«Ich kann das Pfeifen halt einfach nicht lassen»

Die älteste Schiedsrichterin der Schweiz, Ruth Schmid (61), hat im Oktober eigentlich mit dem Pfeifen aufgehört. Jetzt leitet sie ein Comeback in die Wege.

Aylin Erol
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Schiedsrichterin Ruth Schmid (Bild: Urs Nobel)

Schiedsrichterin Ruth Schmid (Bild: Urs Nobel)

Wie ist der Alltag, ohne auf dem Fussballfeld zu stehen?

Ruth Schmid: Zu tun habe ich genug mit der Bäckerei und dem Restaurant, die geführt werden müssen. Doch Schiedsrichterin zu sein vermisse ich sehr, deshalb kläre ich jetzt mit meinem Hausarzt ab, ob ich nicht doch wieder beginnen kann.

Was vermissen Sie am meisten, nicht mehr Schiedsrichterin zu sein?

Schmid: Ich spielte einige Zeit selbst Fussball und war vierzig Jahre Schiedsrichterin. Fussball war immer ein wichtiger Teil meines Lebens und ein Ausgleich zur Arbeit. Das habe ich jetzt nicht mehr.

Warum gefällt Ihnen gerade diese Sportart so gut?

Schmid: Mir gefallen Mannschaftssportarten an sich. Einzelsportarten sind für mich im Vergleich mit einem Team, das gemeinsam kämpft, langweilig. Jedes Spiel ist anders, spannend und immer sehr emotional.

Wieso haben Sie aufgehört?

Schmid: Mein Ziel, die erste Frau zu sein, die Ehrenmitglied des Ostschweizer Schiedsrichterverbands wird, habe ich im März nach vierzig Jahren als Schiri erreicht. Ausserdem war mein Hobby neben der Arbeit sehr zeit- und energieaufwendig. Mein Körper war nicht mehr im besten Zustand. Als ich aufhörte, hatte ich starke Knieprobleme. Jetzt ist aber alles wieder in Ordnung, weshalb ich wieder pfeifen möchte.

Sie sprachen im Oktober davon, dass Sie ins Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen werden könnten. Haben Sie es geschafft?

Schmid: Ich habe leider noch keinen Bescheid bekommen, das muss europaweit und weltweit noch abgeklärt werden. Ich weiss allerdings, dass ich die einzige Schiedsrichterin in der Schweiz bin, die schon so lange auf dem Platz steht.

Wie geht es jetzt mit Ihrem Hobby weiter?

Schmid: Ich kann das Pfeifen einfach nicht lassen. Sobald ich den Ausdauertest bestehe und mich mein Arzt für fit genug erklärt, werde ich bei den Junioren des FC Tobel in Affeltrangen pfeifen. Der Verein hat ohnehin einen Schiedsrichter-Engpass. Auf diese Weise könnte ich den Club doch noch unterstützen.

Ist das nicht wieder sehr anstrengend?

Schmid: Wenn es mir zu viel wird, kann ich mit einem einzigen Telefonanruf absagen oder aufhören. Das ist aber ein Privileg, das ich jetzt erst als Ehrenmitglied habe. Das Pfeifen ist jetzt ein Dürfen und kein Müssen mehr. Am liebsten möchte ich diese Saison schon einsteigen. Dabei werde ich allerdings nicht an 20 Spielen, sondern etwa 15 pro Saison pfeifen. Ich kann halt einfach nicht ganz aufhören.