Im August sind achtzig gekommen

Die 300 Plätze in den Thurgauer Durchgangsheimen sind voll. Der Bund hat dem Thurgau im letzten Monat achtzig Asylbewerber zugewiesen – im Mai waren es sieben gewesen. In den Gemeinden hat es noch Plätze.

Thomas Wunderlin
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Asylbewerber und Kantonsschüler kommen sich beim Begegnungstag im Februar im Durchgangsheim Arbon näher. (Archivbild: Reto Martin)

Asylbewerber und Kantonsschüler kommen sich beim Begegnungstag im Februar im Durchgangsheim Arbon näher. (Archivbild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Von einem «grossen Anstieg» spricht Florentina Wohnlich, Leiterin des kantonalen Sozialamts. Der Bund hat dem Thurgau im Juli siebzig Asylbewerber zugewiesen, im August achtzig. «Im Mai», sagt Wohnlich, «waren es gerade mal sieben gewesen.»

Ende Juni waren 187 der 300 Plätze in den sechs kantonalen Durchgangsheimen besetzt. Jetzt sind alle belegt. «Eine Entspannung ist nicht absehbar», sagt Wohnlich. Einen Anstieg wie in Deutschland erwartet sie jedoch nicht. Erwünscht wäre, dass die Flüchtlinge sechs Monate in den Durchgangsheimen blieben, um sich erste Sprachkenntnisse aneignen zu können. Das kantonale Sozialamt weist sie nun schon nach etwa drei Monaten an die Gemeinden weiter, die noch Kapazitäten haben.

Verteilt nach Einwohnerzahl

Bei der Verteilung ist bei Kantonen wie Gemeinden die Einwohnerzahl massgebend. Der Thurgau muss 2,4 Prozent der Asylbewerber übernehmen. Gemäss Einwohnerzahl wären es 3,2 Prozent; die Reduktion ist dem Empfangszentrum in Kreuzlingen zu verdanken.

Der Thurgauer Regierungsrat beschloss 1997, dass der Anteil von Asylsuchenden an der Bevölkerung nur mit Zustimmung der jeweiligen Gemeinde ein Prozent übersteigen darf. Tatsächlich sieht der vierteljährlich angepasste Verteilschlüssel zur Zeit einen Soll-Bestand von nur 0,25 Prozent vor. So muss beispielsweise Ermatingen mit 3156 Einwohnern acht Asylbewerber unterbringen. Ende Juni waren nur vier Plätze belegt; Ermatingen hatte also vier Plätze frei. Den Standortgemeinden der Durchgangsheime wird eine Reduktion gewährt – analog zum Empfangszentrum bei der Verteilung auf die Kantone. Falls die Kapazitäten nicht reichen, würde der Kanton den Verteilschlüssel erhöhen. Die Gemeinden können ihrerseits die Belegung der Unterkünfte erhöhen. «Wo vier Personen wohnen, können eventuell auch sechs untergebracht werden», sagt Wohnlich.

Gemeinden suchen Plätze

Die Gemeinden machen sich aber bereits Gedanken, wo sie weitere Unterkünfte beschaffen könnten, sagt Kurt Baumann, Präsident des Verbands Thurgauer Gemeinden und Gemeindepräsident von Sirnach. Seine Gemeinde hat ihr Soll von 20 um eine Person übererfüllt. Untergebracht sind die Flüchtlinge in gemieteten Wohnungen oder Hausteilen. «Es soll kostengünstig sein, nicht grad ein Abbruchobjekt, aber auch kein Neubau», sagt Baumann. Allenfalls könnte man Zivilschutzanlagen beiziehen, was aber in Sirnach noch nie vorgekommen sei. Der Bund zahlt sieben Jahre lang für die Beherbergung von Asylsuchenden. Danach muss die Gemeinde Sozialhilfe für sie leisten. Nach Baumanns Einschätzung findet aber eine Mehrheit in dieser Zeit eine Arbeit.