Ihr letzter Winter im Arosa-Stübli

Heidi Brühwiler wirtet seit 19 Jahren beim Skilift in Oberwangen. Nun sucht sie mit dem Präsidenten der Genossenschaft, Harald Wagner, eine Nachfolgerin. Die Suche erweist sich als schwieriger als erwartet.

Raya Badraun
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Heidi Brühwiler bereitet beim Skilift Oberwangen ein Fondue-Essen vor. Genossenschaftspräsident Harald Wagner geniesst einen Kaffee. (Bild: Chris Mansfield)

Heidi Brühwiler bereitet beim Skilift Oberwangen ein Fondue-Essen vor. Genossenschaftspräsident Harald Wagner geniesst einen Kaffee. (Bild: Chris Mansfield)

OBERWANGEN. «Jetzt ist es genug», sagt Heidi Brühwiler. Sie sitzt im Arosa-Stübli beim Skilift, trinkt Kaffee, während draussen Schnee fällt. Bereits die letzte Saison hätte ihre letzte sein sollen. «Mit den Jahren wurde es zu viel», sagt die Wirtin. Neben der Arbeit beim Skilift führt sie einen Haushalt und erledigt Büroarbeiten für das Geschäft ihres Mannes. Sie wolle nun etwas anderes machen.

Trotz einer intensiven Suche fand Harald Wagner, Präsident der Genossenschaft, keine Nachfolgerin – also springt Brühwiler nun für ihre 19. Saison ein.

Von der Garage in den Container

«Es ist eine besondere Atmosphäre in der Beiz», sagt Heidi Brühwiler. Beim Erzählen leuchten ihre Augen, man merkt sofort: Mit diesem Ort verbindet sie viel. Ihr Schwiegervater war einst Präsident der Skilift AG. So kam sie 1993 zu ihrem Job als Wirtin. Zuerst war die Beiz noch in der Garage unter dem heutigen Arosa-Stübli. Ein bisschen muffig habe es dort gerochen und Fenster gab es auch keine. So entstand die Idee eines Containers, der bis heute steht. «Immer, wenn etwas Neues hinzukam, habe ich mich gefreut», sagt Brühwiler.

Genossenschafter bauten aus

Aus finanziellen Gründen konnte die Skilift AG die Anlage nicht mehr betreuen. Eine Genossenschaft kaufte sie 1998 für einen symbolischen Franken. «Meine Bedingung war, dass ich weiterhin als Wirtin arbeiten kann», sagt Brühwiler. Durch den Wechsel der Besitzer entstanden neue Ressourcen. «Es gibt viele Mitglieder, die handwerkliche Berufe ausüben oder eigene Betriebe haben.» Sie bauten unter anderem den Container aus. Durch Täfer, neue Möbel und eine Küche erhielt das Stübli seinen heutigen Chalet-Charakter.

Einige Gegenstände sind fast so lange in der Beiz wie die Wirtin selbst. So wird die Kaffeemaschine seit über 10 Jahren benutzt. «Im Sommer steht sie bei mir zu Hause, im Winter hier», sagt Brühwiler. So komme ihr Mann während der Skisaison jeweils zur Kaffeepause ins Arosa-Stübli.

Eine Zeit lang hiess die Beiz nach seiner Wirtin: Heidi-Stübli. Später wurde eine Zusammenarbeit mit den Arosa-Bergbahnen eingegangen. «Das ist eine gute Werbemöglichkeit», sagt Wagner. So fand 1998 in Oberwangen ein grosses Skiliftfest statt. Mehr als 200 Gäste jubelten damals Gian Simmen, dem Snowboard-Olympiasieger, zu.

Arosa ist seither am Skilift omnipräsent: Das Kassenhäuschen ist Gelb-Blau gestrichen, die Stübli-Wände zieren den Arosa-Schriftzug und die Angestellten tragen Jacken mit dem Logo.

Junge lösen die Älteren ab

Viele Jahre ging es aufwärts. 150 bis 300 Billette werden pro Tag verkauft, in Spitzenzeiten bis zu 700. «Wir haben mittlerweile die obere Grenze erreicht», sagt Wagner. «Die Piste können wir nun nicht mehr verlängern und das Stübli wollen wir nicht vergrössern.» Der gemütliche Hütten-Charakter würde verloren gehen.

In den nächsten Jahren gehe es darum, die Anlage zu unterhalten und die Nachfolge zu regeln. Immer öfter helfen Junge bei der Beschneiung oder beim Anbügeln mit. Nur für das Arosa-Stübli, in dem Fondue serviert wird, fehlt noch eine Wirtin. Die Suche ist schwierig. Harald Wagner habe viele Anfragen gestartet – jedesmal bekam er eine Absage. Optimistisch ist er trotzdem geblieben. «Wir werden jemanden finden.»

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