«Ich bin ein weltoffenes Landei»

Am Sonntag wählen die Ermatinger Bürger einen neuen Pfarrer. Marc Mettler – bisher evangelischer Pfarrer in Sumiswald – kandidiert. Im Interview spricht er über Gott, persönliche Berufung und den modernen Menschen.

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Familie Mettler: Dorothee und Marc Mettler mit den Kindern: Salome, Simon, Luc und Tobia. (Bild: pd)

Familie Mettler: Dorothee und Marc Mettler mit den Kindern: Salome, Simon, Luc und Tobia. (Bild: pd)

Marc Mettler, wer sind Sie?

Marc Mettler: Ein glücklicher Mensch, der seine Berufung in der Abhängigkeit von Gott leben darf, ein weltoffenes Landei, ein kritischer Geist, ein kommunikativer Typ, der aber nicht nur reden, sondern auch zuhören kann, ein mit ganzem Herzen im christlichen Glauben verwurzelter Mann, ein Pfarrer mit Leib und Seele. Seit 16 Jahren Ehemann einer tollen Frau und inzwischen auch Vater: Unsere drei Buben sind bald zehn, acht und fünf; unser Meitli wurde diesen Sommer zwei.

Seit wann sind Sie Pfarrer?

Mettler: Seit fast acht Jahren. Da ich auf dem zweiten Bildungsweg Theologie studierte, trat ich erst anfangs 2005 meine erste Pfarrstelle im Emmental an, nachdem ich im Aargau das Praktikumsjahr absolviert hatte.

Wieso sind Sie Pfarrer geworden?

Mettler: Ich war zuvor Landschaftsgärtner und Landschaftsarchitekt. Das war ich sehr gerne, und doch waren es wohl Lehr- und Wanderjahre. Es kam eine Zeit, in der ich intensiver als vorher nach meiner persönlichen Berufung fragte. Im Gebet fand ich Antwort: Marc, Du bist geboren, Menschen von Gott zu erzählen, von seiner Liebe, Vergebung, Hilfe und von seinem in die Ewigkeit rettenden Angebot durch seinen Sohn Jesus Christus.

Wie verläuft der Arbeitstag eines evangelischen Pfarrers?

Mettler: Meine Tage beginnen zeitig – morgens packe ich eine grössere Pendenz an – Unterricht vorbereiten, Berichte schreiben, einen Gottesdienst oder eine Gemeindeveranstaltung planen. Im Pfarramt muss man spontan und flexibel sein. Oft ergibt sich Unvorhergesehenes, was dann Vorrang hat. Nachmittags und abends finden zudem oft Seelsorgegespräche oder Sitzungen statt.

Wann wird ein Gespräch

gewünscht?

Mettler: Ein Gespräch wird gewünscht, weil jemand in einer sehr schwierigen Lebenssituation steht, schwer krank oder gar sterbend ist und Beistand, Begleitung oder Rat braucht. Seelsorge findet jedoch bei mir nicht nur innerhalb von vier Wänden, sondern auch im Dorf, an der Ladenkasse, an der Strassenecke statt, einfach dort, wo sich ein Gespräch ergibt und sich die Wege kreuzen. Vor allem mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen findet Seelsorge oftmals via SMS, Facebook oder Mail statt.

Warum braucht es Pfarrer in der heutigen, modernen Zeit?

Mettler: Die Kirche deckt mit dem Staat zusammen viele soziale Dienstleistungen ab. Das Proprium der Kirche ist die geistliche/spirituelle Ebene. Der moderne Mensch ist trotz seiner Aufgeklärtheit am Suchen nach Sinn im Leben – am Fragen bezüglich Gang der Zeit. Wer nimmt sich dem allem an? Pfarrpersonen haben ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen. Viele Zeitgenossen haben kein vertrautes Vis-à-vis und sind dankbar, dieses in einem neutralen Seelsorger zu finden. Von der Wiege bis zur Bahre soll die Kirche die Menschen begleiten.

Was haben Sie für Hobbies?

Mettler: Aquarien zieren unsere Wohnung; Süsswasserfische zu beobachten, die Becken zu pflegen, macht mir Freude. Als Seebueb vom Zürisee surfe ich gerne – ein Traum wäre vielleicht einmal ein kleines Segelschiff. Freundschaftliche Beziehungen zu pflegen, ist mir sehr wichtig – Zeit für einander haben.

Was erhoffen Sie sich in

Ermatingen?

Mettler: Menschen, die eine lebendige Kirche wünschen, die für Alt und Jung, Familien und Einzelpersonen attraktiv ist; Menschen, die an der «Sache Jesu» interessiert sind und christlichen Glauben konkret leben wollen. Ich erhoffe mir, dass die Kirche Ermatingen ein Treffpunkt ist, wo man gerne hingeht und gute Gemeinschaft erlebt, wo man einen herausfordernden Input erhält oder ein hilfreiches Wort mit auf den Weg bekommt.

Haben Sie schon Kontakte in Ermatingen geknüpft? Mettler: Wir durften schon einige herzliche Kontakte mit Leuten aus dem kirchlichen Kreis erleben. Eine Person meinte nach ein paar Gesprächen: «Es dünkt einen, wir kennen uns schon ewig». Ich muss sagen, so kam es mir und meiner Frau auch vor.

Warum sollten Sie in Ermatingen gewählt werden?

Mettler: Vor den Bewerbungsgesprächen hatte ich das «Bild» eines Stromkabels mit Stecker und einer Steckdose. Meine Frau und ich haben den Eindruck, dass die drei Pole des «Mettler-Steckers» genau und ohne Adapter in die «Ermatingen-Steckdose» passen und «Strom» fliessen kann...

...und was bringen Sie aus Sumiswald mit, damit der Strom auch zu Genüge fliesst?

Mettler: Viel Vorfreude, zwei Lastwagen voll Möbel und Bananenschachteln. In meinem Handgepäck hat es auch vielerlei Lebens- und Pfarramtserfahrungen. Ein paar Flaschen Wein, jedoch keinen Apfelsaft, davon hat es ja im Thurgau genug und was für einen feinen – wir haben ihn in den Ferien schon lieben gelernt.

Interview: Gjon David