Hüttwiler Schüler heiss auf Politik

Wer den Nationalratspräsidiums-Stuhl im Projekt «Schulen nach Bern» besteigen darf, entscheidet sich erst in Bern. Am Engagement der Hüttwiler Oberstufenschüler wird es nicht scheitern. Sie tun alles, um im Bundeshaus zu glänzen.

Margrith Pfister-Kübler
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Hundert Unterschriften waren die Vorgaben. Die Hüttwiler Oberstüfler haben stolze 1500 Unterschriften für ihre Volksinitiative «Zivildienst für alle» aus allen 26 Kantonen gesammelt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Hundert Unterschriften waren die Vorgaben. Die Hüttwiler Oberstüfler haben stolze 1500 Unterschriften für ihre Volksinitiative «Zivildienst für alle» aus allen 26 Kantonen gesammelt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

HÜTTWILEN. Die Stoppuhr tickt. 4 Minuten, 28 Sekunden. Viel zu schnell geredet, wird korrigiert. Fünf Minuten Zeit lautet die Vorgabe. Lehrer Heinz Stubers Schüler üben diszipliniert Begrüssung, Ansprachen und Präsentationen. Sie wissen: Der Nationalrat zählt 200 Mitglieder. Er vertritt das Schweizervolk. Was die jungen Leute bisher kaum richtig einordnen konnten, das haben sie jetzt begriffen. «Wir haben sechs Monate darauf hingearbeitet, damit auch die ganze Organisation des Nationalrats begriffen ist», erklärt Stuber.

Für Bern: Üben, üben, üben

Unbeirrt sprechen sie vor, was sie im Projekt «Schulen nach Bern» im Nationalratssaal vortragen werden. Im Bundeshaus erwarten sie vom 28. April bis 2. Mai aufregende Tage. «Drei Minuten Zeit hast du in Bern für deine Vorstellung von Nationalratspräsidiums-Kandidatin Anneke Baak», wiederholt Lehrer Stuber. Schülerin Anneke Baak wird von der Klasse für die Rolle der Nationalratspräsidentin portiert. Rahel Lenz ist Fraktionschefin, Remo Schneider hat als Stimmenzähler auch eine wichtige Rolle. «Ja, ich werde nach der Matura einer Partei beitreten, vermutlich der SVP», sagt Rahel Lenz.

Hüttwilen und den Thurgau präsentieren: Das wird zweisprachig gemacht. Den deutschsprachigen Part spricht Deborah Kolb, den französischsprachigen Rebecca Fischer. Stuber hat den französischen Teil von seiner Schwägerin Michèle Stuber, einer echten Welschen, auf sprachliche Eigenheiten der Romandie korrigieren lassen. Alles wird zweisprachig trainiert. Und die Spielregeln der Demokratie haben nun auch alle intus.

Politik machen, die überzeugt

«Wir müssen die anderen Schulklassen überzeugen, dass Anneke Baak die richtige Kandidatin ist für das Präsidium», sagt Stuber. Alle Klassen mussten zudem eine Volksinitiative einreichen. Das politische Geschehen ist für die Hüttwiler Schüler spannend geworden, wie ein Abenteuer mit Langzeitwirkung.

«Zivildienst für alle» lautet Hüttwilens Volksbegehren. Dieses will die Bundesverfassung wie folgt ändern: «Jede Schweizerin ist verpflichtet, einen zivilen Ersatzdienst zu leisten. Frauen, die freiwillig Militärdienst leisten, sind von diesem Dienst dispensiert.» 100 Unterschriften waren gefordert. «Wir haben 1500 Unterschriften zusammen, aus allen 26 Kantonen», erzählen die Jugendlichen erfreut.

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