HÜTTWILEN: Die mit Nägeln spuckt

Lena Pallmann spielt das Miggeli. Es ist die einzige Kinderrolle im Anna-Göldi-Musical, das ab September in einer ehemaligen Industriehalle in Neuhausen am Rheinfall zu sehen sein wird.

Désirée Wenger
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Lena Pallmann sitzt im Miggeli-Kostüm auf Kisten mit Material für die Bühne in der historischen Industriehalle. (Bild: Donato Caspari)

Lena Pallmann sitzt im Miggeli-Kostüm auf Kisten mit Material für die Bühne in der historischen Industriehalle. (Bild: Donato Caspari)

Désirée Wenger

desiree.wenger@thurgauerzeitung.ch

«Böse Figuren sind viel spannender als nette», sagt Lena Pallmann. Die Sechstklässlerin hat schon einige davon gespielt. Nun wird sie für das Anna-Göldi-Musical, das in einer ehemaligen Industriehalle des SIG-Areals in Neuhausen am Rheinfall aufgeführt wird, in die Rolle des Miggelis schlüpfen. Es ist die einzige Kinderrolle im Stück. «Miggeli ist eigentlich lieb, aber trotzdem interessant. Sie ist der Auslöser, weshalb Anna Göldi verurteilt und hingerichtet wird.» Manchmal frage Miggeli Dinge, die sie bestimmt nicht so fragen würde. «Sie ist acht Jahre alt, in einem reichen Haushalt aufgewachsen und ziemlich direkt. Sie ist schon ganz anders als ich.»

Die Elfjährige hat ein Inserat des Casting-Aufrufs für den Part in der «Thurgauer Zeitung» gesehen. Nach einigem Überlegen hat sie sich beworben.«Nachdem ich die Bewerbung geschickt hatte, bekam ich den Termin fürs Vorsprechen.» Sie habe ungefähr einen Monat Zeit gehabt, die Lieder und das Gedicht, die sie selbst aussuchen durfte, vorzubereiten. Jeden Tag habe sie geübt. «Aber ich war schon sehr nervös, als es so weit war, da mir die Rolle wichtig ist», sagt Lena. Um gegen das Lampenfieber anzukämpfen, habe sie sich mit ihren Eltern unterhalten.

Riesenfreude nach dem Vorsprechen

Am Vorsprechen sang sie die Stücke «Morning has broken» auf Deutsch und «Wenn der Frühling kommt» und trug das Gedicht «Rabeneltern» von James Krüss vor. Dann wurde sie zu ihren Hobbys, Rock ’n’ Roll tanzen und Klavier spielen, befragt. Diese tänzerischen und musischen Freizeitbeschäftigungen passten gut zum Schauspielern. «Als ich dann Bescheid bekam, dass ich das Miggeli spielen darf, habe ich mich riesig gefreut», sagt Lena und strahlt. Für die 47 Aufführungen teilt sie sich die Rolle mit drei anderen Mädchen aus der Ostschweiz.

Vor der ersten Probe sei sie ein wenig nervös gewesen. «Aber jetzt gar nicht mehr, jetzt kenne ich ja alle, und wir Mädchen haben es immer sehr lustig», erzählt Lena. Für die Proben bereitet sie sich jeweils zu Hause vor und übt fleissig die Texte und Lieder ein. «An den Proben selbst sind alle vier Miggelis dabei, das bedeutet, dass wir auch alle Szenen viermal durchspielen, so dass jede üben kann. Wir gehen meistens zuerst den Text trocken durch. Das bedeutet, nur zu sprechen, ohne zu spielen. Dann kommen die Emotionen dazu».

Mit den Profis auf der Bühne stehen

Mirco Vogelsang, der Regisseur des Musicals, sei auch immer nett und gebe gute Tipps. «Wir probieren viel aus, weil Mirco die Szene noch anders sehen will.» Am Theater-Spielen mag sie besonders, dass man sich in eine andere Rolle hineinversetzen und -denken könne. «Das ist einfach ein gutes Gefühl», sagt sie. Trotzdem will Lena Lehrerin werden. «Ich gestalte gerne Arbeitsblätter und zeichne gerne. Das ist auch mein Lieblingsfach. Und Lehrerin ist, im Gegensatz zu Schauspielerin, ein sicherer Beruf.» Sollte es sich ergeben, dass es mit der Schauspielerei klappte, wäre das natürlich super, findet Lena.

Am meisten Szenen habe das Miggeli mit Anna Göldi, ihrer Dienstmagd, und mit Elsbeth, ihrer Mutter. «Es macht mir grossen Spass, mit den erwachsenen Profischauspielern auf der Bühne zu stehen. Das ist schon toll», schwärmt Lena. Ihr Lieblingslied sei «Miggelis» Lied, das den zweiten Akt eröffnet. Sie singt es mit Simon Schnorr, der Miggelis Vater Dr. Johann Jakob Tschudi spielt. «Ich habe eine Szene, bei der ich Nägel spucke. Deshalb wird Anna Göldi auch verurteilt. Manchmal habe ich Angst, dass es nicht echt aussieht, aber das ist wohl nur, weil ich den Trick so gut kenne.»

Nervös für die Aufführungen sei sie jetzt noch nicht. «Aber das kommt schon noch, glaube ich. Das ist ja was ganz anderes als Schultheater, mit viel mehr Zuschauern. Es ist eine einmalige Erfahrung, und ich freue mich riesig, ein Teil davon zu sein.»

www.annagoeldi-musical.ch