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Im Farbenmeer von Bauer Fässler

Wo ist der Thymian? An den Thurgauer Wiesenmeisterschaften streifen die Juroren Markus Bürgisser und Jakob Rohrer durch das Blumenmeer von Valentin Fässler. Sie achten auf Arten und verteilen Höchstnoten für das Drumherum.
Marc Engelhard
Markus Bürgisser und Jakob Rohrer begutachten die Blumen, Bauer Valentin Fässler die Juroren. (Bild: Reto Martin)

Markus Bürgisser und Jakob Rohrer begutachten die Blumen, Bauer Valentin Fässler die Juroren. (Bild: Reto Martin)

HOHENTANNEN. Jakob Rohrer und Markus Bürgisser tappen durch die Wiese, leicht gebückt, und gucken durch die Gräser. Rohrer streift mit der Hand durch die Halme, schiebt die hohen Blumen zur Seite. Es scheint, als hätten sie einen Schlüssel verloren.

Tatsächlich suchen Bürgisser und Rohrer etwas anderes: den Wiesenknopf. Die beiden Juroren bewerten die Magerwiese von Bauer Valentin Fässler in Hohentannen, die Thurgauer Wiesenmeisterschaft steht auf dem Spiel. Den Wiesenknopf finden sie nicht, Flaumhafer auch nicht. Bürgisser notiert das auf seinem Formular. Überhaupt hat es nur wenige Arten, doch die tauchen die saftige Wiese in ein schillerndes Farbenmeer. Es spriessen goldgelbe Wiesenbocksbarte, weisse Margeriten und violette Witwenblumen. Das beeindrucke, sagt Rohrer.

Die Wiese ist gut vernetzt

Neben der Artenvielfalt achten die Juroren auch darauf, wie vernetzt die Wiese ist. Sie prüfen, woran sie angrenzt. Die Experten drehen sich um 360 Grad und lassen ihren Blick schweifen: Kiesgrube, eine Hecke und Obstbäume. Die Wiese von Bauer Fässler erhält die Höchstpunktzahl. Denn sie erlaubt beispielsweise einem Vogel, in den Obstbäumen nebenan zu nisten und dann bei ihr nach Nahrung zu suchen.

Die Lerchen würde es freuen

Dass es nicht so viele Arten in der Wiese gibt, erklären sich die Juroren mit dem Alter. Vor zehn Jahren hat sie Bauer Fässler gepflanzt, damals habe es noch nicht die spezielle Thurgauer Mischung der Familie Burri beim Saatgut gegeben, erklärt Rohrer. Er leitet den Bereich Biolandbau am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg (BBZ) und ist auch Vogelschützer. So fällt ihm auf, dass die Wiese von Fässler ein guter Brutplatz für Lerchen wäre.

Eigentlich vertritt Rohrer aber die Bauern in der Jury. Denn es sollen stets ein Landwirt und ein Naturschützer die Wiesen beurteilen. Markus Bürgisser ist Geschäftsführer von Pro Natura. Rohrer zeigt seine Zugehörigkeit am Gurt. Dort hängen kleine, goldige Munis dran.

Mit Schnauz, Chühli und Zigarre

Noch kleiner ist die goldige Kuh, die Bauer Valentin Fässler am Ohr trägt. Der stramme Landwirt mit dem dicken Schnauz pafft eine Zigarre, steht neben den Juroren und sagt: «Ich habe meiner Tochter gesagt, einen Preis gewinnen wir nicht.» Sie hat ihn überredet, an der Wiesenmeisterschaft mitzumachen. Er pflegt und hegt seine Wiese aus Freude. Ob er vielleicht doch gewinnt, weiss er spätestens im September. Dann verleihen die Juroren die Preise.

Die beiden Juroren kehren zurück zu ihrem Auto. Vorsichtig nehmen sie denselben Pfad, auf dem sie gekommen sind. Sie wollen nicht zu viele Blümchen umtrampeln. Bauer Fässler zuckt mit den Schultern, er sieht das nicht so eng: «Die stehen schon wieder auf.»

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