Im Namen der Rose

Reisejournalisten aus Deutschland und der Schweiz besuchen den Thurgau: Sie landen in Bischofszell, obwohl das gar nicht so einfach ist, und sind begeistert. Dafür bekommt der Kanton jetzt im neuen Reisetaschenbuch Bodensee mehr Platz.

Ida Sandl
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Zuerst war die Rose, dann kam die Idee und jetzt kommen jedes Jahr 60 000 Besucher zur Rosenwoche nach Bischofszell. (Bild: Benjamin Manser)

Zuerst war die Rose, dann kam die Idee und jetzt kommen jedes Jahr 60 000 Besucher zur Rosenwoche nach Bischofszell. (Bild: Benjamin Manser)

BISCHOFSZELL. Herr Bischof aus Bischofszell macht seine Sache gut. Er lächelt charmant, antwortet geduldig und erzählt Geschichten. Hübsche Episoden von Witwen, die Brücken erbauen liessen. Auf denen wurde kein Brückenzoll verlangt, sondern ein Vaterunser. Das war früher. Er erzählt von Menschen, die sich um Rosen kümmern, die ihnen nicht gehören. Die es aber tun, nur damit Bischofszell schön ist. Das ist heute.

Bernhard Bischof ist Präsident des Organisationskomitees Rosenwoche. Er hat die Rosenwoche vor zwölf Jahren ins Leben gerufen. Jetzt steht er inmitten von zehn Reisejournalisten im Museumsgarten und erklärt, wie alles angefangen hat. Auf seiner Krawatte winden sich blaue Rosenblüten, im Revers steckt das Rosenemblem. Es ist ihm ernst mit der Rose.

Bischof wartet geduldig, bis die Journalisten ihre Fotos gemacht haben. «Ist das eine Bobbie James?», fragt die Frau von der «Heilbronner Stimme» und deutet auf zartrosa Blüten, die sich zwischen den Ästen eines Baumes winden. Die Frage bleibt offen. Auch ein Bernhard Bischof kann nicht alles wissen. Macht nichts. «Auf jeden Fall wunderschön», sagt die Frau.

Nicht alle durften mit

Thurgau Tourismus hat die Medienleute eingeladen. Zwei Tage tourt die Gruppe durch die schönsten Gärten im Kanton. Nach Bischofszell besuchen sie unter anderem die Kartause Ittingen und den Park beim Schloss Arenenberg.

«Gärten sind gerade ein Mega-Thema», sagt Petra Reinmöller von der Werbeagentur PR2. Sie organisiert die Reise. «Wir hatten mehr Anmeldungen als Plätze.» Ausgewählt wurden schliesslich diejenigen Journalisten, von denen man sich die grösste Publicity erhofft.

Dazu gehört Ingrid Nowel aus Stuttgart. Sie hat das Dumont-Reisetaschenbuch Bodensee geschrieben. Darin kommt der Thurgau zwar schon jetzt vor. Wenn das Buch im Sommer überarbeitet wird, soll der Kanton aber noch mehr Platz bekommen. Ingrid Nowel ist zum erstenmal in Bischofszell. «Das hier ist traumhaft», schwärmt sie. Die Rosenwoche könnte auch die Stuttgarter anlocken. Die Baden-Württemberger seien ein Volk von Eigenheim-Besitzern, da stünden Gärten hoch im Kurs. «Bischofszell wäre ein wunderbarer Tagesausflug.» In manchen Dingen sei der Thurgau weiter als der deutsche Nachbar, sagt Ingrid Nowel. «E-Biking ist hier touristisch viel besser entwickelt.»

Ein Artikel in einem Reiseführer ist für Thurgau Tourismus fast wie der Jackpot im Lotto. Nirgends sonst kommt man reiselustigen Menschen so nah.

Andere machen es nach

Die einzige Schweizerin in der Gruppe ist Sarah Fasolin. Sie wird für die «NZZ am Sonntag» einen Artikel schreiben, der dann nächstes Jahr vor der Rosenwoche erscheint. Vor kurzem war sie in Estavayer le lac im Kanton Fribourg, auch eine Rosenstadt. «Die Idee von Bischofszell breitet sich aus», sagt Sarah Fasolin. Eine Abordnung von Estavayer sei vor zwei Jahren an die Rosenwoche gereist, um sich inspirieren zu lassen. Jetzt hat Estavayer ein eigenes Rosenfestival organisiert.

Die kleine Gruppe ist mittlerweile fast am Ende der Tour. Immer noch werden die Rosensträucher zwischen den Buchsbüschen eifrig fotografiert. Bernhard Bischof erzählt, dass die Rosen- und Kulturwoche, wie sie genau heisst, bereits einige Preise bekommen hat. «Im 2010 wurden wir Oberthurgauer des Jahres», sagt Bischof. Die Teilnehmer lachen. Ob sie es auch noch lustig fänden, wenn sie wüssten, dass Oberthurgau keine Steigerungsform von Thurgau ist, sondern der Name einer Region?

Kein Billett nach Bischofszell

Beim Apéro rückt Sahar F. Kratz, der Herausgeber des Magazins «Wein & mehr», die Verhältnisse wieder zurecht. Er erzählt, dass er am Bahnhof von Freiburg im Breisgau kein Billett nach Bischofszell bekommen habe. Man sagte ihm, es existiere kein Bischofszell in der Schweiz. Er beharrte, dass es Bischofszell ganz sicher geben müsse. Das sei nur eine S-Bahn-Station, hiess es. Er könne deshalb lediglich eine Fahrkarte bis Frauenfeld kaufen.

Überall blüht es: Der Thurgau ist Ferienland für Velotouren. (Bild: pd)

Überall blüht es: Der Thurgau ist Ferienland für Velotouren. (Bild: pd)

Vater der Rosenwoche: Bernhard Bischof und Journalisten. (Bild: Nana do Carmo)

Vater der Rosenwoche: Bernhard Bischof und Journalisten. (Bild: Nana do Carmo)

Touristischer Hotspot: Schloss Arenenberg am Untersee. (Bild: pd)

Touristischer Hotspot: Schloss Arenenberg am Untersee. (Bild: pd)