HÜTTLINGEN: Der Strom, der aus der Nähe kommt

Per 1. Januar hat die Gemeinde auf Thurgauer Naturstrom als Standardprodukt umgestellt. 90 Prozent der Verbraucher machen mit. Der zuständige Gemeinderat Walter Schmid ist zufrieden.

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Strom aus regionalen erneuerbaren Energiequellen gehören seit Jahresbeginn zum Grundangebot des Elektrizitätswerks Hüttlingen. Damit übertrifft die kleine Gemeinde im Thurtal die Erfordernisse des kantonalen Energienutzungsbeschlusses, der vorzugsweise 100 Prozent erneuerbare Energie aus Schweizer Produktion vorschreibt.

«90 Prozent der angeschlossenen Haushalte haben Thurgauer Naturstrom akzeptiert. Wir sind mit dieser Quote sehr zufrieden», sagt der zuständige Gemeinderat Walter Schild. Die höhere Qualität der Energie macht ein Produkt der EKT Energie AG möglich. Mit «aqua eco» wird ein Thurgauer Naturstrom-Mix vertrieben, der im Wesentlichen zu acht Prozent aus lokaler Solarstromproduktion, zu 20,5 Prozent aus regionaler Kleinwasserkraft und zu 68 Prozent aus der KVA Weinfelden stammt.

Die Zahl privater Solarstromanlagen ist in Hüttlingen gewachsen, doch der damit gewonnene Strom wurde bisher zu einem bescheidenen Tarif vergütet und als Graustrom verkauft. Neu kann das örtliche Elektrizitätswerk diesen Strom zu einem «rechten» Preis vergüten, wie Schild erklärt.

Bereits liefern zehn lokale Photovoltaikanlagen ihre Energie dem Stromnetz des Hüttlinger EW. Damit wird dieser Strom echter Strom aus dem Dorf fürs Dorf. «Als kleine Gemeinde wollen wir global denken und lokal handeln. Wir schliessen damit den Wirtschaftskreis und sorgen dafür, dass weitere Solaranlagen zugebaut werden». Thurgauer Naturstrom hilft dem Hüttlinger Elektrizitätswerk, Strom in hoher Qualität sicher anzubieten. «Es ist ein fixfertiges, gut verständliches Produkt, das wir als kleines Versorgungsunternehmen selber nicht entwickeln könnten», erklärt Walter Schild. Auch persönlich steht der Gemeinderat voll hinter dem neuen Grundversorgungsmodell. Er pendelt seit 22 Jahren mit seinem Elektromobil zur Arbeit und lädt dieses täglich an der Haushaltssteckdose auf, neu natürlich auch mit Thurgauer Naturstrom «aqua eco».

Martin Sinzig

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch