«Ich trinke lieber ein kühles Bier»

Am Schlossberg läuft der Glühweinstand von Hanspeter Maier in der zweiten Saison auf Hochtouren. Und neu betreibt Frauenfelds Glühwein-König auch in der Altstadt einen Stand. Maier kommt mit Neidern zurecht und hat Ideen für die Stadt.

Mathias Frei
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Hanspeter Maier ohne Krone: «Der Titel des Glühwein-Königs macht mich ein wenig stolz.» (Bild: Andrea Stalder)

Hanspeter Maier ohne Krone: «Der Titel des Glühwein-Königs macht mich ein wenig stolz.» (Bild: Andrea Stalder)

Herr Maier, Sie füllen halb Frauenfeld mit Glühwein ab und verbreiten zugleich adventliche Stimmung in der Stadt. Was machen Sie lieber?

Hanspeter Maier: Da muss ich gleich widersprechen. Ich fülle niemanden ab. Die Leute trinken freiwillig meinen Glühwein. Und vor allem habe ich auch eine anständige Auswahl an alkoholfreien Getränken.

Sie sorgen eben auch für Adventsstimmung.

Maier: Ja, ich habe natürlich riesig den Plausch, dass die Glühweinstände so gut ankommen bei der Bevölkerung. Vor allem jener am Schlossberg ist zu einem Treffpunkt geworden. Am Mittag kommen die ersten, nachmittags ist Betrieb, und abends kommen wieder andere. Ich habe schon von Besuchern aus Chur, Solothurn, Zürich und Luzern gehört, dass sie nur wegen HP Maiers Glühwein nach Frauenfeld kommen.

Ist für Sie die Adventszeit also einfach nur Business oder doch mehr?

Maier: Ich würde lügen, wenn ich sagte: Das ist nicht Business. Denn man sagt mir nach, ich sei ein Macher. Bei mir muss es vorwärtsgehen. Aber auch ich feiere gern Weihnachten. An Heiligabend und am Weihnachtstag arbeite ich zwar. Mit der Familie, auch den Verwandten aus Deutschland, wird erst am 28. Dezember gefeiert. Das ist mir wichtig. Die Weihnachtszeit ist nicht nur da, um Geld zu verdienen.

Apropos Geld verdienen: Welcher Tag lief heuer am Schlossberg am besten? Wie viele Liter Glühwein gingen über die Theke?

Maier: Vergangenes Jahr war es hier ein guter Anfang, dieses Jahr läuft's wie eine Granate. Donnerstage sind immer gut. Der Chlausmarkt-Sonntag war rekordverdächtig. Aber über konkrete Zahlen rede ich nicht gern.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee mit dem Glühweinstand?

Maier: Am Basler Weihnachtsmarkt, der riesengross ist, betreibe ich schon seit längerem einen Glühweinstand. Das fehlte in Frauenfeld. Und der Stadtrat hat mir die Bewilligung dafür erteilt. Daraufhin habe ich grad etwas Rechtes aufgestellt, obwohl es anfangs ein Wagnis war. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass der Stand so gut läuft.

Was macht einen guten Glühwein aus?

Maier: Er muss süss sein, nicht bitter. Wir kaufen den Glühwein ein und verfeinern ihn. Aber wir verdünnen ihn nicht. Ich könnte Glühwein zu einem Drittel des Preises einkaufen. Aber ich will eine zufriedene Kundschaft. Ich verdiene ja auch jetzt noch dran.

Ist man als Glühweinstand-Betreiber passionierter Glühweintrinker?

Maier: Ich trinke eher wenig Alkohol. Aber wenn es dann mal vorkommt, trinke ich lieber ein kühles Bier. Oder bei den aktuellen Temperaturen einen Winter-Jack, ein Heissgetränk auf Whisky-Basis, dem wir ebenfalls noch unsere persönliche Note geben.

Dann würden Sie Ihren Glühwein in einer Blinddegustation gar nicht erkennen?

Maier: Doch, doch. Ich glaube schon, dass ich das schaffe.

Es gibt das Gerücht, dass der Glühwein am Schlossberg anders ist, besser als in der Altstadt.

Maier: Das ist zu hundert Prozent derselbe Glühwein, dieselbe Mischung, dieselbe Temperatur. Nur das Personal ist anders. Vielleicht habe ich am Schlossberg die schöneren Verkaufsmitarbeiterinnen. Ich weiss es nicht.

Hören Sie es eigentlich gerne, wenn man Sie den Frauenfelder Glühwein-König nennt?

Maier: Wissen Sie, ich bin schon der Schausteller-König und der Herr der Türme, weil ich die grössten Bahnen habe. Nun bin ich halt auch noch der Glühwein-König. Ich nehme das zur Kenntnis. Und es macht mich ein wenig stolz. Denn solche Titel muss man sich erschaffen.

Das bringt sicher auch Neider auf den Plan.

Maier: Damit muss man umgehen können. Das ist einfach so.

Sie haben in einem Interview gesagt, Sie würden keine Chilbi-Bahn zu lang besitzen. Das werde Ihnen sonst zu langweilig. Heisst das, dass Frauenfeld in Sachen Glühwein nächstes oder übernächstes Jahr wieder auf dem trockenen sitzt?

Maier: Keine Angst, solange ich darf und von der Gesundheit her auch kann, schenke ich in Frauenfeld Glühwein aus. Aber ich möchte mich auch mit dem Glühweinstand jedes Jahr wieder neu erfinden und verbessern.

Man könnte zum Beispiel kommendes Jahr die Rheinstrasse vor dem Schlossberg sperren.

Maier: Ich bin für alles zu haben.

Haben Sie noch andere spannende Ideen für Frauenfeld? Etwa für die Stadtkaserne? Wie wäre es mit einem Lunapark im Sommer und einer Glühweinwelt im Winter?

Maier: Das habe ich auch schon in Betracht gezogen. Aber dafür brauchte es Zehntausende an Besuchern, dass es sich rentieren würde.

Die Glühweinstände von Hanspeter Maier am Schlossberg und in der Altstadt sind noch bis zum Bechtelistag am 18. Januar täglich ab 10 Uhr geöffnet.