Im Alter bei Kräften bleiben

BERLINGEN. Es ist nie zu spät, mit dem Krafttraining zu beginnen. Das hat die Terz-Stiftung aus Berlingen in einer Pilotstudie gezeigt. Rund 50 Senioren trainierten drei Monate und steigerten ihre Kraft deutlich.

Gudrun Enders
Merken
Drucken
Teilen
Mehr Kraft, mehr Gesundheit: Trainerin Sylvia Gattiker prüft, wie Bruno Galli seine Schultern trainiert. Ruth Galli stärkt die Brustmuskeln. (Bild: Nana do Carmo)

Mehr Kraft, mehr Gesundheit: Trainerin Sylvia Gattiker prüft, wie Bruno Galli seine Schultern trainiert. Ruth Galli stärkt die Brustmuskeln. (Bild: Nana do Carmo)

«Ich bin kein Fan von der Turnstunde», sagt Ruth Galli. Obwohl die 75-Jährige das Turnen ihr Leben lang mied, trainierte sie nun drei Monate lang in Berlingen bei dem Pilotprojekt der Terz-Stiftung mit. Da hatte sie gerade eine Hüftoperation hinter sich. «Seit dem Training fühle ich mich sicherer», sagt sie.

Auch ihr Mann machte mit. Als ehemaliger Kunstturner treibt der 77jährige Bruno Galli sowieso noch Sport in der Männerriege Berlingen. Doch seit einem Berufsunfall hat er Probleme mit der Schulter. Dank des Trainings bei der Terz-Stiftung stabilisierte sich die Schulter durch den Aufbau der umgebenden Muskeln. «Das ist positiv», findet Galli.

Eindeutig mehr Kraft

Sylvia Gattiker, selbst einmal Leistungssportlerin, leitete das Pilotprojekt. Sie legte inzwischen eine Liste der Trainingsergebnisse ihrer 48 Probanden vor. Ein viertel Jahr lang trainierten die Senioren, ihr Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren, eine Stunde wöchentlich in einem Fitnessstudio und gewannen dabei rund 50 Prozent an Kraft. Die Bauchmuskeln liessen sich am besten trainieren, denn hier war der Kraftzuwachs von 67 Prozent am stärksten. An der Hüfte fiel der Kraftzuwachs mit 30 Prozent am schwächsten aus. Das Fazit für Projektleiterin Gattiker: «Es ist nie zu spät, mit dem Training zu beginnen.»

Bei Gattiker trainierte auch der Chef persönlich. René Künzli ist 71 Jahre alt, Geschäftsführer der Terz-Stiftung, und hält sich vier Stunden in der Woche an einem Rudergerät fit. «Das ist einseitig», sagt Künzli selbst. Deshalb stellte er nach seinem dreimonatigen Pilotprojekt-Training fest: «Seitdem kann ich das Gleichgewicht besser halten.» Inzwischen integriert er Gleichgewichtsübungen in sein Fitnessprogramm.

Neuen Beruf kreiert

Regelmässiges Training hilft, möglichst lange im Alter selbständig zu bleiben. «Unsere Botschaft ist: fordern und fördern, aber nicht überfordern», sagt Künzli. «Unser Körper braucht Bewegung», sagt Gattiker. Beide haben etwas gegen das Wort Ruhestand, stattdessen entwickelten sie den neuen Beruf «Terz-Coach für Bewegung». Dieser Betreuer soll in Fitnesscentern die älteren Generationen anleiten und ihnen Vorbild sein. «Das gibt mehr Vertrauen», sagt Gattiker. Sie muss es wissen, denn sie besitzt selbst ein Fitness-Studio. Die 56-Jährige fordert sich selbst zusätzlich im Kopf und machte den Bachelor in Prävention und Gesundheitsförderung. Mit der Pilotstudie legte sie den Grundstein für ihren Master.