Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Im Raster von Interpol

Ein Ehepaar aus Bürglen wird bei der Ausreise aus Bosnien von den Grenzwächtern gestoppt. Die Zöllner schikanieren sie stundenlang. Es stellt sich heraus, dass die ID des Ehemannes auf der Liste von Interpol steht. Bis heute gibt es keine völlig befriedigende Erklärung dafür.
Ida Sandl
Kurt Leutenegger aus Bürglen bei seinem Wohnwagen. In der Hand hält er seine Identitätskarte. (Bild: Reto Martin)

Kurt Leutenegger aus Bürglen bei seinem Wohnwagen. In der Hand hält er seine Identitätskarte. (Bild: Reto Martin)

BÜRGLEN. Hedy und Kurt Leutenegger aus Bürglen sind unbescholtene Leute. Sie standen nie vor Gericht, waren niemals in illegale Machenschaften verwickelt und betrieben wurden sie auch nicht.

Deshalb dachten sie an nichts Schlimmes, als die bosnischen Grenzwächter bei der Ausreise nach Kroatien ihre Identitätskarten mit ins Zollgebäude nahmen. Die Papiere waren ja bereits bei der Einreise nach Bosnien kontrolliert worden. Leuteneggers stellten den Camper auf den Parkplatz und warteten im Auto. So, wie man es ihnen gesagt hatte.

Es war im Juni 2014, 10 Uhr vormittags und die Sonne stand schon hoch am Himmel. Ein Zollbeamter beobachtete das Ehepaar misstrauisch von seiner Kabine aus. «Seltsam», dachte Kurt Leutenegger. Er und seine Frau waren seit Wochen unterwegs, quer durch Europa, bis nach Griechenland. Die Reise hatten sie sich seit langem gewünscht. Jetzt, mit 67 Jahren, nachdem sie ihr Geschäft aufgegeben hatten, war Zeit dafür.

Warten, warten, warten

Dann fing der Albtraum an:

10.30 Uhr: Nach einer halben Stunde Warten im Auto, klopft Kurt Leutenegger an die Tür des Zollgebäudes. Er möchte erfahren, was los ist. Die Zöllner scheuchten ihn mit harschen Worten weg. Zurück ins Auto. «Wir wurden wie Schwerverbrecher behandelt», sagt Leutenegger. Eine weitere Stunde vergeht, ohne dass sich etwas rührt.

11 Uhr: Kurt Leutenegger nimmt einen neuen Anlauf, er bringt den Grenzwächtern die Reisepässe. Die nehmen sie zwar, schicken ihn aber sehr unfreundlich wieder zu seinem Auto.

Jetzt reicht es Leutenegger. Mit dem Handy ruft er bei der Schweizer Botschaft in Sarajewo an. Die Angestellte ist freundlich und sofort bereit, mit den Zollbeamten zu reden.

11.30 Uhr: Mit dem Handy in der Hand läuft Leutenegger erneut zum Gebäude. Doch die Zöllner sind an einem Gespräch mit der Botschaft nicht interessiert. «Zurück zum Auto!», wird ihm befohlen.

12 Uhr: Es ist brütend heiss auf dem kargen Parkplatz. Andere Autos stoppen kurz, fahren wieder weiter. Dann die erste knappe Information. Es gebe ein Problem mit der ID von Kurt Leutenegger. Die sei auf der Suchliste von Interpol.

Interpol? Leutenegger ist geschockt, kann sich keinen Reim darauf machen. Er wählt die Nummer der Kantonspolizei Thurgau, will wissen, warum seine ID von Interpol gesucht wird. Der Polizist sei ob dieser Anfrage entsetzt gewesen. «Er hat gesagt, dass er mich nicht kenne und eine Auskunft gegen den Datenschutz verstösst.»

12.30 Uhr: Leutenegger will beim Eidgenössischen Polizeidepartement nachfragen, landet aus Versehen bei der Berner Polizei. Die ID Nummer sei korrekt und die ID gültig, erklärt ihm der Polizeibeamte mit, das solle er den bosnischen Zollbeamten mitteilen. Jetzt versteht Leutenegger die Welt nicht mehr. Er hat Angst, in einem bosnischen Gefängnis zu landen. «Meine ID ist auf der Suchliste von Interpol und die Schweizer Behörden raten mir, ich soll sagen, alles sei in Ordnung.» Mittlerweile sind auch die Prepaid-Karten leer.

13 Uhr: Es kommt Bewegung in die Sache. Die Reisepässe haben wohl den strengen Augen des bosnischen Zolls standgehalten. Leutenegger greift zu einer Notlüge. Er erzählt den Zöllnern, vor etwa zwölf Jahren sei in seinem Haus eingebrochen und es seien sämtliche Ausweise gestohlen worden. Eventuell sei die ID seitdem bei Interpol registriert. Die Ausweise waren zwar nie gestohlen worden, aber den Grenzwächtern scheint es als Erklärung zu genügen. Nach drei Stunden in der brütenden Hitze lassen sie Hedy und Kurt Leutenegger weiterfahren.

Rätsel um offenen Kofferraum

Zu Hause fragt Leutenegger bei der Polizei nach, was es mit dem Interpol-Eintrag auf sich haben könnte. Die Polizisten forschen nach und stossen auf einen Vorfall, der etwa acht Jahre zurückliegt. Das Ehepaar Leutenegger hatte sein Auto auf einem Parkplatz in Baselland abgestellt. Als es den Wagen wieder abholen wollte, war das Auto zwar abgesperrt, der Kofferraum sei aber offen gewesen. Das kam ihnen merkwürdig vor und sie meldeten den Vorfall bei der Polizei. Gestohlen worden sei damals aber nichts. Durch die Meldung könne die ID-Nummer in den Interpol-Raster gelangt sein, lautet die Erklärung.

Seither keine Probleme mehr

Der Zwischenfall an der bosnischen Grenze hat dem Ehepaar die Lust am Reisen nicht verdorben. Probleme gab es seitdem keine mehr. Manchmal kommen Kurt Leutenegger aber Zweifel, dann fragt er sich, ob man wirklich schon durch eine einfache Meldung bei der Polizei auf die Suchliste von Interpol gelangen kann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.