HUNDEKURS-OBLIGATORIUM: Der Thurgau hält die Leine straff

Im Thurgau müssen nur noch Halter von grösseren Hunden Kurse besuchen. Aber die kleinen Modehunde machen am meisten Probleme, sagt die Präsidentin eines Kynologischen Vereins.

Thomas Wunderlin
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Halter kleiner Hunde müssen nicht mehr in einen der Kurse, welche die Tierärztin Eveline Buff alle sechs Wochen durchführt. (Bild: Reto Martin)

Halter kleiner Hunde müssen nicht mehr in einen der Kurse, welche die Tierärztin Eveline Buff alle sechs Wochen durchführt. (Bild: Reto Martin)

In Stettfurt biss 2002 ein Rudel Huskys ein Mädchen fast tot. 2005 starb im zürcherischen Oberglatt ein Bub bei der Attacke dreier Pitbull-Terrier. Darauf schickten der Bund und der Kanton Thurgau Hundehalter in Kurse über Hundehaltung. Der Thurgau erliess ausserdem eine Bewilligungspflicht für 14 als potenziell gefährlich geltende Hunderassen. Inzwischen ist die Empörung abgeflacht. Laut einer Untersuchung des Bundes bringt das Obligatorium keine messbaren Erfolge. Es gibt nicht weniger Hundebisse. 20 Prozent der Halter besuchen die Kurse gar nicht. Der Bund hebt deshalb das Hundekurs-Obligatorium auf Ende Jahr auf. Der Thurgau hält jedoch daran fest, wie der Regierungsrat am Donnerstag mitteilte. Auch die Bewilligungspflicht für die 14 Rassen gilt weiter.

Während der Bund die Absolvierung eines Theorie- und eines Praxiskurses zu je vier Lektionen verlangte, muss nach kantonalem Gesetz ein praktischer Kurs mit mindestens zehn Lektionen absolviert werden. Diese Pflicht gilt nur noch für Halter von Hunden, die mindestens 15 Kilo schwer werden. «Das sind die potenziell gefährlichen Hunde», sagt FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer. «Der Kanton Thurgau hatte schon immer das gescheitere Gesetz, es wurde aber vom Bundesgesetz übersteuert.» Die Prävention sei wichtig: «Wir wollen nicht warten, bis etwas passiert.» Die Gemeinden könnten einen Kursnachweis verlangen, wenn jemand nicht richtig mit seinem Hund umgehe. «Ohne Gesetz hätten sie kein Druckmittel mehr.»

Hunde wie Chihuahua und Papillon sind Mode
Nicht alle Gemeinden nutzen dieses Mittel, sagt Bea Schlauri, Präsidentin des Kynologischen Vereins Amriswil. In ihrer Wohngemeinde Hefenhofen habe sie vergeblich reklamiert wegen eines Hundes, dessen Halter nie einen Kurs besucht habe. Der Gemeindepräsident von Hefenhofen, Andreas Diethelm, will den Fall nicht kommentieren.

Schlauri hätte das schweizweite Obligatorium beibehalten. Jetzt mache jeder Kanton etwas anderes. Auch Halter von kleinen Hunden sollten Kurse machen. Zwar seien die Auswirkungen ihrer Bisse geringer. «Doch die kleinen Hunde machen am meisten Probleme», sagt die Präsidenti des Kynologischen Vereins Amriswil. Kleine Hunde wie Chihuahua und Papillon seien zurzeit Mode. Je kleiner ein Hund, umso mehr glaube er, sich durch Kläffen bemerkbar machen zu müssen.

Kurt Baumann, Präsident des Verband Thurgauer Gemeinden (VTG), begrüsst die Weiterführung des Obligatoriums. Das sei seine persönliche Meinung, der VTG habe sich nicht damit befasst. Baumann findet es sinnvoll, das Obligatorium auf Halter von grösseren Hunde zu beschränken. Die wenigsten Gemeinden kontrollierten den Kursbesuch. Der Aufwand sei zu gross. Jeder Halter sei selber verantwortlich. «Wir sind keine Hundepolizei», sagt Baumann. Die Gemeinden hätten nicht die Kompetenz, einen säumigen Hundehalter zu büssen. Erst wenn es zu Beissereien komme, verlange die Gemeinde einen Kursnachweis oder verfüge einen Kursbesuch.

Die Frauenfelder Tierärztin Eveline Buff führt etwa alle sechs Wochen einen Hundehalterkurs mit fünf bis zehn Teilnehmern durch. Wer sich zum ersten Mal einen Hund zulegt, der muss einen Theorie- und einen Praxiskurs belegen. Beide dauern vier Lektionen und kosten bei Buff je 150 Franken; beide zusammen gibt es für 280 Franken. Wer schon einmal einen Hund hatte, der muss nur einen Praxiskurs belegen, dies jedoch bei jedem neuen Hund. Buff findet die Wiederholungspflicht sinnvoll. Bei der Lerntechnik und der Verhaltensforschung entwickle sich das Wissen stark. Buff zeigt sich überzeugt, dass auch erfahrene Hundetrainer von den Kursbesuchen profitierten.

Das Obligatorium habe die Toleranz gegenüber Hunden verstärkt. «Man sieht, dass etwas gemacht wird», sagt Buff. Viele Tierärzte hätten festgestellt, dass sich auch das Verhalten der Hunde verändert habe: «Die Tiere sind besser im Handling; sie können leichter untersucht und behandelt werden.»