Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

HÜTTWILEN: Studiert an der Akademie der Landstrasse

Werner Mai hat an der Erfolgsgeschichte von Nüssli Temporärbau mit- gearbeitet. Im Jahr 1952 kam er als reisender Zimmermanngeselle erstmals in die Schweiz.
Margrith Pfister-Kübler
Werner Mai in seinem Zunftgewand. Seine Walz führte ihn in den 50er-Jahren nach Hüttwilen zu Heini Nüssli. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Werner Mai in seinem Zunftgewand. Seine Walz führte ihn in den 50er-Jahren nach Hüttwilen zu Heini Nüssli. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

HÜTTWILEN. Schwarze Kordkleidung, weite Schlaghose, ein Hut mit breiter Krempe und ein Reisebündel. Die Wandergesellen gleichen Gestalten aus früheren Zeiten. Die jungen Handwerker sind drei Jahre lang auf der Walz, wie es eine 800jährige Tradition vorschreibt. Werner Mai gehört zur Zunft der Zimmermänner. Hamburger genannt, obwohl, so Werner Mai, diese Zunft einst in Magdeburg gegründet wurde.

Werner Mai lebt mit seiner Frau Irma in einem hübschen Haus im Rebhang von Hüttwilen. Sein Händedruck ist immer noch zupackend, Hände, die so nur durch harte Arbeit entstehen. Das Leben hat seine Spuren ins Gesicht gegraben, ein unverbogener Typ mit Jahrgang 1931.

Mai blendet zurück ins Jahr 1952, als er erstmals als reisender deutscher Zimmergeselle in die Schweiz kam. Von Wien über St. Gallen nach Frauenfeld: «Am alten Wiler Bahnhof hat ein Landrover mit Langholz bei uns Zimmergesellen angehalten.» Es war Heini Nüssli. «Er hat gefragt, ob wir Arbeit suchen.» Die Antwort lautete: «Wir haben nur ein Besuchervisum für die Schweiz.» Für Pionier Heini Nüssli kein Problem, er sei Ortsvorsteher und werde das regeln.

Eine erste wunderbare Phase im Seebachtal

Am darauffolgenden Montag konnten die Zimmergesellen in Hüttwilen mit der Arbeit beginnen. «Wir erlebten eine schöne Zeit in Hüttwilen nach Handwerksgebrauch. Doch nach sechs Monaten mussten wir nach Zunftvorschriften wieder abreisen.» Wenn er von der Zunft und den alten Statuten spricht, sieht Werner Mai glücklich aus: «Unsere Zunft besteht seit 1460, damit sind wir die älteste Zunft Europas.» Nach Hüttwilen zog es Werner Mai immer wieder. Er lässt Revue passieren, wie Mitte der Fünfzigerjahre die Seebühne für die Steckborner Operettenaufführungen gebaut wurde, wie Tribünen für Eidgenössische Schwingfeste, fürs Militär oder die St. Galler Pferdesporttage gebaut wurden. Symbolisch zieht er immer wieder den Hut vor Heini Nüssli.

Nach Deutschland zurück zum Heiraten

Doch 1956 ging es wieder zurück nach Deutschland. Er wollte seine Irma heiraten, ein Ostflüchtling, die Schweisser und Schlosser gelernt hatte. Beide waren Ausländer. «Irma arbeitete in der Zwirnerei in Herdern.» Weil beide befristete Aufenthaltsbewilligungen von bis zu acht Monaten hatten, war die Gründung eines eigenen Hausstandes in der Schweiz damals fremdenpolizeilich nicht möglich, auch wenn man offiziell verlobt war. «Einer von uns hätte Schweizer sein müssen.»

Also ging's zum Heiraten nach Pforzheim, wo das elterliche Haus von Mai in Trümmern lag und wieder aufgebaut werden sollte. Er wurde bei Züblin Deutschland angestellt, absolvierte die Bauführerprüfung und wirkte bei Neuentwicklungen im Leichtbau mit. «In Freiburg im Breisgau haben wir 1958 schon das erste 16 Stockwerke hohe erdbebensichere Spital gebaut.»

Internationale Kontakte arbeiten für die Firma

Werner Mai zeigt auf kleine, alte Fotos mit weissem gezacktem Rand. Eines zeigt einen noblen Chevrolet, daneben Germaine und Heini Nüssli. «Im Frühling 1963 ist Ehepaar Nüssli zu uns in den Hochschwarzwald gekommen.» Heini Nüssli wollte die Firma international bekannt machen. Dazu brauchte es internationale Zulassungen, die man in der Schweiz nicht bekommen konnte.

Da war Mai sein Mann. Am 1. Oktober 1963 liess sich das Ehepaar Mai in Hüttwilen nieder: «Damals begann der moderne Aufbau der Firma Nüssli. Meine Verbindungen zu den Universitäten in Deutschland konnte man nun nutzen für Leichtbau- und Stahlrohr-Zulassungen.» Nüssli startete durch, baute Stahlrohrkonstruktionen, Tribünen und Grossopern weltweit. «Wir bauten die ersten 90 Meter hohen Tribünen mit spanischen Bergsteigern als Monteure», schwärmt Mai. Werner Mai, der etwas von Minutenkalkulation versteht, wurde mit Paul Zülle zum Geschäftsführer eines Firmenzweigs ernannt. Mai sagt: «Manchmal meint man, es sei Zufall, aber man muss es packen. Heini Nüssli hat das richtige Gschpüri gehabt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.