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HÜTTWILEN: Stöbern in einer fremden Wohnung

Flohmärkte sind die Leidenschaft von den Schwestern Marie-Louise Manganiello und Rosa Fabrizi. Nun haben die erfahrenen Ausstellerinnen in ihren eigenen vier Wänden einen Flohmarkt veranstaltet.
Christof Lampart
Marie-Louise Manganiello und Rosa Fabrizi kontrollieren ihre feilgebotene Ware. (Bild: Christof Lampart)

Marie-Louise Manganiello und Rosa Fabrizi kontrollieren ihre feilgebotene Ware. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

frauenfeld

@thurgauerzeitung.ch

Wer an einen klassischen Flohmarkt denkt, dem kommen meist zugleich auch jene Männer und Frauen in den Sinn, die sich schon in aller Herrgottsfrühe auf die Jagd nach Schnäppchen machen.

Sie wären beim Schau- und Verkaufsevent der Schwestern Marie-Louise Manganiello und Rosa Fabrizi wohl gleichermassen froh wie auch ernüchtert gewesen. Denn zum einen gab es in deren Wohnung an der Engelsgasse viel Schönes und Seltenes zu finden, zum anderen dürfte manchem beim Anblick der vielen Raritäten die Qual der Wahl befallen haben.

Erfahrung hat den Blick der Schwestern geschärft

Der Anlass hatte mehr den Charme eines Liebhaber-, denn eines Trödelmarktes. «Wir wollen nichts verkaufen, das uns nicht selber gefällt», sagt Marie-Louise Manganiello. Jahrzehntelanges Mitmachen an Flohmärkten – oft als Austellerinnen – hat den Blick der Schwestern geschärft. Die Waren kaufen sie nie, sondern erhalten sie von Dritten. Mal sind es die Überbleibsel eines ganzen Lebens, wenn eine Wohnungsräumung ansteht, mal ein Schuppen einer alten Firma, der jahrelang unbeachtet und vollgestellt vor sich hin rottete, bevor sein Abbruch bevorstand und er geleert werden musste. Auf diese Weise lässt sich viel Altes finden, von dem heute viele gar nicht mehr wissen, dass für dafür einmal einen Markt gab.

Tatsächlich sind die drei eng bepackten Räume eine Art Zeitreise. Kleinigkeiten wie eine ganze Schachtel ungebrauchter Grafitstifte aus den 1940er-Jahren finden sich hier ebenso wie ein Überseekoffer oder penibel ausgestattete Puppenstuben, denen unschwer anzusehen ist, dass sie – wären sie menschlich – wohl schon länger AHV-Rente bezögen. Selbstverständlich gefällt nicht alles, aber vieles ist so interessant, dass es sich lohnt, es sich genauer anzuschauen. Kein einziger der Besucher verlässt das Lokal nach wenigen Minuten wieder. Im Gegenteil: Wer auf diesem engen Raum 30 Minuten verweilt, gehört zu den Kurzaufenthaltern.

Besucher sind von weither gekommen

Da man sich auf engem Raum um proppenvolle Tische herumdrängt, geht schon mal eine gläserne Christbaumkugel zu Bruch. Jedoch sind keine entsetzten Aufschreie oder gar Schadensersatzforderungen zu hören. «Das ist nun mal Berufsrisiko», sagt Rosa Fabrizi und zuckt mit den Schultern. Derweil offeriert ihre Schwester Süssmost, Kaffee und Guetzli. Kein Wunder, verweilt man hier gerne ein bisschen länger und – kommt so miteinander ins Gespräch. Es zeigt sich, dass viele der Besucher von weither kommen: Freidorf, Münchwilen, Rickenbach (ZH) oder Wil. Wer halt einmal vom «Flohmi-Virus» gepackt wurde, der lässt sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen. Und beim Schwatz wird schnell ersichtlich, was die Flohmarkt-Liebhaber eint: Es ist die Wertschätzung alter Dinge.

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