Tage alt sind. Denn dann schlafen sie noch am meisten. Und wenn sie gegessen haben, schlafen sie noch besser. Deshalb hat Erols Mutter ihren Sohn noch vor Ort im Fotostudio gestillt. Wäre ja noch schöner: hungrig beim ersten Model-Job.

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