Huber will mit den Jungen reden

Ruedi Huber will für die SVP in den Frauenfelder Stadtrat und denkt wohltuend differenziert über die Jugend von heute. Aber ein Rezept hat er keines, um etwa das «Hängerproblem» am Bahnhof in den Griff zu bekommen.

Beat W. Hollenstein
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Frauenfeld. Zwanzig Zuhörer, in der Mehrzahl Jugendliche, aber auch einige ältere Semester, waren am Dienstagabend auf dem Malzboden im Brauhaus Sternen versammelt, um Ruedi Huber zu beschnuppern. Dieser will die Nachfolge des zurücktretenden Stadtrates Werner Dickenmann antreten. Laut Christoph Keller, Vizepräsident der örtlichen SVP, waren fast ausschliesslich Parteimitglieder gekommen.

Für Ruedi Huber war es quasi ein Heimspiel, und es wäre für den 54-Jährigen ein Leichtes gewesen, in der aktuellen Debatte über die Nulltoleranz am Frauenfelder Bahnhof als Hardliner zu punkten. Doch Hauruck-Methoden sind dem Agronomen fremd. Als Familienvater und Ausbildner am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg zeigt er viel Verständnis für die Probleme heutiger Jugendlicher.

«Man kann den Bahnhofplatz durchaus säubern», sagt er. Aber für ihn wäre das blosse Symptom- und keine Ursachenbekämpfung. «Denn die Hänger wären damit keineswegs aus der Welt geschafft.» Wer sind die Jugendlichen? Woher kommen sie? Wo drückt sie der Schuh? «Um als Stadtrat Massnahmen zu ergreifen, müsste ich zuerst eine Antwort auf diese Fragen haben.» Allenfalls könnte er sich eine intensivere Video-Überwachung vorstellen. «Denn selbstverständlich haben die Passanten ein Recht auf grösstmögliche Sicherheit.

» In diesem Zusammenhang fordert der Referent auch mehr Zivilcourage: Führen sich Jugendliche ungebührlich auf, soll man sie zurechtweisen und nicht alles den Sicherheitskräften überlassen. «Aber ich weiss, wie schwierig das ist. Nach einem langen Arbeitstag will man doch einfach möglichst rasch nach Hause.»

Eltern in die Pflicht nehmen

In seinem Referat entwirft Huber ein traditionelles Familienbild, ist sich aber bewusst, dass dieses Risse bekommen hat.

Die Scheidungsrate sei hoch, viele Eltern seien überfordert. Dafür brauche es Anlaufstellen. «Wer Hilfe sucht, soll sie bekommen.» Trotzdem will er die Eltern in die Pflicht nehmen, «sie können ihre erzieherische Aufgabe nicht an die Schule delegieren». Es gelte, klare Regeln zu setzen und diese auch durchzusetzen.

Die Jugendlichen sind laut Huber im Kern nicht wesentlich anders als früher, doch ihr Umfeld habe sich verändert. «Sie werden von einer Informationsflut zugedeckt.

Kommunikation ist billig, einfach und global. Aber trotz Facebook und Skype ist der zwischenmenschliche Kontakt schwieriger geworden. Wem das alles über den Kopf wächst, neigt dazu abzuhängen.» Gerade in einer solchen Situation müsse man ihnen zeigen, dass sie einem nicht egal seien.

Den Jungen soll nicht alles in den Schoss fallen. Huber fordert Freiräume, damit sie etwas schaffen können. Also nicht einen fertigen Skaterpark hinstellen, die Nutzer sollen selbst anpacken.

«Als Einzelkind war ich häufig auf mich allein gestellt. Die Eltern führten das Postbüro in Uesslingen, der Vater verteilte die Post, die Mutter bediente am Schalter.» Er habe am meisten Fortschritte gemacht, wenn man ihn einfach habe machen lassen.

Sein guter Rat zuletzt: «Was wir nicht beeinflussen können, gilt es mit Gelassenheit zu akzeptieren.» Zudem dürften die Politiker nicht überschätzt werden, sie könnten auch nicht alle Probleme lösen. «Vater und Stadtrat kann man ohne Ausbildung werden. Für alles andere gibt's Diplome.»