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Im Hinterzimmer lockt das illegale Glücksspiel

Sonntagsgericht
Silvan Meile

Der Wirt ist pleite. «140 000 Franken Schulden», sagt sein Anwalt vor dem Bezirksgericht Arbon. Und der Schuldenberg des vierfachen Familienvaters wächst weiter. Die eidgenössische Spielbankenkommission brummt dem 48-jährigen Arboner mit türkischen Wurzeln eine Busse von 12700 Franken auf. Hinzu kommen Verfahrenskosten von rund viereinhalbtausend Franken. Er hatte in einem Hinterzimmer seines Restaurants einen illegalen Spielsalon betrieben, lautet der Vorwurf.

Lässig lehnt der Beschuldigte in seinem Stuhl, als sässe er vor einem Geldspielautomaten und warte auf die nächste Glückssträhne. «Ihnen wird die Organisation von Glücksspielen ohne Konzession vorgeworfen», sagt die Richterin. «Das ist jetzt aber übertrieben», spielt der Beschuldigte diesen Vorwurf runter. Der Raum sei für seine Kollegen eingerichtet worden.

Bei ihrer Hausdurchsuchung im Januar 2015 stellte die Kantonspolizei in einem Raum im Obergeschoss des Restaurants vier Glückspielautomaten und vier Terminals für Sportwetten fest, für jedermann frei zugänglich. An der Wand waren handgeschriebene Blätter aufgehängt. Darauf standen Sätze wie «Spielen nur mit eigenem Geld» oder «Spielen auf Kredit gibt’s nicht, bitte nicht fragen». In einem anderen Raum fanden die Polizisten einige hundert Franken sowie die Schlüssel, mit denen die Automaten geleert werden können.

Gemäss Strafverfügung der eidgenössischen Spielbankenkommission sind das Geräte, auf denen der Besitzer einstellen kann, wie viel Prozent der Spielereinsätze als Gewinn wieder ausbezahlt werden. «Die Spieler gewinnen relativ gesehen eher selten, was dem Betreiber wiederum höhere Einnahmen beschert», hält die Strafverfügung fest. Solche Glücksspiele dürfen nur in bewilligten Spielkasinos angeboten werden.

Die Polizisten beschlagnahmten die Spielgeräte und vernichteten sie später. Sie machten wohl grosse Augen, als sie nach einigen Monaten – das Verfahren lief noch – bei einer weiteren Kontrolle im Restaurant erneut auf Glücksspielgeräte stiessen. «Zu jener Zeit war dem Wirt bereits das Schlussprotokoll mit den ihm vorgeworfenen Taten im aktuellen Verfahren eröffnet worden», ist im Strafbefehl festgehalten. Beeindruckt hat ihn das offensichtlich nicht.

Unbeeindruckt zeigt er sich auch vor der Richterin. «Ich wirte noch am gleichen Ort», gibt er zu Protokoll. Falls er überhaupt etwas verdiene, müsse er es dem Betreibungsamt abliefern. «Vielleicht mal hundert oder zweihundert Franken.» Auf die Frage, mit was für Geld er denn die Automaten kaufte, weicht er zweimal aus. Er murmelt, es seien Occasionsgeräte gewesen. Und er habe nicht alle auf einmal gekauft, sondern mit dem Gewinn aus einem Gerät jeweils wieder ein neues dazugekauft. Wieso er nach der Hausdurchsuchung und Beschlagnahmung nochmals illegale Geräte betrieb, will die Richterin wissen. Eine richtige Antwort bekommt sie nicht. «Spielen ist Hoffnung», sagt der Beschuldigte lapidar. Es würden jene spielen, die eh kein Geld hätten.

Das Gericht fällte noch kein Urteil. Falls es die Busse der eidgenössischen Spielbankenkommission bestätigt und der Wirt diese nicht bezahlt, muss er hinter Gitter. «Drei Monate», schätzt sein Verteidiger. Die Forderung stelle faktisch eine Haftstrafe dar, da sein Mandant über kein Vermögen verfüge. Einen vollumfänglichen Freispruch fordert der Anwalt. Und der Wirt sitzt dabei noch immer lässig auf dem Stuhl.

Silvan Meile

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