«Ich war angetan von Elvis»

Vor 21 Jahren wurde er bereits als blutiger Anfänger für die «Boccaccio»-Inszenierung engagiert. Jetzt steht er zum fünftenmal als Solist auf der Sirnacher Operettenbühne: Der Winterthurer Tenor Reto Hofstetter.

Angela Buchmann
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Tenor Reto Hofstetter spielt in «Maske in Blau» die Rolle des Malers Armando Cellini. (Bild: Angela Buchmann)

Tenor Reto Hofstetter spielt in «Maske in Blau» die Rolle des Malers Armando Cellini. (Bild: Angela Buchmann)

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die sich nicht erklären lassen, so auf Ihrer Homepage beschrieben. Beispielsweise, wie man Zuhörer mit seinem eigenen Gesang verzaubert. Wer hat Sie damals gesanglich verzaubert?

Reto Hofstetter: In der Populärmusik war ich in jungen Jahren angetan von Elvis Presley, Freddie Mercury und weiteren Grössen. Später waren es José Carreras und Luciano Pavarotti, die mich beeindruckten. Persönlich verzaubern mich unverbrauchte und ehrliche Stimmen. Meinen Gesangsschülern erkläre ich es folgendermassen: Beste Grundlage ist eine klare und reine Kinderstimme, auf der man aufbauen kann.

Sie haben Saxophon und Gesang studiert und beides mit dem Lehrdiplom abgeschlossen. Warum ist die Entscheidung zugunsten des Gesangs ausgefallen?

Hofstetter: Obwohl es eindeutig der beschwerlichere Weg war, fand ich es spannender zu singen. Beim Gesang gibt es kein Zwischenglied, denn mein Körper und meine eigene Stimme bilden das Instrument. Es besteht eine direkte unmittelbare Verbindung zum Publikum; im besten Fall eine Seelen-Verbindung. Dies geschieht jedoch nur, wenn ich selber berührt und ergriffen bin von den Tönen und Worten, die ich von mir gebe.

Mit welchen Gefühlen sind Sie an der jetzigen Sirnacher Produktion dabei? Ist es ein Heimkommen?

Hofstetter: All diese Operetten sind ein Teil meines Lebens! «Boccaccio» war mein zweiter Auftritt überhaupt. Nach dem Studium folgte «Die Nacht in Venedig» und «Die Herzogin von Geroldstein». Im Jahre 2007 spielte ich die Figur des Eisensteins in der klassischen «Fledermaus»-Operette und jetzt also den grossen Liebhaber Armando Cellini in «Maske in Blau.» Ja, es fühlt sich gut an, mit vielen vertrauten Gesichtern zu arbeiten. Ausserdem freue ich mich, mit Petra Halper-König auf der Bühne zu stehen. Eine grossartige Sängerin, mit der ich 2013 in Vaduz «Polenblut» aufführte.

Wie bereiten Sie sich optimal auf Ihren Bühnenauftritt vor? Gibt es ein Einsingritual?

Hofstetter: In der Langsamkeit kann ich mich auf meinen Auftritt einstimmen. Stunden vor der Aufführung schalte ich in meinen persönlichen «Plemperli-Modus». So gelingt mir die Fokussierung am besten. Zum Einsingen stelle ich mir eine Sammlung von verschiedenen Stücken und Stilrichtungen zusammen. Sobald alle Kanäle offen sind, fühle ich mich sicher und bereit für den Auftritt.

Sie wirken sehr publikumsnah. Sind Sie ein Interpret mit Gänsehautfaktor?

Hofstetter: Ja, ich versuche das. Das sind meine Glücksmomente auf der Bühne. Wenn meine Stimme mit der Figur und dem Stück verschmelzen, eine Einheit bilden. Ein wunderbares Gefühl, die Resonanz des Publikums zu spüren. Eine Dame sagte mir nach einem Konzert: «Ihre Stimme ist ein Gottesgeschenk, passen Sie auf sie auf.» Das hat mich sehr bewegt.

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