Hotelgäste checken im Kloster ein

FISCHINGEN. Der Verein Kloster Fischingen bewegt sich zwischen Denkmalpflege, Brandschutzvorschriften, Businessplan und Klosterbetrieb. Das neue Seminarhotel im Kloster kostet sechs Millionen Franken. Am Sonntag ist die Eröffnung.

Silvan Meile
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Klosterdirektor Werner Ibig und Roman Müggler, Präsident des Vereins Kloster Fischingen, in der neuerstellten Rezeption des klösterlichen Seminarhotels. (Bild: Silvan Meile)

Klosterdirektor Werner Ibig und Roman Müggler, Präsident des Vereins Kloster Fischingen, in der neuerstellten Rezeption des klösterlichen Seminarhotels. (Bild: Silvan Meile)

Wenn die Räder der Rollkoffer erstmals über den Tonplattenboden rattern und die langen Gänge beschallen, wird im Kloster Fischingen eine neue Ära eingeläutet. Zwischen den alten Mauern des Baudenkmals nimmt ab nächster Woche ein modernes Seminarhotel seinen Betrieb auf. Aus den schlichten Mönchszellen der Vergangenheit entstanden im Osttrakt des 250jährigen Baudenkmals 30 Doppelzimmer mit eigenen Nasszellen für die Zukunft.

Wenig Spendengelder

Nach intensiven Restaurationsarbeiten streift das Kloster Fischingen das verstaubte Image des religiösen Bildungshauses ab und zeigt sich als glänzendes Seminarhotel. Nebst den Zimmern stehen den Gästen auch 13 Seminar- und Gruppenräume und ein fernöstlich angehauchter Meditationsraum bereit. Fünf Monate dauerten die Umbauarbeiten. Sechs Millionen Franken – eine mehr als geplant – kostet die Gratwanderung zwischen Denkmalpflege, Brandschutzvorschriften, Businessplan und Klosterbetrieb.

Auch wenn künftig Hotelgäste in Fischingen einchecken, die neunköpfige Benediktinergemeinschaft hält das Klosterleben weiterhin aufrecht. Die Benediktiner sind aber beim Verein Kloster Fischingen im seit 50 Jahren unter Bundesschutz stehenden Gebäude nur eingemietet. «Eine einzigartige Situation», sagt Roman Müggler, Präsident des Vereins, mit Blick auf andere Klöster. Dadurch lastet die Sorge um die kostenintensive Liegenschaft nicht auf den Schultern der Benediktiner, sondern auf jenen des Vereins.

Vor allem deshalb schlägt man nun in Fischingen einen neuen Weg ein. «Wir waren zum Handeln gezwungen», sagt Müggler. Mit dem wirtschaftlichen Betrieb eines offenen und modernen Seminarhotels soll die Institution langfristig gesichert werden. «Wir betreiben ein Hotel, um dieses historisch bedeutsame Gebäude zu erhalten», bringt es Müggler auf den Punkt. Der Verein erhoffte sich, zwei bis drei der anfallenden sechs Millionen Franken über Spenden generieren zu können. «Davon sind wir noch weit entfernt», sagt Müggler. Zusagen von 600 000 Franken seien zugesichert. Einige Antworten stünden noch aus, so auch jene des Kantons. Mögliche Spender sehen im Vorhaben des Vereins eine rein kommerzielle Ausrichtung und verzichten deshalb auf Zuwendungen. In der Rückhand besitzt der Verein Kloster Fischingen noch zwei Millionen aus einem Landverkauf, die er aber nicht für diesen Umbau einsetzen wollte.

Denkmal- und Feuerschutz

Ein beachtlicher Teil der sechs Millionen Franken fielen für denkmalpflegerische Massnahmen wie Stukkaturen, historischer Tonplattenboden oder etwa die Renovationen aller barocken Türen an. Der Hotelbetrieb im Baudenkmal muss ausserdem den Brandschutznormen genügen. So wurden die langen Gänge mit vier automatisierten Brandschutztüren ausgestattet. Zwei ehemalige Mönchszellen fielen gar einem Fluchttreppenhaus zum Opfer. Klosterdirektor Werner Ibig spricht von einer herausfordernden Aufgabe, für die «teilweise gegenläufigen Ansprüchen des Schutzes des kulturhistorisch sehr wertvollen Baudenkmals und des Feuerschutzes» gute und finanziell tragbare Lösungen zu finden.

Mit den nun abgeschlossenen Renovationsarbeiten öffnet sich rund die Hälfte des klösterlichen Gebäudekomplexes für die künftigen Hotelgäste. Doch auch der Pilgertradition wird mit zwei Mehrbettzimmern weiterhin Rechnung getragen. Am Westteil des Klosters, dem «kulturhistorisch wertvollsten Teil», wie Ibig sagt, fanden keine Renovationen statt. Dort schlummert die nächste Herausforderung.

Das Seminarhotel feiert am Sonntag, 2. März, Neueröffnung. Geführte Rundgänge von 13 bis 17 Uhr.