HÜTTWILEN: Verrückt, ein Schreibverrückter

Ein aussergewöhnlicher Anlass an einem ebensolchen Ort: Studierende der Kalaidos-Musikhochschule aus Zürich und der Berner Autor François Loeb sind diesen Samstag Gäste in der Hagschnurer Schüür.

Evi Biedermann
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Früher Nationalrat und Kaufhausbesitzer, heute als Schriftsteller tätig: François Loeb aus Bern. (Bild: PD)

Früher Nationalrat und Kaufhausbesitzer, heute als Schriftsteller tätig: François Loeb aus Bern. (Bild: PD)

Evi Biedermann

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

Allein der Ort ist schon einen Besuch wert. Hoch über Hüttwilen, umgeben von Obstbäumen, Vogelgezwitscher und einem üppigen Bauerngarten, präsentiert sich die Hagschnurer Schüür als prächtiges Relikt des früheren Bauernstands. Die Besitzer Barbara und Daniel Bauer haben das Potenzial des 200 Quadratmeter grossen Holzbaus erkannt und nutzen die rustikale Scheune nach gründlichem Entstauben vor zwei Jahren heute für kulturelle Anlässe.

Bereits zum zweiten Mal gastieren am Samstag drei Studierende der Kalaidos-Musikhochschule in der Schüür. Standen letztes Jahr Oper und Operette auf dem Programm, sind es heuer Werke von Haydn, Beethoven, Schubert, Chopin und Liszt. «Musik ver-rückt», steht zuoberst auf dem Flyer geschrieben. Und die Musiker werden als «Virtuosen am Klavier» angekündigt. Das gespaltene Wörtchen hat es in sich, lässt es doch mehrere Deutungen zu. Geht es da etwa um verrückte Musik, um musikverrückte Pianisten? Verrücken sie ihre Musik an verschiedene Orte oder sind sie gar selber verrückt?

Daniel Bauer lacht. «Ich lasse mich überraschen», meint er. Vor wenigen Minuten nämlich hat er erklärt, was das Konzept der Hagschnurer Schüür vorsieht: Überraschend, kreativ und anders sollen die Anlässe sein, persönlich und von hoher Qualität. Dazu passt der zweite Gast des Abends, François Loeb. Der Berner Autor wird literarische Texte vorlesen, von denen er unzählige geschrieben hat und noch schreiben wird.

Vielschreiber mit Untersee-Vergangenheit

Ein Schreibverrückter, denn er sagt von sich: «Ich schreibe nicht, es schreibt mir» oder «Wenn ich nicht schreibe, werde ich unleidlich». So schreibt Loeb im Zug, im Tram, von ihm gibt es Bücher mit Parlamentsgeschichten, Hotelgeschichten, Geburtstagsgeschichten, Grossvatergeschichten, venezianische Geschichten, TCS-Pannengeschichten, um nur einige zu nennen. Wäre Loeb nicht nur Vielschreiber, sondern wäre er auch ein Frühschreiber gewesen, gäbe es heute bestimmt auch ein paar abenteuerliche Geschichten vom Untersee. Über seine zwei Jahre in Glarisegg, wo er die Schule besuchte und daneben, wann immer möglich, auf dem Untersee «Sturmüberleben» übte. Im Ruderboot mit Freunden. «Ein gutes Training für die Stürme des Lebens», erinnert sich der 76-jährige Autor.

Zum Konzept der Hagschnurer Musik gehört auch eine Konzertbeiz. Dort können sich die Gäste am Samstag ab 17.30 Uhr mit regionalen Produkten verpflegen. Es gibt Feines vom Grill. Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Anstelle eines Eintrittspreises tritt eine Kollekte zu Gunsten der Musikhochschule für den Kauf eines Konzertflügels.